Virtuelle Spurenerfassung

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(Bild: Fraunhofer IOF)

Fraunhofer-Forscher haben einen portablen Scanner entwickelt, mit dem Tatorte digitalisiert werden können.

Von
  • Ben Schwan

Stätten krimineller Machenschaften sind lange ein Ort des Analogen gewesen. Wenn die Polizei an einem frischen Tatort anrückt, muss zu allererst die Spurensicherung, auch Spusi genannt, ran. Schließlich will man alle vom Täter hinterlassenen Hinweise so schnell und so genau wie möglich erfassen, damit er oder sie gefunden und ihm oder ihr später der Prozess mit hieb- und stichfesten Beweisen gemacht werden kann.

3D-Darstellung von Reifen- und Fußspuren. (Bild: Fraunhofer IOF)

Immer öfter kommen an Tatorten mittlerweile auch dreidimensionale Laserscanner zum Einsatz, mit denen man wichtige Teile eines Tatorts schnell erfassen und später am Computer immer wieder virtuell begehen kann. Die sind allerdings keineswegs kompakt und benötigen Fachleute zum Aufbau und zur Kalibrierung.

Physische Sicherung fällt weg

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena haben nun ein Gerät entwickelt, mit dem das auch portabel gelingen kann. Der sogenannte 3DF-Scanner (das F steht für "Forensics") kann beispielsweise Reifenspuren, Fußabdrücke oder andere im Boden eingedrückte Spuren, für die man bislang Gips zur physischen Sicherung benötigte, innerhalb weniger Sekunden erfassen. Das Gerät hat ein Display zur Vorschau, so dass man den Bildausschnitt überprüfen und gegebenenfalls an der Schärfe nachregeln kann.

Der Scanner im Betrieb. (Bild: Fraunhofer IOF)

Die so gewonnenen Bilder enthalten Tiefeninformationen und haben eine Auflösung von unter 0,2 Millimeter. Der Scanner deckt einen Erfassungsbereich von rund einem A4-Blatt ab, es sind aber auch größere Aufnahmen etwa längerer Reifenspuren möglich, die der Rechner dann automatisch wie bei einem Panoramabild zusammenbaut. Die Genauigkeit ist dabei besonders bedeutsam. Denn wichtiger als etwa die Schuhgröße oder -marke seien beispielsweise kleine Kratzer im Schuhprofil, über den die Kriminalpolizei einen Schuhabdruck eindeutig einem ganz bestimmten Schuh zuordnen kann, sagen die Fraunhofer-Forscher. Die Messunsicherheit betrage dabei lediglich 20 bis 100 Mikrometer.

Akkubetrieb und leicht portabel

Das Gerät ist mit 4,3 Kilo angenehm zu tragen und läuft mit Akkus. Die integrierte Kamera macht zeitgleich auch normale Bildaufnahmen. Technisch arbeitetet das System mit der sogenannten Musterprojektion, bei der ein kleiner Projektor Serien von sinusförmige Mustern in zwei Orientierungen sowie ein Binärmuster, den sogenannte Graycode, auf die Spuren wirft.

Im Schnee funktioniert der "3DF" ebenfalls. (Bild: Fraunhofer IOF)

Zwei Fotosensoren nehmen das Bild dann aus unterschiedlichen Winkeln auf und können aus Abweichungen (Deformierung) des Musters die Erfassung vornehmen. Die Gipsmethode wird damit problemlos geschlagen, so die Forscher – die Spusi kann ihre Mechanik also im Auto lassen. Die Aussagekraft der Daten sei somit mindestens genauso hoch wie die von Daten, die über das Ausgipsen gewonnen werden – wenn nicht sogar höher, sagen die Forscher. "Mit nur 4,3 Kilogramm ist er sehr leicht, batteriebetrieben und robust gegen Witterung und Temperatur. Zudem arbeitet er berührungslos, die Spur ist also nach dem Scannen noch intakt", so Roland Ramm, Wissenschaftler am Fraunhofer IOF.

(bsc)

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