Voller Sound oder quäkiger Telefonklang - Ohrhörer zwischen 20 Euro und 300 Euro im Test
Wenn normale Ohrstöpsel im Außenohr verhakt werden, kann ihre Schaumgummidichtung den Hörkanal nicht luftdicht abschließen. Deshalb können sie keine tiefen Schallwellen übertragen und der Sound klingt wie aus dem Telefon. In-Ear-Kopfhörer schließen den Ohrkanal jedoch mit einer Silikonmanschette luftdicht ab, sodass die eingeschlossene Luftsäule selbst tiefste Frequenzen unter 60 Hz direkt auf das Trommelfell überträgt. Daher stehen gute In-Ear-Kopfhörer hochwertigen HiFi-Kopfhörern klanglich nicht nach und erlauben unterwegs exzellenten Musikgenuss, für den Liebhaber gerne auch etwas tiefer in die Tasche greifen.
Für diesen Test haben wir In-Ear-Headsets ausgesucht, die über ihr Mikrofon eine Sprachsteuerung von MP3-Playern wie beispielsweise den neuen iPodtouch-Modellen ermöglichen, aber auch Gespräche am Handy erlauben. Als Bedingung sollten die ausschließlich kabelgebundenen Headsets mit einem 3,5-mm-Klinkenstecker ausgerüstet sein und sich an normalen MP3-Playern anschließen lassen. Dreizehn Modelle von Apple, Beyerdynamic, Creative, Etymotic, Hama, Klipsch, Logitech/Ultimate Ears, Plantronics, Razer und Sennheiser zwischen 20 und 300 Euro erfüllten diese Voraussetzungen. Außen vor blieben Koss (kein deutscher Vertrieb) sowie VModa und Atomic Floyd, die uns keine Testmuster zusenden wollten. Klipsch schickte uns nur sein günstigeres Image S2m, nicht aber das teurere S4i zu. Bei dem MH700 von Sony Ericsson mussten wir leider feststellen, dass dessen 3,5-mm-Klinken stecker nur zu Sony-Ericsson-Handys, nicht aber zu gewöhnlichen MP3-Playern kompatibel ist – sehr schade, denn klanglich und auch beim Tragekomfort hätte das MH700 vorne mitgespielt.
Die kompletten Ergebnisse des Tests finden Sie in der Printausgabe 24/09 des c't magazins im Artikel "Geht ins Ohr, I-Ear-Headsets zwischen 20 und 300 Euro" von Hartmut Gieselmann ab Seite 172. Den Beitrag erhalten Sie ab dem 23.11.2009 auch als pdf-Datei im c't-Kiosk. Hier die Ergebnisse der drei in der Sendung vorgestellten Headsets.
Beyerdynamic MMX 100
Menschen mit ungewöhnlich geformten Ohren können sich zu dem MMX 100 von Beyerdynamic (120 Euro) für einen Aufpreis von 120 Euro individuelle Otoplastiken anfertigen lassen. Die Anpassung übernehmen Hörgeräte-Akustiker der Kind-Kette, die nach etwa zehn Tagen die Ohrpassstücke fertig haben. Mit diesen sitzen die Hörer selbst in schwierigen Ohren satt saugend fest und verbessern Klang und Abschirmung nochmals.
Doch selbst mit den Standard-Silikonmanschetten klingt das MMX 100 überragend und offenbart saftige Bässe und luftige Details, wie man sie sonst nur unter deutlich teureren HiFi-Kopfhörern hört. Das macht sich selbst bei niedriger Lautstärke bemerkbar, bei der man aufgrund der sehr guten Dämpfung seine Musik genießen kann. Laut aufdrehen sollte man das Set aber sowieso nicht, weil es bei 150 mV das Gehör mit einem Schallpegel von 107 dB schädigt. Mit seinem warmen Klang setzt sich das MMX 100 deutlich von dem eher kalt, linear klingenden SuperFi-Set von Ultimate Ears ab.
Das symmetrisch geführte Kabel ist nicht besonders gut entkoppelt, lässt sich aber um die Ohren herumführen. Der Abstand zum Mikrofon ist hierzu groß genug. Ein Klipp fixiert das Kabel zusätzlich an der Kleidung.
Creative Labs EP-630i
Das Kabel des Headset EP-630i von Creative (25 Euro) ist nicht ganz so steif wie bei Apple, sodass Körperschall weniger stark ans Ohr dringt. Auch hier sitzt das Mikrofon zu nahe am rechten Ohrstöpsel, als dass man die Kabel hinter dem Ohr lang führen könnte. Die Aufnahmen klingen etwas dumpf, aber verständlich. Die Silikonmanschetten sitzen recht angenehm im Ohr. Man bekommt noch relativ viele Geräusche mit und fühlt sich nicht so sehr abgeschirmt.
Der Klang ist von einer typischen Loudness-Wanne mit kräftigen Bässen, dünnen Mitten und spitzen Höhen geprägt, die man per Equalizer etwas dämpfen sollte. Der Wirkungsgrad liegt mit 88 dB bei 30 mV im oberen Mittelfeld. Wie auch bei den übrigen Testkandidaten sollte man hier zum Schutz der Ohren die Lautstärke drosseln.
Hama Pro V9
Wenn die Sprache auf High-End-Kopfhörer kommt, fällt einem der Name Hama nicht gerade als Erstes ein. Umso mehr waren wir überrascht, als wir die Pro V9 (45 Euro) zum ersten Mal ausprobierten. Die Ohrhörer sitzen sehr angenehm und lassen sich durch den kurzen Griff leicht einführen, ohne ein unangenehmes Druckgefühl aufzubauen. Allerdings dämpfen sie Außengeräusche nicht so stark ab wie andere Modelle. Das stoffummantelte Kabel mit praktischer Nackenführung überträgt so gut wie keinen Körperschall, man sollte jedoch aufpassen und es nicht zu stark knicken. Eine Kabelführung hinter dem Ohr ist zwar möglich (wenn man rechten und linken Kanal vertauscht), aber nicht nötig. Mikrofon und Klinkenstecker wurden in stabilem Metall ausgeführt. Weil das Mikrofon etwas tief hängt, sind seine Aufnahmen leiser als bei anderen Modellen.
Der V9 hat einen linearen Frequenzverlauf im gesamten Bassbereich und in den Höhen bis etwa 5 kHz. Allerdings werden die Mitten zwischen 700 Hz und 2 kHz stark abgesenkt, was zu einem leichten, aber keinesfalls unangenehmen Loudness-Klang führt, der nicht so aufgepumpt klingt wie bei dem Sennheiser-Modell. Für Sprachübertragung mag dies weniger ideal sein, Musik – egal welcher Stilrichtung – klingt jedoch satt und kraftvoll. (Hartmut Gieselmann)
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