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Belästigt und von Elon Musk manipuliert: Kritik an Arbeitsklima bei SpaceX

Wenige Tage nach ihrem Weggang von SpaceX erhebt eine Ingenieurin mehrere Vorwürfe gegen die Firma. Dabei geht es um Sexismus, aber auch Elon Musks Auftreten.

Von Martin Holland

Eine ehemalige Mitarbeiterin von SpaceX hat schwere Vorwürfe gegen das US-Raumfahrtunternehmen erhoben, vier weitere Personen haben gegenüber The Verge ähnliche Kritik geübt. Sexuelle Belästigungen von Frauen oder nichtbinären Personen werden demnach von der Personalabteilung ignoriert, für die Verantwortlichen habe es keine Konsequenzen gegeben. Schuld sei die Führung des Unternehmens, die Ex-Mitarbeiterin findet dabei auch ziemlich harsche Worte für Elon Musk selbst, den sie mit einem "Sadisten" aus ihrem Leben vergleicht.

Die Kritik erinnert an Vorwürfe beim SpaceX-Konkurrenten Blue Origin, im aktuellen Fall wird aber nicht vor möglichen Folgen für die Sicherheit gewarnt. SpaceX hat sich öffentlich nicht dazu geäußert, Medienberichten zufolge aber in der Folge intern an die hauseigene "kein-Arschloch-Vorgabe" erinnert.

Schädliche Firmenkultur

Die konkreten Vorwürfe stammen von Ashley Kosak, ehemalige "Mission Integration Engineer" bei SpaceX. Während ihrer Zeit bei dem Unternehmen hätten "zahllose Männer" ihr gegenüber sexuelle Avancen gemacht, mehrfach sei sie auch absichtlich unangemessen berührt worden. Einige Männer würden Frauen "ohne deren Zustimmung umarmen", sie "während der Arbeit anstarren" oder jede soziale Veranstaltung als "Gelegenheit zum Anmachen" verstehen. Einmal sei sie nachts um 4 Uhr angerufen worden. Sie habe die Vorkommnisse gemeldet, geschehen sei aber nichts. Ähnliches beschreiben vier weitere, anonyme Personen, gegenüber The Verge. Alle arbeiten demnach nicht mehr für das Unternehmen.

Kosak ist ihrer eigenen Aussage zufolge bei SpaceX geblieben, weil das Versprechen, Geschichte zu schreiben, wie eine Karotte vor der Nase gehangen habe. Ihnen sei versprochen worden, dass sie die Welt verändern könnten und jeder Meilenstein all die Opfer wert sei. Dabei lässt sie auch kein gutes Haar an Elon Musk selbst. Der gebe Versprechen ab, an denen er sich selbst nie messen lasse, verschiebe die Ziele andauernd und nehme den bis zur Aufopferung arbeitenden Angestellten Ressourcen, nur um sie dann daran zu erinnern, dass ihre Arbeit nicht ausreiche. Pläne für mehr Nachhaltigkeit habe er brüsk zurückgewiesen.

Musk behandle Ingenieure und Ingenieurinnen wie Ressourcen, die abzubauen sind, um den Schutz der Erde gehe es selten, Frauenfeindlichkeit grassiere im ganzen Unternehmen. Außerdem übe der reichste Mann der Welt Druck auf die Angestellten auf, indem er etwa einen möglichen Bankrott beschwöre. Die Ingenieurin fragt auch noch rhetorisch, wie wohl eine Marskolonie aussehen werde, die von einem Unternehmen SpaceX mit solch einer internen Kultur aufgebaut werde.

Schöne neue Arbeitswelt?

SpaceX selbst hat sich gegenüber US-Medien nicht zu den Vorwürfen geäußert, aber die COO des Unternehmens hat laut The Verge am Wochenende eine E-Mail an die Angestellten verschickt. Darin wird daran erinnert, dass SpaceX "keine Arschlöcher" haben wolle, Belästigungen sollten gemeldet werden. Kosak dürfte das nicht zufriedenstellen, sie hat das Unternehmen vor wenigen Tagen verlassen. Ihre Vorwürfe erinnern an jene gegen Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos, die Anfang Oktober erhoben wurden. Auch dort werde Sexismus ignoriert und gelte der Klimaschutz wenig. Ferner hieß es damals aber auch, dass bei Blue Origin Sicherheitsbedenken beiseite geschoben würden. Das wirft Kosak SpaceX nun aber nicht vor.

(mho)