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Vorsicht Kunde! - "Sicher" bezahlen mit Paypal - und 2200 Euro sind futsch

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Die Geschichte beginnt Anfang September. Sandra S. hat sich neu eingerichtet und jetzt soll noch ein großer Flachbild-Fernseher an die Wand. Sie sucht nach Angeboten im Netz und wird dort auf "Quadrat - Der Online Shop" aufmerksam. Das Angebot ist attraktiv und verlockend: Beim Kauf eines LCD Fernsehers von Philips spart sie 800,00 Euro. Und ihr wird angeboten, den Kaufpreis von gut 2200 Euro über PayPal zu bezahlen. Das gibt ihr ein gutes Gefühl. Noch am gleichen Tag bestellt Sandra S. den Fernseher und bezahlt mit ihrer Kreditkarte.

Bezahlt – aber nicht erhalten

Als nach vier Wochen das neue Fernsehgerät noch immer nicht bei ihr angekommen ist, plagen Sandra S. erste Zweifel und sie will jetzt wissen, wo der Fernseher denn nun abgeblieben ist. Also schreibt sie dem Online Shop eine E-Mail und verlangt die umgehende Lieferung ihres Fernsehers. "Quadrat - der Online Shop" antwortet auch prompt. Am 10. Oktober, so der Internet-Händler, werde das Gerät von der Spedition ABX-Logistics geliefert. Doch als Sandra S. dort anruft, fällt sie aus allen Wolken:"Die Firma Quadrat-Shop.de hat uns tatsächlich belogen. Ich habe die Logistikfirma angerufen und die haben keinen Lieferauftrag für unsere Adresse. Da ist mir wirklich der Kragen geplatzt."

Kein Käuferschutz bei PayPal

"Zum Glück", denkt die junge Frau, "bin ich ja über PayPal abgesichert." Sorgfältig verfasst sie eine ausführliche Käuferbeschwerde an PayPal und erhält auch umgehend Bescheid: Ihrer Beschwerde sei zwar stattgegeben worden, heißt es darin, PayPal könne jedoch keine Rückerstattung des Geldes vornehmen.

"Es ist mir unverständlich, wie PayPal damit werben kann, dass man sicher und mit Käuferschutz online einkaufen kann. Und dann genau das Gegenteil passiert. Also ich fühle mich von PayPal total verschaukelt", sagt Sandra S. Wir fragen bei PayPal nach, wollen wissen, warum Sandra S. ihr Geld nicht zurückbekommt.

PayPal erklärt dazu: "Wird ein eBay-Kauf mit PayPal gezahlt, ist dieser in unbegrenzter Höhe gegen Nichtlieferung oder erhebliche Abweichungen von der Beschreibung geschützt.(...) Für Käufe, die nicht über eBay abgewickelt werden, bietet PayPal die Möglichkeit der Käuferbeschwerde. Wird diese im Sinne des Käufers entschieden, richtet sich der Betrag der Rückerstattung nach dem Kontostand des Verkäufers."

Mit anderen Worten: Da das PayPal-Konto des "Quadrat-Shops" offensichtlich leer ist, ist das Geld von Sandra S. verloren.

Auf der Suche nach Hennry Schröder

Der Mann, der hinter dem Online Shop steht und für den ganzen Ärger verantwortlich ist, heißt Hennry Schröder. Auf der Webseite von "Quadrat" lässt er die Besucher wissen, dass er krank sei. Das wollen wir nachprüfen. Und fahren nach Mannheim. Wir wollen von Schröder erfahren, warum er Sandra S. um ihr sauer verdientes Geld gebracht hat. Auf den Klingelschildern finden wir aber weder Schröders Namen noch den von "Quadrat". Doch dann entdecken wir im Fahrstuhl die Liste der Hausbewohner. Und siehe da: Hennry Schröder wohnt doch hier. Im sechsten Stock. Aber die Tür bleibt geschlossen.

Wir nehmen eine neue Spur auf: Vielleicht weiß der Inhaber der Internetseite "Quadrat-Shop.de", ein Robert Zajonz, wo Schröder steckt. Wir fahren nach Geilenkirchen bei Aachen. Zajonz hat für Hennry Schröder die Internetseite angemeldet und leistet die gesamte technische Hilfestellung, die nötig ist, um eine Webseite im Internet zu betreiben. Am Telefon sagt uns Zajonz, dass er sich vor der Kamera nicht äußern will. Als wir ihn nun besuchen und ihm vom Fall der Sandra S. erzählen, ändert er seine Meinung: "Herr Schröder hat sich vor ein, zwei Wochen bei uns gemeldet, um den Shop zu kündigen. Dass er aus gesundheitlichen Gründen, wenn ich das richtig verstanden hatte, aufhören möchte. Dann haben wir den Shop abgeschaltet. Also den Kauf nicht mehr ermöglicht. Aber das Impressum noch stehen gelassen. Wir haben ihm gestern noch zusätzlich die Verwaltung gesperrt."

Sandra S. kämpft um ihr Geld

Sandra S. will nicht aufgeben. Sie wird jetzt Anzeige bei der Polizei erstatten und sich an einen Rechtsanwalt wenden. Vielleicht, so hofft sie, kommt sie doch noch an ihr Geld. Und beim Fernseher muss sie sich wohl notgedrungen erst mal mit dem alten Röhrenfernseher begnügen.

Kein Einzelfall

Sandra S. ist übrigens nicht die einzige Geschädigte. Auch andere Käufer haben ihre Waren von Hennry Schröder nicht bekommen. Ob Sandra S. ihr Geld wiederbekommt, ist mehr als fraglich. PayPal ist ihr gegenüber nicht verpflichtet, die Kaufsumme zu ersetzen, da Sandra S. das Geschäft nicht über den ebay-Shop Schröders abgewickelt hat, sondern direkt bei Schröders "Quadrat-Der Online Shop". Ihre Annahme, dass PayPal grundsätzlich sicher sei, war also falsch. Das Ärgerliche: hätte Sandra S. das Geschäft direkt über ihr Kreditkartenunternehmen abgewickelt, hätte sie das Geld von der Kreditkartenfirma zurückbekommen.

Lastschrift statt Vorkasse

Grundsätzlich gilt beim Online-Einkauf: wenn möglich nicht mit Vorkasse bezahlen, sondern per Lastschrift abbuchen lassen (dann kann man das Geld bei nicht gelieferter Ware zurückbuchen lassen). Am sichersten ist es, erst bei Lieferung zu bezahlen. Grundsätzlich empfiehlt es sich auch, vor dem Kaufgeschäft Erkundigungen über den Shop einzuziehen. (gs)

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