BMW-Chef kritisiert "German Angst" vor Elektromobilität

BMW-Chef Norbert Reithofer hat die Deutschen vor einer übertriebenen Skepsis gegenüber Elektrofahrzeugen gewarnt. „Wenn es darum geht, grundlegende Veränderungen einzuleiten, dann wird hierzulande erst einmal lang und ängstlich diskutiert“, kritisierte er

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  • Martin Franz

BMW-Chef Norbert Reithofer hat die Deutschen vor einer übertriebenen Skepsis gegenüber Elektrofahrzeugen gewarnt. „Wenn es darum geht, grundlegende Veränderungen einzuleiten, dann wird hierzulande erst einmal lang und ängstlich diskutiert“, kritisierte Reithofer am Dienstag bei der Hauptversammlung in München. Diese „German Angst“ sei auch im Ausland bekannt. „Dann sehen wir Deutsche mehr Probleme als Chancen. Bei der Elektromobilität ist das nicht anders.“

BMW-Chef Reithofer kritisiert "German Angst" vor Elektromobilität.

(Bild: Hersteller)

BMW bringt noch in diesem Jahr mit dem i3 sein erstes Elektroauto auf den Markt und setzt große Hoffnungen in die Entwicklung alternativer Antriebskonzepte. Viele Experten zweifeln aber daran, dass sich die Elektromobilität auf den Straßen in Deutschland durchsetzt. Vor den Aktionären in der Münchner Olympiahalle warb Reithofer um Vertrauen für das Projekt. „Jede Branche braucht einen, der voran geht.“ Die ersten i3-Fahrzeuge vor dem Beginn der Serienproduktion liefen in Leipzig zurzeit vom Band. „Falls jetzt noch jemand zweifelt – dies ist ein klares Signal: Der i3 kommt definitiv auf den Markt. Und wir werden damit Geld verdienen.“ Wann genau das Auto startet und wie viel es kostet, hält BMW geheim. Schätzungen zufolge müssen sich die Kunden auf Preise ab etwa 40.000 Euro einstellen.

Der Optimismus von BMW beim Thema Elektromobilität zeigt sich auch in einer anderen Zahl. So vermeldete das Handelsblatt am Montag, dass BMW sich sein Projekt mit Elektroautos bis Ende 2013 mehr als 3 Milliarden Euro kosten lässt. BMW wollte diese Zahl bislang nicht bestätigen. Produktionsvorstand Harald Krüger hatte kürzlich eine Summe von 655 Millionen Euro unter anderem für Investitionen in die Carbon-Produktionskette genannt. Angesichts dessen, dass man bei der Entwicklung des i3 kaum auf vorhandene Bauteile zugreifen konnte, sondern vielfach ganz von vorn beginnen musste, scheint die vom Handelsblatt genannte Zahl keineswegs abwegig. Die Credit Suisse sei bei Berechnungen auf ähnliche Zahlungen gekommen, so die Zeitung.

Insgesamt will BMW in diesem Jahr elf neue Modelle auf den Markt bringen und rechnet auch wegen der damit verbundenen Kosten mit einem Gewinn vor Steuern in der Größenordnung des Vorjahres. Reithofer bekräftigte die Prognosen und stellte damit einen weiteren Absatzrekord in Aussicht. 2012 lieferte BMW weltweit 1,845 Millionen Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce aus und damit fast 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Unter dem Strich verdiente der Konzern 5,1 Milliarden Euro, ein Plus von 4 Prozent. Der Umsatz kletterte um 11,7 Prozent auf knapp 77 Milliarden Euro. Von den Aktionären erntete BMW dafür viel Lob. „Was soll man schon aussetzen an diesem Jahr?“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Angesichts der Bestwerte sollen die Aktionäre eine Dividende von 2,50 Euro je Aktie erhalten und damit 20 Cent mehr als im Jahr zuvor. Das dürfte auch die drei Großaktionäre Johanna Quandt, Stefan Quandt und Susanne Klatten freuen, die zusammen 46,7 Prozent an BMW halten und gemeinsam rund 703 Millionen Euro erwarten dürften. (mit Material der dpa) (mfz)