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Voll verstrahlt? - Wie gefährlich sind Mobilfunkmasten

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Sie stehen überall und schaffen ein fast lückenloses Netz – Mobilfunkmasten gehören zu unserem Alltag. Sie sorgen dafür, dass wir an den meisten Orten störungsfrei mit dem Handy telefonieren können. Die Kehrseite der Medaille: Sie strahlen rund um die Uhr. Zwar nicht direkt an unserem Ohr wie ein Handy, dafür aber zehnmal so stark. Ob die permanente Bestrahlung eine Gefahr für den Menschen darstellt, möglicherweise sogar Krebs erregen kann, ist umstritten.

Masten machen vielen Menschen Angst

Eigentlich sind Sandra Petrowitz, Söhnchen Laslo und Mann Lutz eine glückliche Familie. Die drei fühlen sich in ihrer Kasseler Mietwohnung wohl. Wären da nicht in unmittelbarer Nähe diese Mobilfunkmasten. Immer mehr sind in den vergangenen Jahren davon aufgestellt worden. Sandra Petrowitz ist deshalb beunruhigt:„Das ist ein ungutes Gefühl. Es ist bedrohlich. Vor allem, weil wir ja auch so weit oben wohnen und das nur ein Stückchen weiter ist. Und wenn man sich vorstellt, dass man dann permanent bestrahlt wird, dann ist das nicht so ein schönes Gefühl.

Immer mehr Sendemasten

In einer Stadt wie Kassel strahlen inzwischen über hundert Sender. Die Anlagen senden elektromagnetische Strahlung ab, das ist notwendig, damit Handys Anrufe entgegen nehmen und absetzen können. Alle großen Mobilfunkanbieter haben in den vergangenen Jahren immer mehr Sendemasten in Betrieb genommen, um lückenlosen Handy-Empfang zu garantieren. In einer Stadt wie Kassel strahlen inzwischen über hundert Sender. Wie gefährlich aber ist das für die Anwohner? Bedrohen die Anlagen die Gesundheit von Menschen, die ständig in direkter Nähe dazu leben?

Langfristige Schäden nicht auszuschließen?

Wir fahren zum Umweltinstitut in München. Hier beschäftigt man sich seit vielen Jahren mit der elektromagnetischen Strahlung von Mobilfunkmasten. Von einer akuten Gefährdung der Anwohner geht man dort nicht aus. Experte Hans Ulrich-Raithel schränkt allerdings ein: „Langfristig ist es nicht auszuschließen. Wir wissen einfach noch viel zu wenig. Und es gibt sehr wohl Studien, die darauf hinweisen, dass da was sein kann. Man diskutiert dass es im Immunsystem bestimmte reduzierende Wirkungen hat. Dass man zum Beispiel leichter krank wird. Das sind bloß alles Dinge, die man wirklich nicht genau weiß – das heißt: wo man noch vermutet.

Beunruhigende Studie aus Naila

Fest steht: Mobilfunkstrahlung hat einen thermischen Effekt. Sie erwärmt das umliegende Gewebe um einige zehntel Grad. Vor allem beim Telefonieren ist der Körper dieser Strahlung ausgesetzt – jedoch durch das Handy. Die weit entfernten Sendeanlagen - etwa auf Dächern – erzeugen diesen Effekt nicht. Doch ist die Strahlung der Masten damit ungefährlich? In dem fränkischen Städtchen Naila gibt es daran Zweifel.

Wir besuchen die Arztpraxis vor Horst Eger. Der Mediziner verglich die Krankenakten von Anwohnern, die im Umkreis von 400 Metern um den ortsansässigen Sendemast von Naila wohnten mit den Erkrankungen der Bewohner, die weiter weg lebten. Horst Eger: „Der Vergleich brachte in den ersten fünf Jahren keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Und nach fünf Jahren änderte sich das Bild soweit, dass die Rate im Nahbereich des Senders bis 400 Meter aufs Dreifache gegenüber dem Außenbereich hochgeschnellt ist.“ Dreimal so viele Krebskranke wegen eines Mobilfunksenders?

Ja, behauptet Horst Eger – weil der Sender die menschliche Zellteilung stört. Eger: „In dem Moment, wo sich die Zelle teilt, müssen die Chromosomen genau getrennt werden. Das heißt: das Erbgut muss 1:1 auf die Tochterzellen übertragen werden. Und hier greift diese Art von Strahlung ein. Es passiert folgendes: es entstehen Unterschiede zwischen der Verteilung. Und jeder Unterschied in der Verteilung ist ein mögliches Risiko. Dass die Zelle entweder zugrunde geht. Oder unendliches Wachstum, also Krebs bekommt.

Bundesamt kritisiert Naila-Studie

Ganz sicher möchte das Bundesamt für Strahlenschutz eine Gefährdung aber auch nicht ausschließen. Ein erhöhtes Krebsrisiko durch Handymasten? Wir fragen nach beim Bundesamt für Strahlenschutz. Hier kennt man die Untersuchung von Horst Eger. Von seiner Krebsstudie hält man allerdings wenig, sagt uns Rüdiger Matthes vom Bundesamt für Strahlenschutz: „Wenn man die Studien insgesamt betrachtet, gibt es so ein erhöhtes Risiko nicht. Das heißt nicht, dass einzelne Studien doch so etwas zeigen. In der Regel haben diese Studien aber alle technische Mängel oder sie werfen sehr viele Fragen auf.

Ganz sicher möchte das Bundesamt für Strahlenschutz eine Gefährdung aber auch nicht ausschließen. Was also tun? Aus Sicherheitsgründen auf mobiles Telefonieren verzichten? Wohl kaum, zu sehr hat sich das Handy schon im Alltag etabliert.

Strahlung lässt sich verringern

Eine andere Lösung testen daher Forscher der Universität Kassel. Ziel ist es, die Strahlenbelastung auf ein Minimum zu reduzieren. Ein neues Computerprogramm macht die Strahlung dafür sichtbar. Durch eine andere Bauweise will man zunächst das Hauptstrahlungsfeld verbessern. Der Sender soll viele Handys versorgen, aber umliegende Wohnungen möglichst gering belasten. Auch die millimetergenaue Ausrichtung spielt da eine Rolle. Doch es gibt noch ein Problem: es entstehen immer wieder ungewollte Neben-Strahlungsfelder, so genannte Nebenkeulen.

Prof. Axel Bangert von der Uni Kassel: „Man kann das Ganze aber optimieren, dass man in bestimmten Richtungen weniger Nebenkeulen bekommt – und damit weniger Abstrahlung in diese Richtung. Beispielweise auf dicht an der Mobilfunkstation gelegene Häuser.“ Auch diese Nebenkeulen will man künftig in den Griff bekommen, um so die Strahlungsgefahr durch Mobilfunkmasten weiter zu verringern und dafür zu sorgen, dass auch Familie Petrowitz nicht mehr mit Sorge auf die Anlagen schaut. (Stefan Venator) / (gs)

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