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"Skimming": Betrug an Geldautomaten in Deutschland weiterhin auf dem Rückzug

Kriminelle haben an Geldautomaten immer seltener Erfolg. Die Milliardeninvestitionen in mehr Sicherheit zahlen sich aus. Doch es gibt auch Lücken.

Von Jörn Bender, dpa

Moderne Technik legt Datendieben an Geldautomaten in Deutschland zunehmend das Handwerk. Im laufenden Jahr gab es erneut weniger Versuche als im Vorjahr, Kartendaten und Geheimnummern von Bankkunden auszuspähen. Wie sich bereits im ersten Halbjahr 2019 zeigte, sank der Schaden durch solche Skimming-Attacken auf ein Rekordtief. Doch Experten warnen: Um an Bares zu kommen, zeigen sich Kriminelle erfinderisch.

Nach Angaben von Euro Kartensysteme manipulierten Kriminelle in den elf Monaten bis einschließlich November dieses Jahres 227 Mal Geldautomaten, um Daten abzuschöpfen. Im Vorjahreszeitraum hatte die Frankfurter Einrichtung, die sich für die deutsche Kreditwirtschaft um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten kümmert, 428 solcher Skimming-Fälle gezählt. Im Gesamtjahr 2018 waren es 449. Dabei können einzelne Automaten mehrfach angegriffen worden sein.

Begehrtestes Angriffsziel: Berlin

Die Hauptstadt ist mit bisher 109 Fällen in diesem Jahr das beliebteste Ziel für Skimming. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat für die Häufung der Fallzahlen dort eine einleuchtende Erklärung: "Dies dürfte im Wesentlichen der dortigen hohen Anzahl an ausländischen, insbesondere außereuropäischen Touristen geschuldet sein, deren Zahlungskarten teilweise noch nicht mit dem EMV-Chip ausgestattet sind. Daten dieser Karten lassen sich durch die Täter leichter verwerten."

Kriminelle ändern die Taktik

Das BKA warnt jedoch zugleich, dass auch die Täter mit der Zeit gehen. Das zeige sich beispielsweise an "vermehrten Hackingangriffen auf Geldautomaten-Netzwerke". Auch das Jackpotting nehme zu: Dabei schleusen Kriminelle eine Schadsoftware auf den Rechner des Geldautomaten. Anschließend erfolgt über den infizierten Rechner ein Zugriff auf das Auszahlungsmodul des Geldautomaten, um so möglichst viele unautorisierte Bargeldauszahlungen nacheinander zu veranlassen.

Kartendiebstahl kann teuer werden

Verbraucher in Deutschland, die Opfer von "Skimming" geworden sind, müssen normalerweise keinen finanziellen Nachteil fürchten. In der Regel ersetzen Geldinstitute solche Schäden – vorausgesetzt, die Kunden sind sorgfältig mit ihrer Bankkarte und PIN umgegangen.

Weil jedoch viele Verbraucher entgegen aller Warnungen Karte und Geheimzahl zusammen in ihrem Geldbeutel aufbewahren, gelingt es Kriminellen häufig, sich auf diesem Weg Zugang zu fremden Konten zu verschaffen. 10.004 Fälle von Diebstahl oder Verlust von Zahlungskarten wurden bis einschließlich November des laufenden Jahres in Deutschland gezählt und damit mehr als in den elf Monaten des Vorjahres (9329). Der Bruttoschaden durch solche Fälle stieg von gut 13,3 Millionen Euro auf nun gut 13,5 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2018 waren es 10.098 Fälle, der Schaden durch Diebstahl und Verlust von Zahlungskarten lag bei 14,5 Millionen Euro. (cbr)