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Virtuelle Wandergruppe - Mit GPS-Trackern die schönsten Wanderrouten teilen

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Was man mit GPS-Tracks alles anstellen kann

Wer einen GPS-Logger in der Tasche hat, kann die spontane Kajaktour, die Ballonfahrt zum Vierzigsten und die gewagte Tiefschnee-Abfahrt später am PC nochmal erleben. Passende Analyse-Software liefert Daten zum maximalen Gefälle oder zur Spitzengeschwindigkeit, Geo-Tagging-Programme pinnen unterwegs geschossene Fotos auf einer Karte an ihren Aufnahmeort und im Web warten GPS-Fanportale auf die schönsten Spritztouren.

Ein GPS-Logger speichert in regelmäßigen Zeitabständen die aktuelle geografische Position. Freizeitsportlern liefert die Analyse solcher GPS-Tracks Daten über die gelaufene oder geradelte Strecke, die Geschwindigkeiten und ein Höhenprofil. Wer auf dem Motorrad öfter mal ins Blaue aufbricht und hinterher gerne rekonstruieren will, wo der lauschige Biergarten genau war und wie man schneller hingekommen wäre, wird einen GPS-Logger als Begleiter schätzen. Mit so einem Gerät ausgerüstet, muss man sich im Urlaub auch nicht genau merken, von welcher Restaurant-Terrasse aus der Sonnenuntergang so spektakulär aussah – die Daten aus dem Logger sorgen dafür, dass das Beweisfoto im Reiseblog an der korrekten Stelle der Karte sitzt.

Ein solcher Logger, den man schon ab 50 Euro bekommt, leistet natürlich weniger als ein Outdoor-GPS-Handgerät, das die aktuelle Position in einer Karte auf seinem Display anzeigt, oder ein Navigationssystem fürs Auto, das Routen von A nach B selbst berechnet und den Nutzer unterwegs mit konkreten Richtungsangaben zum Ziel dirigiert. Dafür tun Logger etwas, was kaum ein Navi kann: Sie zeichnen den tatsächlich zurückgelegten Weg auf.

Einige der Logger kann man auch als GPS-Mäuse benutzen, als reine Empfänger, die einer Software auf PDA, Smartphone oder Notebook die aktuellen Koordinaten bereitstellen. Damit können sie als Teil eines selbst zusammengestellten Navigationssystems dienen.

Für einen GPS-Logger kann man durchaus auch mehrere Hunderter ausgeben und erhält dafür ein Gerät mit maßgeschneiderter Software, das nicht nur die Aufgabe eines elektronischen Fahrtenbuchs und Fahrtenschreibers übernimmt, sondern sich beispielsweise aus einer Firmenzentrale heraus orten lässt. Dazu überträgt es von unterwegs laufend Positionsdaten an einen Server. Bei solchen Flottenmanagement-Lösungen fallen allerdings neben den Anschaffungskosten fürs Gerät zusätzlich laufende Kosten für die Datenübertragung an.

Routentausch

Wer sich einen günstigen GPS-Logger zulegt, kann dessen Tracks auf dem eigenen Rechner horten – oder seine Fahrradtouren, Jogging-Strecken und Motorrad-Ausflüge übers Internet Gleichgesinnten präsentieren und mit sich anderen Outdoor-Aktiven austauschen. Eine wachsende Fangemeinde macht mittlerweile von dieser Möglichkeit regen Gebrauch.

Vieles davon läuft unkommerziell und wird vom puren Enthusiasmus der Macher getragen. Zum Beispiel www.GPSies.com: 2006 klein gestartet, wächst der Track-Fundus des Freizeitprojekts exorbitant. Zurzeit kann der Nutzer kostenlos die Geodaten von rund 32 000 Strecken in Deutschland und den angrenzenden Ländern abrufen.

Wie viele andere Portale visualisiert GPSies Tracks mit Hilfe des API von Google Maps. Außer den gewohnten Karten bietet Google über seinen Bilderdienst Panoramio die Option, von Nutzern eingestellte, mit Geodaten versehene Fotos von markanten Punkten entlang der Strecke einzublenden. GPSies bewertet die Qualität der hochgeladenen Tracks automatisch auf einer Skala von einem bis fünf Sternen. Zugrunde liegt dabei ausschließlich der Quotient aus Streckenlänge und Anzahl der Wegpunkte, also die Auflösung oder "Schärfe" der Aufzeichnung.

Die Community bietet die Online-Konvertierung von aufgezeichneten Tracks aus allen gängigen Formaten heraus. Das hält den Aufwand und die Hemmschwelle gering, eigene Touren beizusteuern. Beim Hochladen verwandelt GPSies den Track zunächst in KML (Keyhole Markup Language), das Standardformat von Google Maps und Earth. Möchte man einen Track herunterladen, konvertiert ihn der Dienst zuvor ins Wunschformat. Das ist nützlich, wenn man die gewählte Strecke ins eigene Navigationsgerät laden will, um eine Tour nachzugehen. Die Datenformate der Navi-Hersteller Garmin, Magellan, TomTom und Navigon sind ebenso im Angebot wie ein tabellarischer Excel-Export der Koordinaten aller Trackpunkte.

GPSies versteht sich als Plattform für jede Art von Outdoor-Aktivität. Sowohl hübsche Cabrio-Ausflugsstrecken wie geeignete Wege für Inline-Skater finden sich im Angebot. Der Schwerpunkt liegt aber bei Fahrradtouren. Wer solche sucht oder anzubieten hat, sollte auch einen Blick in das Portfolio von Bikemap.net werfen. Die Website bietet momentan rund 38 000 Routen mit einer Gesamtlänge von fast drei Millionen Kilometern – viele "Hausrouten" von Radsportfans, aber auch landschaftlich bemerkenswerte Ausflüge, die sie im Urlaub gemacht haben. Ideal ist ein solches Angebot etwa, wenn man gerade umgezogen ist und keine Lust verspürt, mit Papier-Landkarten auf langwierige Suche nach brauchbaren Trainingsstrecken zu gehen.

Blind vertrauen sollte man den Tracks aus dem Netz allerdings nicht – insbesondere, wenn sie querfeldein durch kritisches Gelände wie Wald oder gar Gebirge führen. Man weiß nie, wie präzise der Logger aufgezeichnet hat und wie genau es der wackere Wegspender mit der Nachbearbeitung nahm. Wer lieber auf geprüfte Tracks zurückgreifen will, sollte sich darauf einstellen, zu bezahlen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) etwa bietet auf seinem Touren-Portal Tracks von Radwanderwegen in der Gesamtlänge von mehr als 94 000 Kilometern an. Allerdings sind nur die ersten 100 kostenlos, danach berappt der Radler zwei Cent pro weiterem Kilometer. Der Download des Tracks zum 318 Kilometer langen Leine-Heide-Radweg beispielsweise schlägt so mit 6,36 Euro zu Buche.

Heimatkunde oder Expedition

Regionale Portale bieten den Vorteil, dass dort in aller Regel Ortsansässige ihre Tracks tauschen, die ihre Heimat gut kennen. Beispielsweise zur Urlaubsplanung lohnt sich eine kleine Web-Recherche in diese Richtung. Einige Kommunen bieten GPS-Tracks zum Download bereits als Service auf den Seiten mit ihren Touristeninformationen an. Auch die Reiseführer-Verlage setzen auf den Mehrwert von GPS-Tracks. Der renommierte Michael-Müller-Verlag etwa bietet zu vielen seiner Schmöker ergänzende und aktuell gehaltene Infos im Web. Dort lassen sich die beschriebenen Wander- oder Fahrradtouren herunterladen.

Auch Auslandsreisende profitieren von der passenden Track-Community. Begeisterte GPS-Aufzeichner loggen mitunter Wege, die kaum erschlossen sind. Wer beispielsweise in Frankreich abseits der ausgetrampelten Pfade wandern will, dem sei das Track-Tauschportal tracegps.com empfohlen. Keine Sorge, Informationen gibt es dort nicht nur auf Französisch, sondern auch in englischer Sprache.

Schafft es eine Community, genügend begeisterte Anhänger zu finden, kann sie sogar helfen, einen ganzen Kontinent besser auszuleuchten: Die Non-Profit-Organisation Tracks4Africa ist aus einer kleinen Gruppe ökobewusster Outdoor-Enthusiasten entstanden. Mittlerweile steuern rund 1400 Afrika-Abenteuer-Reisende ihre Tracks bei und sorgen dafür, dass auf Tracks4Africa.com ein genaueres und aktuelleres Abbild des Kontinents entsteht, als es gedruckte Literatur bietet. Reisende, die Tracks4Africa zur Tourenplanung nutzten, äußern sich in Foren immer wieder verblüfft über die Präzision der Tracks und Regionsbeschreibungen.

Wer einen ersten Blick auf die Daten des Projekts werfen möchte, kann das via Google Earth tun: Das Projekt pflegt einen eigenen Layer, der sich in den Geo-Browser einblenden lässt. Zur Refinanzierung verlangt Tracks4Afrika für das aktuelle Kartenmaterial einen überschaubaren Beitrag. Mitte August kostete sämtliches Material zu Kenia, Tansania und Uganda 100 südafrikanische Rand – keine neun Euro.

Auf gehts!

Dank der kompakten Bauform und ihrem niedrigen Preis könnten die Logger zum Massenartikel und GPS-Tracking zum Volkssport werden. Neben naheliegenden Anwendungen wie Geo-Tagging von Fotos oder Trainingskontrolle für Freizeitsportler können Tracks die Grundlage für kreative Einsätze bilden, etwa bei einer Partie "Scotland Yard" auf den Straßen der Heimatstadt, wobei "Mr. X" auf der Flucht vor seinen Häschern ihnen regelmäßig seinen GPS-Track zuspielen muss.

Das Web bietet genügend Communities, um Tipps für Wanderstrecken und Radtouren zu tauschen. Allzu blauäugig und unbehandelt sollte man die Datensätze seiner GPS-Trips aber nicht aus der Hand geben. Denn vor allem in der Masse und einem Benutzerprofil zugeordnet lassen sie deutliche Rückschlüsse darauf zu, wann man wo war, wo man sich öfter rumtreibt – und am Ende vielleicht auch, wer man ist, wo man wohnt und wofür man sein Geld ausgibt.

Den kompletten Beitrag "Auf dem GPS-Trip, Was man mit GPS-Tracks alles anstellen kann" von Peter König und Holger Bleich finden Sie in der Printausgabe 19/08 des c't-magazins ab Seite 98. Im c't Kiosk erhalten Sie den Artikel ab dem 15. September 2008 auch als pdf-Datei.

Ein Test von 13 günstigen GPS-Loggern zeigt die Stärken und Schwächen der aktuellen Geräte. Den Artikel "Fährtenleger, Dreizehn GPS-Logger ab 50 Euro" von Oliver Lau finden Sie ebenfalls in der Printausgabe 19/08 des c't-magazins. Den Beitrag ab Seite 109 erhalten Sie ab dem 15. September 2008 auch als pdf-Datei im c't Kiosk.

Wie man aufgezeichnete GPS-Tracks am PC nachbearbeitet und verbessert, verrät Oliver Lau im Artikel "Gut gespurt, GPS-Track aufzeichnen, bearbeiten und auswerten" in der Printausgabe des c't-magazins ab Seite 112. Auch diesen Beitrag erhalten Sie ab dem 15. September 2008 auch als pdf-Datei im c't Kiosk.

Unseren GPS-Schwerpunkt in c't 19/08 rundet der Beitrag "Straßenmeister, Straßendate nerfassen und eigene Karten herstellen mit OpenStreetMap" von Mirko Dölle ab. Sie finden diesen Artikel auf Seite 118 der Printausgabe des c't-magazins. Als pdf-Datei ist er ab dem 15. September im c't Kiosk zu finden. (gs)

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