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Vorsicht Kunde! - Eine Siedlung in Angst - wehe, wenn das Gewitter kommt

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Bedrohliche Naturgewalten

Wenn sich der Himmel zuzieht, dann wird Wolfgang K. unruhig. Denn jedes Gewitter ist für ihn eine echte Bedrohung. Bei ihm kommt der Blitz direkt durch die Telefonleitung. Für Wolfgang K. bedeutet das auch: Lebensgefahr. Er macht sich Sorgen: "Stellen Sie sich vor: Ich bin behindert. Wenn hier nochmal der Blitz einschlägt – ich komme hier alleine gar nicht raus. Das heißt: ich hätte wahrscheinlich das Problem, hier verbrennen zu müssen."

Seit 13 Jahren sitzt Wolfgang K. im Rollstuhl. Telefon und Internet sind für ihn daher besonders wichtig. Bei ihm lebt seine 82 jährige Mutter Rosemarie, die fast erblindet ist. Besonders aufmerksam verfolgen beide täglich den Wetterbericht. Denn wenn dort von herannahenden Gewitterfronten die Rede ist, schrillen bei den beiden sofort die Alarmglocken. Wird es wieder blitzen? Dann läuft bei Familie K. der Notfallplan an: Sie müssen den Stecker der Telefonleitung so schnell wie möglich ziehen, damit die Überspannung nicht Geräte zerstört oder das Haus in Brand setzt. Da Wolfgang K. wegen des Rollstuhls nicht an die Anschlussbuchse kommt, muss ihm seine blinde Mutter helfen. Wolfgang K. muss die 82jährige dabei aus dem Rollstuhl dirigieren, um rechtzeitig den Stecker aus der Dose zu bekommen. Denn schaffen sie es nicht, brennen ihnen die Geräte ab. Und das ist schon zigmal passiert. Jedes Gewitter kostet Familie K. richtig viel Geld. Mal raucht ein Speedport-Rooter ab, mal die Toilettenventilation, mal der Fernseher. Sie haben Angst vor jedem Gewitter.

Spurensuche

Helmut K. hat einen Verdacht: Vielleicht ist die Telekom-Leitung nicht geerdet. Er telefoniert er mit der Telekom-Hotline, insgesamt 43 Stunden lang. Ergebnis: "Es gab insgesamt fünf Technikereinsätze. Jeder stellte was anderes fest. Eine Lösung wurde nicht gebracht. Der Zustand nachher war der gleiche wie vorher. Wir mussten vor jedem Blitz Angst haben."

Bei Gewitter heißt es deshalb immer und immer wieder: Stecker ziehen. Gefahr bei Gewitter lauert auch bei fünf Nachbarhäusern, erfährt Wolfgang K. durch Zufall. Er bittet deshalb die Telekom, den Verteilerkasten am Anfang der Straße zu überprüfen Das macht sie dann auch. Ergebnis: Der alte Kasten ist nicht geerdet, aber ein Austausch wäre zu teuer.

Doch es kommt noch schlimmer: Misstrauisch geworden, lässt Wolfgang K. jetzt den Übergabepunkt, also den Anschluss, an dem die Telekom-Leitung in sein Haus kommt, von unabhängigen Experten überprüfen. Das schockierende Ergebnis: Auch hier hat die Telekom die Leitung nicht geerdet! Eigentlich eine Kleinigkeit, die Erdung könnte nahezu jeder Elektroinstallateur ganz schnell herstellen. Aber die Telekom-Leitungen sind Hoheitsgebiet des Rosa Riesen. Hier darf niemand dran. Die Folge: Kein Schutz vor den Blitzen. Doch der Telekom scheint das egal zu sein.

Denn sie setzt noch eins drauf: Sie fordert nun 200 Euro von Wolfgang K.. Für die Ersatzgeräte, die sich K. bei der Telekom kaufen musste, nachdem die alten durch die Überspannung auf der Telefonleitung zerstört worden waren. Viel Geld für die beiden.

Wolfgang K. ärgert sich, ist der Fehler doch offenkundig. "Für mich als Kunden sieht es so aus, als möchte die Telekom die Folgen ihres Baupfusches und des schlechten Kundenservices mir auf die Rechnung setzen. Ich werde den Anbieter wechseln."

Gefahr gebannt – Der Schaden bleibt

Die Blitzschlag-Gefahr scheint aber inzwischen gebannt, denn die Telekom hat die Telefonleitung nach monatelangem Hin und Her schließlich geerdet. Das heißt: Wolfgang und Rosemarie K. müssen nun nicht mehr Stecker ziehen, wenn sich über ihrem Haus etwas zusammenbraut. Aber: die Telekom besteht auf Ihrer Forderung der 200 Euro für die abgerauchten Geräte.

Kein Problem der Telekom

Wolfgang K. kann zwei Gutachten unabhängiger Fachleute vorlegen, die eindeutig belegen, dass die Telekom-Leitung von Herrn K. nicht ordnungsgemäß geerdet war. Die Warnung vor Überspannungsschäden ist eindeutig dokumentiert.

Wir bitten Andre Hoffmann, Pressesprecher der Telekom um eine Stellungnahme: Die Aussage, dass aufgrund mangelhafter Erdung diese Schäden entstanden sind kann ich nicht bestätigen. Diese Aussage wurde von keinem Mitarbeiter getroffen. Es handelt sich hier also nicht um einen Fehler, welcher von uns verursacht wurde..."

Aus Kulanz erstattet die Telekom der Familie angefallene Installationskosten und entlässt sie vorzeitig aus dem Vertrag, auf dem Schaden jedoch soll die Familie sitzen bleiben. Den hat Wolfgang K. jetzt seiner Versicherung gemeldet. Die wird ihm den Schaden ersetzen. Nach Prüfung der Sachlage teilt ihm die Versicherung jetzt mit, dass man sich das Geld aber von der Telekom zurückholen wolle.

Blitzschlag

Die Gefahr, dass ein Blitz ein Haus in Brand setzt besteht in der Tat, auch wenn das Risiko äußerst gering ist. Die Wahrscheinlichkeit jedoch, dass durch das enorme elektrische Feld in der Umgebung eines Blitzschlages elektronische Geräte zu Schaden kommen, ist dagegen relativ hoch.

Sie können sich schützen: Falls Sie in einer Region leben, in denen es häufig gewittert, können Sie Blitzschutz-Steckdosen verwenden, die Überspannungen ableiten. Vermeiden Sie aber Billig-Angebote aus dem Baumarkt, diese Geräte haben in vielen Tests ihren Dienst versagt und bieten oft nur eine vermeintliche Scheinsicherheit. Ansonsten hilft in der Tat nur: Stecker ziehen! Überprüfen Sie auch die Konditionen Ihrer Hausratversicherung. Bei vielen Verträgen sind Schäden durch Überspannung ausgeschlossen. Für ein paar Euro mehr jedoch können Sie dieses Risiko jedoch absichern. (Uli Geiger)

Im Themenforum Vorsicht, Kunde! diskutieren.

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