Vorsicht Kunde! - Ohne Skrupel - Organisierte Abzocke mit kostenpflichtigem Newsletter
"Fabriken.de" – Die Tricks der Abkassierer
Wenn ein Unternehmen aus aus einem wertlosen Internetangebot eine Goldgrube machen will, dann ist diese Firma ja bei uns genau an der richtigen Adresse. Und wenn sie dabei ihren Kunden das Geld aus der Tasche ziehen will, dann ist das unser "VorsichtKunde!" der Woche.
Wir sind auf dem Weg zu einer Firma, die ihren Kunden dubiose Rechnungen schickt. Zu einer Firma, die im großen Stil abzockt. Opfer sind Menschen wie Lothar Müller. Der rüstige Rentner hatte im Internet nach Schnäppchenangeboten gesucht und war bei "Fabriken.de" fündig geworden. Besonders attraktiv war für Müller, dass die Mitgliedschaft dort kostenlos war. Mitte Oktober meldet er sich an. In der Folgezeit bekommt Müller von "Fabriken.de" diverse Rundschreiben – so genannte Newsletters. Doch die interessieren ihn nicht. Also kümmert er sich nicht mehr drum. Die Rundschreiben landen von da ab immer im Papierkorb.
Bitte zahlen, sonst gibt es Ärger...
Anfang März erhält Lothar Müller dann allerdings "richtige" Post vom "Fabriken.de". Da die kostenlose Mitgliedschaft jetzt in eine kostenpflichtige geändert wurde, soll Müller nun einen Jahresbeitrag von 84 Euro zahlen. Ansonsten, so droht man ihm, gibt's ein Mahnverfahren. Lothar Müller: "Also, das hat mich umgehauen. Ich habe von keiner Änderung gewusst. Ich habe keiner Änderung zugestimmt. Ich fühle mich richtig abgezockt." Der Trick: In einem der unscheinbaren Newslettern hatte "Fabriken.de" tatsächlich angekündigt, die Mitgliedschaft kostenpflichtig zu machen. Und wer nicht zum 1. Februar widerspreche, müsse zahlen. Müller ist erbost: "Das erinnert mich ja schon an Gangstermethoden. Aber was soll ich denn dagegen tun? Wie kann ich mich dagegen wehren?"
Hunderte Opfer
Anscheinend fragt sich das nicht nur Lothar Müller: Eine Suchanfrage mit den Stichworten Fabriken.de und Betrug beschert fast 47.000 Treffer. Und in Kundenforen fragen Hunderte von verunsicherten Opfern verzweifelt, wie sie sich gegen die dreisten Abzocker wehren können.
Doch wer sind die Abzocker? Hinter "Fabriken.de" steht die Firma Connects 2 Content aus Düsseldorf. Wir fahren dorthin. Unter der angegebenen Adresse finden wir dieses unscheinbare Geschäftshaus, das sich mehrere Firmen teilen. Keine Klingel, nur am Briefkasten ein Hinweis auf Connects 2 Content. Mitarbeiter anderer Firmen lassen uns hinein. Sie erzählen uns, dass fast täglich Betroffene hierher kommen würden. Umsonst. Vor der Kamera will man uns das aber nicht sagen. Also versuchen auch wir, die Hintermänner von "Fabriken.de" zur Rede zu stellen. Erfolglos. Die Geschäftsräume scheinen völlig leergefegt zu sein.
Experte: Nicht beeindrucken lassen
Ein Kenner der so genannten Abzockerszene ist Adrian Fuchs. Er kennt die Tricks, mit denen unschuldige Menschen von den Internet-Ganoven übers Ohr gehauen werden. Vor allem mit Zauberworten wie "kostenlos". Adrian Fuchs: "Wenn man einen gewissen Satz an Interessenten hat, die man erreicht, das sind zwischen drei- und zehntausend, wo es sich also lohnt, eine Rechnung zu versenden – und dann versucht, eine kostenlose in eine kostenpflichtige Mitgliedschaft umzuwandeln, dann kann man dort auf die Schnelle im sechsstelligen Bereich Gelder generieren." Aber: "So wie der Anbieter hier vorgegangen ist – über einen Newsletterversand die Änderung einer AGB von kostenlos in kostenpflichtig zu verändern, das ist juristisch gesehen überhaupt nicht möglich. Es ist Schwachsinn. Davon soll man sich nicht beeindrucken lassen", so Fuchs.
Auch Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln
Inzwischen haben Polizei und Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Abzocker aufgenommen. Vorwurf: massenhafter Betrug. Auch das dubiose Büro in Düsseldorf wurde durchsucht und ein Geschäftskonto mit einem sechsstelligen Betrag "eingefroren". Polizeisprecherin Susanna Heusgen: "Wir suchen nun weitere Zeugen und Geschädigte, die sich eben vor dem 1.2.2009 haben registrieren lassen und diesen Betrag von 84 Euro gezahlt haben." Lothar Müller hat inzwischen Anzeige erstattet. Und eins ist für ihn nun auch klar: Bezahlen wird er natürlich nicht.
Rechtlich unzulässiger Abzockversuch
Auch in einem Rechtsstreit würde Lothar Müller Recht bekommen. Denn wenn ein Online-Dienst seine bislang kostenlose Leistung auf Kostenpflichtigkeit umstellt, reicht es nicht, den Kunden nur darüber zu informieren und ihn auf eine Widerrufsfrist hinzuweisen. Für beide Seiten verbindlich wird solch eine Änderung nur dann, wenn der Kunde aktiv zustimmt – etwa durch das Setzen eines Kreuzes oder durch Unterschrift unter einen Vertrag. (Stefan Venator)
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(gs)
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Videos dieser Serie (8)
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