"Blaue Briefe" von der Landesmedienanstalt NRW

Auch Letsplay-Kanäle mit wenigen hundert Zuschauern geraten inzwischen ins Visier der Landesmedienanstalten. Von Annäherung zwischen Anbietern und Behörden oder gar der Abschaffung überholter Regelungen kann offenbar keine Rede sein.

Im Frühjahr 2017 hatte es den Heise-Verlag erwischt: Die zuständige Landesmedienanstalt teilte mit, als Anbieter eines Streaming-Formates müsse die Redaktion c't eine Rundfunk-Lizenz erwerben. Das hatte einen unübersehbaren Wust an Bürokratie zur Folge. Die Regulierung greift eben auch für Live-Streaming- Angebote, die regelmäßig verbreitet werden.

Seit einigen Monaten schien ein bisschen Ruhe eingekehrt zu sein. Man konnte den Eindruck gewinnen, als herrsche Konsens darüber, dass die gesetzlichen Vorgaben veraltet seien und der Überarbeitung bedürften. Auf dem GamesCom Congress 2017 wollte man sich treffen, um über Auswege aus der Misere zu beraten, berichtet die Internet-Seite "GamesWirtschaft".

Doch die Ruhe trog. Jetzt berichten mehrere Anbieter über weitere Anläufe der Behörden, selbst reichweitenschwache Streaming-Dienste dem Zwang einer Rundfunk-Lizenz zu unterwerfen. Im November seien Letsplayer, deren Live-Stream auf Twitch-TV zu sehen seien, von der Landesmedienanstalt NRW angeschrieben worden, um sich diesbezüglich mit der Behörde in Verbindung zu setzen. Ohne Rundfunklizenz drohe die Stilllegung des Kanals.

Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Von den im Frühjahr von den Medienhütern kontaktierten Anbietern hat etwa der hauptberufliche YouTuber Erik Range (Betreiber von "Gronkh") Rat bei einem Fachanwalt gesucht. Das Letsplayer-Quintett PietSmits schaltete sein Angebot vorsichtshalber vorübergehend ab, wie GamesWirtschaft berichtet. Selbst nebenberufliche "Teilzeit-Streamer" sehen sich mit der behördlichen Forderung nach einer Rundfunk-Lizenz konfrontiert. (uh)

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