Top oder Flop? - Schnurer’s Einkaufstour der Woche (3SAT)
Epson TW2900
Der Epson-Projektor ist anders – für diese Erkenntnis muss man den TW2900 gar nicht anschalten: Er ist doppelt so groß und schwer wie die restlichen Testkandidaten. Der in China gefertigte Projektor wirkt sehr wertig verarbeitet. Dreht man am edlen Fujinon- Objektiv, fühlt man sich an ein Präzisionsinstrument erinnert und nicht – wie bei einigen der Konkurrenten – an ein billiges Spielzeug. Lens-Shift und Zoom sind großzügig dimensioniert, sodass man sehr flexibel in der Aufstellung des großen Kastens ist. Außerdem erfreulich: Der Lüfter ist im gedrosselten Lampenmodus fast nicht zu hören, lediglich 0,6 Sone haben wir gemessen. Der Epson fährt im Filmmodus einen Filter in den Lichtweg, der ungewollte spektrale Anteile dezimiert. Das führt zu schönen Farben und einem sehr „filmischen“ Bild – aber auch zu starkem Helligkeitsverlust. Im Filmmodus bringt der TW2900 nur noch 356 Lumen auf die Leinwand, mit gedrosselter Lampe sind es sogar lediglich 264 Lumen. Das reicht zwar locker für echte Heimkino-Räume, im Wohnzimmer mit weißer Wand und Decke kann es aber knapp werden. Neben dem sehr hellen – und sehr farbstichigen – Dynamikmodus (1337 Lumen) gibt es noch einige Kompromissmodi, die man in problematischen Lichtsituationen verwenden kann.
Der TW2900 nutzt – wie schon der ältere TW2000 – einen PW-390-Bildprozessor von Pixelworks, den die Epson-Ingenieure bestens im Griff haben: Das Deinterlacing von Halbbildern gelingt akkurat, 24p-Material wird wie im Kino mit verdoppelter Bildfrequenz dargestellt (2:2-Pulldown). Die voreingestellten Kinomodi unseres Testgeräts neigten zu rotstichigen Bildern, was dank des sehr umfangreichen Menüs aber schnell behoben war. Eine zuschaltbare Irisblende verstärkt den Kontrast zuverlässig, in der Betriebsart „Schnell“ arbeitet sie angenehm unauffällig – in leisen Szenen ist sie allerdings deutlich zu hören.
Epson verbaut im TW2900 ein Normally-White-Panel der Generation D7 mit organischen Bestandteilen im Polarisator. In teureren Epson-Geräten kommen „C2Fine“-Panels zum Einsatz, die im Normalzustand kein Licht durchlassen und keine organische Anteile enthalten sollen. Solche anorganischen LCDPanels sollen langzeitstabiler sein, während zumindest frühere Panels mit der Zeit zu Farbstichen neigen. Offenbar hat Epson aber keine Bedenken, dass die TW2900-Panel vorzeitig altern könnten – es gibt drei Jahre Garantie auf den 1200 Euro teuren Beamer.
Einen detailierten Test des Epson-Beamers sowie von drei weiteren HD-Beamern (Acer H7530D, BenQ W1000, Mitsubishi HC3800) finden Sie in der Printausgabe 26/09 des c't magazins im Artikel "Monstergröße, Full-HD-Projektoren im Test" ab Seite 92. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 21.12.2009 auch als PDF-Datei im c't-Kiosk .
Assassins Creed 2
Wer eine Stadt glaubwürdig simulieren will, muss sie vor allem mit Bewohnern füllen. Erst wenn sich der Spieler mit seiner Figur durch dichte Menschenmassen bewegt, kommt richtige Straßenatmosphäre auf. Als das erste Assassins Creed vor zwei Jahren auf den Markt kam, konnte es zwar das bunte Treiben auf den Straßen des mittelalterlichen Jerusalems authentisch einfangen, jedoch merkte der Spieler an sich allzu schnell wiederholenden Elementen, dass etwas faul war im Königreich der Himmel. Wenn Bettler immer den gleichen Spruch auf den Lippen haben und Laufburschen stets dieselben Kisten herumtragen, fühlt man sich eher wie in einer schlecht programmierten Matrix als in einem historischen Epos (was die Hintergrundgeschichte jedoch brillant auffing).
Assassins Creed 2 macht alles größer, schöner und abwechslungsreicher. Es setzt auf das Fundament der atemberaubenden Stadtatmosphäre des ersten Teils auf, reißt aber dessen klappriges Missionsgerüst ein, um den frei gewordenen Platz mit dem dichten Fachwerk eines intrigenreichen Thrillers zu füllen, der sich um eine Verschwörung gegen die Familie Medici im 15. Jahrhundert in Norditalien rankt. Ezio schlüpft nach dem Tod seines Vaters in dessen Assassinen-Kutte und spürt in den Straßen von Florenz und Venedig die Hintermänner eines Komplotts auf, das bis an die höchste Stelle des Vatikans reicht. Kurtisanen, Diebesgilden und der junge Leonardo da Vinci kommen ihm zur Hilfe und im Laufe des Spiels baut Ezio sein Anwesen in der Toskana zur einem florierenden Stützpunkt aus, mit dessen Einnahmen er seine Rüstung und Waffen verbessert.
Doch auch wenn einen die Verschwörungsgeschichte über 20 Spielstunden in den Bann zieht, haben sich auch im zweiten Teil Ungereimtheiten in die Matrix eingeschlichen: Warum hängen Steckbriefe, mit denen nach Ezio gefahndet wird, nicht über dem Bürgersteig, sondern unter der Dachrinne? Und wieso warten die Wachen im Kampf seelenruhig ab, bis Ezio sie einen nach dem anderen erdolcht?
Ubisoft hat die Serie im zweiten Teil für die Masse geöffnet und spielerische Schwierigkeiten weitgehend aus dem Weg geräumt. Das erspart lästige Wiederholungen. Jenseits des Haupterzählungsstrangs mag so manch geübter Spieler jedoch die Herausforderung vermissen, in den malerischen Gässchen nach weiteren Geheimnissen zu suchen.
Brütal Legend
Spielt man Brütal Legend, möchte man meinen, Tim Schafers liebstes Entwicklerwerkzeug sei der Fleischwolf, durch den er alle Genres zu seiner Heavy-Metal-Action-Strategie-Adventure-Oper gedreht hat. Die treffsichere Hommage an den Heavy Metal der 70er wäre ohne School-of-Rock-Darsteller Jack Black sicherlich nur halb so lustig geworden. Schafer und Black lassen Heroen wie Lemmy Kilmister und Ozzy Osbourne als Saitenarzt und Waffenhändler auferstehen, die dem Roady Eddy in der Fantasy-Schlacht gegen Lord Doviculus zur Seite stehen. Was als Action-Gemetzel im Stile von God of War anfängt, biegt wenig später im Hot Rod Richtung Open-World-Action-Adventure mit Reliktsuche und Drachenjagden ab, um schließlich in einem Echtzeitstrategiekampf zu enden, bei dem sich die Parteien auf Rock-Bühnen gegenüberstehen, Fan-Seelen aus Geysiren mit Merchandising-Artikeln anzapfen und Headbanger und Röhrenverstärker in die Schlacht schicken. Selbst kurze Gitarrensoli im Stil von Guitar Hero wurden noch verarbeitet.
Einzeln betrachtet sind die Elemente spielerisch nicht besonders anspruchsvoll: Man muss weder mit der Axt noch mit der Gitarre besonders kunstvoll umgehen. Die Strategie der Rockkonzerte besteht lediglich darin, möglichst schnell alle Fan-Ressourcen zu sichern und mit seiner Headbanger-Armee zum Angriff zu blasen. Ebenso hätten die Animationen technisch noch etwas Feinschliff vertragen können. Doch Brütal Legend zitiert so stilsicher die Kultfiguren des Heavy Metal und mixt die Genres so abwechslungsreich zusammen, dass man während der zehn bis zwölf Spielstunden vor lauter Spaß über diese Unzulänglichkeiten wohlwollend hinwegsieht. Die Ramones konnten schließlich auch nur vier Akkorde und waren trotzdem geil.
Activisions Chef Robert Kotick war die Mischung wohl zu abgedreht, als dass er sie hätte in Serie produzieren können, weshalb Brütal Legend kurz vor Veröffentlichung zum Konkurrenten Electronic Arts wechselte. (Jan-Keno Janssen, Hartmut Gieselmann)
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