Wanderslust - Routenplaner für Feld, Wald und Wiesen im Test
Zielsicher
Es soll ja Leute geben, die man nachts im dunklen Wald ohne Taschenlampe, Karte oder Kompass aussetzen kann und die dennoch den Weg nach Hause finden. Die meisten Mitmenschen brauchen dagegen zur Orientierung zumindest Licht und eine Landkarte. Und die gibt es inzwischen auch in digitaler Form etwa für den PDA. Immerhin 17 sehr unterschiedliche Lösungen zur Off-Road-Navigation fanden den Weg in unser Testlabor. Drei von ihnen stellen wir hier genauer vor.
Noch mehr Technikkram?
Mein Auto-Navi passt in die Anoraktasche – warum soll ich mir für einen Weg abseits von Straßen eine neues Navi zulegen? Diese Frage stellt sich mancher TomTom- oder Navigon-Besitzer – die Antwort ist einfach: Straßennavigationsgeräte kennen nur Straßen – und sonst nichts. Das, was zwischen den Straßen liegt, ist ihrem Speicher nicht bekannt. Und wer geteerte Wege verlassen will, braucht eine Landkarte – entweder aus Papier oder in elektronischer Form. Und offroad, also abseits von Straßen, heißt es nicht nur beim Wandern oder Radfahren in Feld und Flur, sondern auch etwa beim Segeln oder Segelfliegen. Eine digitale Landkarte auf einem mobilen Gerät – sei es PDA, Smartphone oder Handy – ist zunächst auch nichts anderes als eine Landkarte. Erst in Verbindung mit einem GPS-Empfänger lässt sich die aktuelle Position auf der Skipiste oder sonstwo im Gelände einblenden. Eine Streckenführung, wie man sie vom Auto-Navi her kennt, beispielsweise von A nach B mit Abbiegepunkten und Sprachansagen, ist jedoch nicht möglich. Das liegt an den unterschiedlichen Arten und der grundverschiedenen Entstehungsgeschichte des Kartenmaterials. Bei der Straßennavigation kommen sogenannte Vektorkarten zum Einsatz, weil sich Vektordarstellungen besonders gut zu einer Routenberechnung eignen. Vektoren werden beschrieben durch Anfangspunkt, Länge und Richtung. Damit kann man jeglichen Abschnitt einer Straße genau darstellen und die Summe dieser Abschnitte ist eben eine Vektorkarte, die vor der Anzeige üblicherweise aus einer Datenbank erzeugt wird. Hinzu kommt, dass Straßenkarten tatsächlich durch Abfahren mit Autos erstellt und aktualisiert werden; auch dadurch ist das Kartenmaterial auf offiziell mit dem Auto befahrbare Wege beschränkt.
Kandidatenvielfalt
Eine richtige Landkarte indes zeigt nicht nur Straßen und Wege, sondern auch Wald- und Wiesenflächen, Berge und Täler, Flüsse, Seen und andere Geländemerkmale, die für einzelne Interessenten von Belang sind. Zur Orientierung braucht unser Gehirn – durch zehntausend Jahre Gewöhnung – eben ein Bild, das der abgebildeten Landschaft möglichst ähnlich sieht. Der Standardweg zur digitalen Landkarte führt über eine Papierkarte, die eingescannt wird. Jedem Pixel dieses Bildes wird eine geografische Position zugewiesen – was als Geo- Referenzierung bezeichnet wird. So kann man mit Hilfe eines GPS-Empfängers ganz einfach die eigene Position in der Karte darstellen und einen Track – also eine tatsächlich zurückgelegte Strecke – als kontinuierliche Linie zeichnen. Man navigiert ganz simpel dadurch, dass man die eigene Position auf der Karte ständig mit dem gewünschten Weg abgleicht. Den kann man idealerweise zuvor explizit (etwa am PC) einzeichnen. Die Bandbreite der untersuchten Navi-Lösungen reicht von Komplettsystemen mit PC-Programm, PDA-Software, einer Deutschlandkarte in 1: 25 000 und voll integrierten Austauschfunktionen zwischen den Hardware-Plattformen und sehr einfachen Java-Applets fürs Handy mit Google-Earth-Anbindung für den Landkartenbezug.
Die Aufgaben
Unser Testszenario sah folgendermaßen aus: Man möchte erdgebunden entweder zu Fuß oder per Fahrrad eine Strecke weitab von Autostraßen zurücklegen. Auf dem heimischen PC klickt man sich in der topografischen Rasterkarte eine geplante Route – oder eine Reihe passender Wegpunkte – zusammen und überträgt Karte und Route auf den PDA. Im Gelände orientiert man sich an der Route und gleichzeitig protokolliert der PDA die tatsächlich gelaufene Strecke mit. Am Ende wird der Track auf dem PDA abgespeichert und zu Hause wieder auf den PC zurückgespielt und ausgewertet. Idealerweise liegt das Material dann in einer Form vor, dass man Routen und neue Wege mit Interessenten in Internet-Communities tauschen kann. Einige Programme bieten aber nur die PC-Funktionen, andere wieder ausschließlich Software für den PDA. Bei Kandidaten, die ausschließlich auf dem PC liefen (beispielsweise Top50), wurde als PDA-Software einer der Mitbewerber als mobiler Partner genutzt. Analog gingen wir bei Nur-PDA-Programmen in umgekehrter Weise vor. Als Kartenmaterial verwendeten wir zwei Screenshots der topografischen Karten von Top50 Niedersachsen/Bremen und MagicMaps 1:25 000.
Deutschland Digital
Dieses Programm stammt von Garmin Deutschland und ist relativ neu auf dem Markt. Sein Kartenmaterial ist in den Maßstäben 1:50 000 und 1:25 000 erhältlich, beide Versionen sind vom Funktionsumfang her identisch. Einzigartig ist, dass das Kartenmaterial für Gesamtdeutschland in der 50er-Version auf einer normalen DVD geliefert wird – die 25er befinden sich auf einer BlueRay-Disc – und dass die Karten direkt auf der Festplatte abgelegt werden. Sie belegen dort etwa 3 GByte beziehungsweise 6 GByte Speicherplatz. Dadurch wird der Bildaufbau rasend schnell und beim Scrollen von der Nordseeküste bis zu den Alpen bemerkt man nur eine minimale Verzögerung; das Gleiche gilt beim Hineinzoomen in die Karte. Allerdings muss man sich bei der Installation etwas Zeit nehmen, denn je nach Hardware dauert der Datentransfer von DVD auf Platte mindestens eine gute Stunde. Nach der Installation auf einem PC oder Notebook braucht man lediglich mit einem Klick die PDA-Software per ActiveSync auf den mobilen Begleiter zu übertragen, gefolgt von dem gewünschten Kartenausschnitt. Auch Wegpunkte und Tracks lassen sich einfach erstellen und zwischen PC und PDA bequem hin- und herschieben. Allerdings ist das Ganze ein geschlossenes System: Man kann keine weiteren Karten installieren (A oder CH beispielsweise) und keine selbst gescannten Karten einlesen. Außer der topografischen Karte kann man quasi als Layer noch Hauptverkehrsstraßen mit Orten und ein Satellitenbild einblenden; ersteres ist aber recht rudimentär und letzteres bekommt man bei Google Earth mit sehr viel höherer Auflösung, man könnte also gut und gerne darauf verzichten. Ändern sollte der Hersteller den Start einer Track-Aufzeichnung, der doch sehr tief im GPS-Menü versteckt nur mit Blick ins Handbuch zu finden ist. Die übrige Bedienung von PC und PDA ist dagegen beispielhaft intuitiv geraten. Doch trotz unserer Korrekturwünsche: Ein gut durchdachtes Programm mit hohem Gebrauchswert.
Testnote: 1,7
Preis: 99 Euro
Fugawi
Die kanadische Firma Northport produziert seit 1995 die Kartensoftware Fugawi. Vor einiger Zeit trennte sich Northport vom deutschen Vertrieb (früher GPS-GmbH, heute Garmin Deutschland) und ist derzeit nur über einige kleinere Händler zu kaufen. Die aktuelle Händlerliste findet man auf der Website von Fugawi. Trotz dieser langen Erfahrung hakeln aber bestimmte Teile des Programms immer noch wie am ersten Tag. Wenn man beispielsweise mit dem PDA einen Track gelaufen ist und diesen dann auf den PC herunterladen möchte, muss man erst mal händisch über ActiveSync in den PDA "hineingreifen" und dort die Datei "default.trk" auf den PC ziehen und umbenennen. Auf dem PC befindet sich nämlich schon nach jedem Programmstart eine Datei namens "default.trk" im Track-Ordner und Fugawi ist nicht in der Lage, hier selbstständig eine Programmnamen-Fortschreibung vorzunehmen. Eigentlich eine Kleinigkeit, aber bei jeder neuen Programmversion ein echtes Ärgernis. Außerdem hat Fugawi mit dem in Outdoor-Kreisen weit verbreiteten Fujitsu-Siemens Pocket-Loox N560 GPS-Schnittstellenprobleme. Zum einen zeigt die Satellitenansicht sehr wenige Satelliten an: Wenn beispielsweise auf dem N560 von Fugawi nur zwei Satelliten als empfangbar dargestellt werden, signalisiert "Deutschland digital" an der gleichen Stelle mit dem gleichen Gerät glatt acht mit einer gültigen Position. Seltsamerweise wird der zugehörige Datensatz (GPGSV) in den NMEA-Daten aber bei beiden Programmen korrekt und gleich dargestellt. Beispielhaft gut gelöst sind bei Fugawi die Kartenkalibrierung und die vielen Kartenformate, die eingelesen werden können. Bei selbst gescannten Papierkarten rechnet die Software mit den drei Kalibrierungspunkten sogar schief eingescannte Karten wieder gerade und sie kommt mit vielen hier üblichen fertigen Karten zurecht – zum Beispiel mit allen TOP50-Formaten oder mit MagicMaps. Allerdings gerät bei der Darstellung von großen Kartenausschnitten der Bildaufbau und die Verschiebung von Karten zur nervigen Geduldsprobe. Fugawi ist auf jeden Fall das Programm der Wahl, wenn man mit vielen Kartenformaten und Projektionsarten hantieren muss.
Testnote: 2,4
Preis: 140 Euro
GPS-Tuner
Das Programm GPS-Tuner gibt es in einer Version für Windows Mobile 5 und Mobile 6, auf der Website findet man jedoch auch für ältere PDAs eine Ausführung für Pocket PC 2003. Nach der Erstinstallation zeigt der PDA eine Weltkarte, die durch selbst gescannte Karten ersetzt werden kann. Neben der Kartendarstellung findet man im Hauptfenster von GPS-Tuner die Trip-Computer-Darstellung auf sechs einzelnen Seiten mit vielerlei Einzeldaten wie Durchschnittsgeschwindigkeit oder Stoppuhr und auch solch ungewöhnliche Größen wie Beschleunigung in m/sec2. Eine Kompassdarstellung und der Manager für Wegpunkte, Routen und Tracks sowie die Satelliten-Abbildung machen das Programm komplett. Das Ganze ist klar strukturiert und einfach zu bedienen. So sind beispielsweise alle 12 Bedienknöpfe für die Landkarte auf der zugehörigen Seite untergebracht, sie können aber der besseren Übersichtlichkeit wegen auf Wunsch auch hinter einem einzigen Knopf versteckt werden. Ein Blick in das Hilfe-PDF war nur nötig, weil die Icons auf dem PDA-Display sehr klein sind und nicht bei allen sofort die Bedeutung klar war. Zum Kalibrieren selbst gescannter Papierkarten liefert der ungarische Hersteller ein Programm namens MapCalibrator für den PC. Es gestattet die Kalibrierung anhand mehrerer Referenzpunkte und ist recht einfach zu bedienen. Zusätzlich zu diesen Kalibrierfunktionen kann man mit dem Programm auch Wegpunkte, Tracks und Routen ex- und importieren. Schlecht funktioniert hier das Austauschen dieser Daten mit dem PDA, das leider nicht automatisiert ist: Man muss zunächst die Daten auf dem PC speichern und dann per Hand über Activesync zum PDA hinüberschieben. Auch das Auslesen der Tracks vom PDA zum PC ist Handarbeit. Dies sind aber die einzigen Mängel an dem ansonsten preiswerten und leicht zu handhabenden GPS-Tuner. Ein möglicherweise illegales Schmankerl (dazu konnte Google Maps bis zum Redaktionsschluss keine Klarheit schaffen) ist das Anzapfen von Google-Maps-Karten oder Satellitenbilder für den GPS-Tuner. Das Aufrufen und Abspeichern gewünschter Kartenausschnitte funktioniert ohne Probleme und die einzelnen Kacheln sind direkt georeferenziert. Einfacher geht es nicht. Neben Google Maps dienen die Portale von Open Street Maps, Terra-Server und Expedia als Online- Karten-Quelle. Wer als Hardware-Basis ein Gerät mit Online-Zugang über WiFi oder GPRS benutzt, kann sich sogar den Umweg über PC und Map Calibrator sparen und die Karten direkt in den PDA herunterladen.
Testnote: 2,0
Preis: 30 Euro
Die kompletten Testergebnisse aller 17 überprüften Programme finden Sie in der Printausgabe 25/08 des c't magazins im Artikel "Pfadfinder, Siebzehn Programme für die Off-Road-Navigation" ab Seite 126. Den Beitrag erhalten Sie im c't-Kiosk auch als PDF-Datei.
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