Vorsicht Kunde! - Kalt erwischt - Werbeanrufe mit Abbuchungsautomatik
Glücksspiel mit geklauten Kontonummern – wie Gewinnspielversprechen zum Albtraum werden
Immer häufiger werden seit einigen Monaten Bürger von Glücksspielgesellschaften angerufen. Das Versprechen: na klar, die Chance auf viel Geld dank Garantieausschüttung. Doch natürlich geht es um nichts anderes als um das Geld der Opfer.
März 2009. Christiane R. bekommt einen eigenartigen Anruf. Der Mann am anderen Ende der Leitung verstrickt sie in ein Gespräch. Er verspricht ihr 450 Euro als Entschädigung – für nervige Werbeanrufe, die sie in letzter Zeit bekommen habe. Um das Geld zu erhalten, müsse sie nur die letzte Ziffer ihrer Kontonummer nennen. Doch das macht Christiane R. nicht.
Kurze Zeit später bekommt sie Post. Von der Firma Winners Club, einem Gewinnspielservice. Darin teilt man Christiane R. mit, man habe sie bei Gewinnspielen angemeldet. Es wird ihr eine Mindestgewinnsumme in Höhe von 450 Euro garantiert. Dafür müsse sie aber monatlich 49 Euro bezahlen. Das Geld werde von ihrem Konto abgebucht.
Christiane R. reagiert sofort – und schickt dem Anbieter einen Widerspruch. Doch es hilft nichts, am 3. April bucht Winners Club ihr die 49 Euro ab. Christiane R: "Den Leuten habe ich meine Bankverbindung sicher nicht genannt. Ich war wütend, ganz ärgerlich darüber, weil einfach über mein Konto verfügt wird und ich keinerlei Genehmigung dazu gegeben habe."
Spur führt nach Istanbul
Christiane R. weiß nicht mehr weiter und wendet sich an uns. Wir schalten uns in den Fall ein und beginnen zu recherchieren. Auf der Internetseite von Winners Club finden wir schnell eine Adresse der Firma: die Lietzenburger Straße in Berlin. Unter der angegebenen Hausnummer stoßen wir auf ein Bürogebäude. Nur: eine Firma mit dem Namen Winners Club, geschweige denn Geschäftsräume finden wir hier nicht. Doch irgendwo muss die Firma doch sein...
Also suchen wir weiter. Im Impressum der Internetseite finden wir noch eine Anschrift. Es stellt sich heraus: der Geschäftsführer des dubiosen Lottoanbieters, ein Mann namens Turhan Bakir, residiert in Istanbul. Unser Verdacht: Winners Club akquiriert von hier aus die Kunden in Deutschland, um einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen.
Alles legal?
Wir wenden uns an Turhan Bakir. Der erklärt uns am Telefon, alles sei völlig legal. Christiane R. habe ihre Bankverbindung selbst genannt. Das könne er uns auch beweisen. Er besitze ein Tonbandprotokoll ihres Anrufs. Bakir verspricht, uns dieses Protokoll zu schicken.
Verbraucherschützer: Furchtbare Seuche
Wir fahren unterdessen noch einmal nach Berlin zur Verbraucherzentrale. Dort ist Ronny Jahn zuständig für unlauteren Wettbewerb. Dubiose Briefe wie den an Christiane R. hat er schon oft gesehen. Ronny Jahn: "Diese Gewinnspieleintragsdienste sind eine ganz furchtbare Seuche, die in den letzten Monaten massiv um sich gegriffen hat. Und gerade mit Sitz in Lietzenburger Straße sind einige Firmen, die sich da vermeintlich niedergelassen haben und von dort solche Auftragsbestätigungen verschicken."
Verdacht: Datenklau
Aber wie kam die Firma Winners Club an die Bankverbindung von Christiane R., obwohl die sie gar nicht rausgegeben hat? Ronny Jahn kennt viele Fälle, bei denen es den Opfern ähnlich ging wie Frau R. "Die wissen meist gar nicht, woher kommen die Daten. Wenn man dann nachfragt, erfährt man, dass sie vor einigen Jahren SKL/NKL gespielt haben. Das ist eine sehr auffällige Parallele."
Und tatsächlich. Auch Christiane R. hat früher Klassenlotterie gespielt. Aber wie könnte Winners Club e an diese Daten gelangt sein? Verbraucherschützer Jahn: "Wir haben ja im letzten Jahr gesehen, welch massiver Handel mit solchen Daten getrieben wird. Solche CDs sind ja vermehrt aufgetaucht, mehr zufällig aufgetaucht und die Parallele war häufig, dass die betroffenen Personen mal NKL/SKL gespielt haben. Also gab es da offenbar ein Leck."
In der Tat: Im August 2008 tauchte eine CD mit 17.000 gestohlenen Datensätzen aus staatlichen Klassenlotterien auf. Der Verdacht: Angestellte von Call-Centern, die als Subunternehmer für die Klassenlotterien arbeiten, haben die Daten geklaut. Doch wie konnte das überhaupt geschehen? Auf Anfrage erklärt die SKL: "Ein Direktvertrieb durch die SKL erfolgt nicht. Deshalb verfügt die SKL weder über Werbedaten noch über Kundendaten. Diese liegen (...) ausschließlich bei den Lotterieeinnehmern."
Tonbandprotokoll? Fehlanzeige!
Wir warten unterdessen weiter auf die versprochenen Tonprotokolle von Turhan Bakir. Doch der Geschäftsführer ist plötzlich nicht mehr erreichbar. Auch auf unsere schriftlichen Anfragen reagiert er nun nicht mehr. Am Telefon erklärt uns schließlich eine Mitarbeiterin, dass man uns die Tonprotokolle nun doch nicht zukommen lassen wolle. Warum? Keine Antwort. Und Christiane R.? Die hat die geklauten 49 Euro mittlerweile zurückgebucht. Und hofft, dass sie jetzt erst einmal Ruhe hat vor Ganoven, die ihr dreist Geld vom Konto abbuchen.
Tipp: Keine Nummern angeben, auflegen, Geld zurückbuchen
Grundsätzlich hat Frau R. Alles richtig gemacht. Wie sie, sollten Verbraucher am Telefon keine Angaben machen. Und am besten sofort auflegen. Hintergrund: Das Angebot von Gewinnspielen und Gewinnspielgemeinschaften per Telefon ist illegal. Sollte dennoch Geld von Ihrem Konto abgebucht worden sein, lassen Sie es umgehend von Ihrer Bank zurückbuchen. Dies ist für Sie kostenlos, nicht aber für den Betrüger. (Stefan Venator)
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(gs)
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