Hacken mit DNA: Forscher dringen mit manipuliertem DNA-Strang in Labor-Computer ein

Zum ersten Mal ist es offenbar gelungen, mit Hilfe von DNA die Kontrolle über einen Computer zu übernehmen. Das Forscher-Team warnt vor künftigen Gefahren – räumt aber auch ein, dass ihr Angriff bislang wenig realistisch ist.

Ein Team der University of Washington hat nach eigenen Angaben Malware in ein genetisches Molekül eingebracht und konnte auf diese Weise die Kontrolle über einen Computer übernehmen, der es analysieren sollte. Die Forscher sprechen vom ersten "DNA-basierten Eindringen in ein Computer-System". Es sei ihnen gelungen, die "volle Kontrolle" über den Analyse-Computer zu erlangen, schreiben sie. Der Angriff ist derzeit wenig realitätsnah, könnte aber an Relevanz gewinnen, berichtet Technology Review online in "Hacken mit DNA".

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Zur Produktion der Malware übersetzte das Team eine bestimmte Computer-Instruktion in DNA-Code, also eine Folge der DNA-Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin. Den zugehörigen DNA-Strang ließen sie sich für 89 Dollar von einem Spezialanbieter synthetisieren. Damit fütterten die Forscher eine Sequenziermaschine. Diese las die Basenfolge aus und speicherte sie wie üblich digital als DNA-Code; dieser besteht aus den Buchstaben A, T, G und C. Normalerweise wird der Code von mehreren Programmen nacheinander weiterverarbeitet und analysiert. Die Forscher hatten jedoch zuvor Schwachstellen in einigen der Programme ausgemacht. Unter anderem ließ sich ein Pufferüberlauf auslösen und so der PC übernehmen. So schleusten die Forscher über das synthetische Stück DNA eigenen Programmcode ein, der schließlich dazu führte, dass der PC einen vom Team kontrollierten Server kontaktierte.

Wie die Forscher warnen, könnten sich Hacker eines Tages auf ähnliche Weise mit manipulierten Blut- oder Speichel-Proben Zugriff auf Universitätscomputer verschaffen, Informationen aus forensischen Laboren stehlen oder Genom-Daten infiltrieren. Einstweilen ist DNA-Malware in der Praxis jedoch kein Risiko. Die Forscher räumen ein, dass sie für ihren Versuch die "bestmöglichen" Voraussetzungen schufen, indem sie Sicherheitsfunktionen abschalteten und eine Sicherheitslücke in eine wenig genutzte Bioinformatik-Software programmierten.

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(sma)
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