Kinder und Kinderkosten - einmal ernsthaft betrachtet!

Welche Kosten verursachen Kinder Eltern, dem Staat und der Umwelt?

Familie, also mit einem vertrauten Partner Kinder zu haben, ist nach wie vor ein großer Sehnsuchtsraum der Menschen, selbst wenn in den Großstädten der westlichen Welt oder im verwestlichten Fernost, die Mehrzahl der Haushalte Singlehaushalte sind. Diese Sehnsucht nach starker Bindung und wohl auch das mythische Versprechen, dass mit dem Kind von einem etwas bestehen bleibt, verursacht oft eine eindimensional affektive Ausdeutung von Kindern. Sie sind einfach wertvoll - aber dennoch ein merkwürdiges "Ego-Projekt"? Höchste Zeit, hier mit nüchterner, kühler ökonomischer Perspektive nach zu schauen.

Entgegen allem ökologischen Verstand und meist aus Oberflächlichkeit freuen sich Politiker, Journalisten und Demografen, bei Militärs und den Wirtschaftseliten werden hier noch andere Gründe mitspielen, über Bevölkerungswachstum. Zwar gibt es keinen Druck mehr auf den einzelnen Menschen, Kinder in die Welt zu setzen - so viel Individualismus darf heute sein -, dennoch wollen viele ein Kind oder zwei, drei Kinder haben - und das wird auch mit rhetorisch offiziellem Aufwand gefördert.

Dabei muss viel Geld und Zeit in die Hand genommen werden, um Kinder heute hochziehen. Zwanzig Jahre intensive Erziehung. Sozialisation und entsprechen Kosten sind für eine halbwegs funktionierende Integration notwendig. Wer das nicht sieht, ist einfach nur naiv geblieben.

Menschenleben gehören dem Staat?

Beginnen wir, bevor wir uns ernsthaft mit den Kindern in einer Gesellschaft und den Kosten, die die Entscheidung für ein Kind verursacht, beschäftigen, gewissermaßen mit dem Gegenteil - dem Freitod. Der Ausdruck "Selbstmord", der diese Entscheidung zum eigenen Ende tabuisiert, drückt dies ja sprachlich schon recht denkwürdig aus. Der Selbstmörder nimmt sich seiner Gemeinschaft, früher hätte man das Volksgemeinschaft genannt, aber heute ist man da eher "Anti", also sagen wir: seiner Staatsgemeinschaft, einfach und ohne Erlaubnis weg.

Er darf das wohl an sich nicht, obschon der Suizid heute nicht mehr, außer für allfällige Helfer, strafbewehrt ist. Ein harscher Kollektivismus herrscht hier: Nicht der Einzelne hat ein Recht auf sein Leben, sondern das Kollektiv hat ein Recht auf den Einzelnen.

Der nach wie vor zwanghafte Umgang mit der Selbsttötung zeigt, dass niemand sein eigener Herr ist, dass das einzelne Individuum nach wie vor dem Staat - früher dem Fürst (oder wie immer diese Despoten genannt wurden) - gehört und nur Fürst oder Staat das Recht haben, den Einzelnen in den Tod zu bringen.

Ja, auch diesseits der abgeschafften Todesstrafe können die meisten Staaten ihre Mitglieder zum Kriegs- oder Hilfsdienst verpflichten, also aus staatlichen Existenzgründen problemlos in den Tod schicken. Von den höheren Lebensrisiken wegen einer fehlerhaften Ordnungs- und Sicherheitspolitik, beispielsweise im Straßenverkehr, bei dauerhaft schlechter Luft, den vielen Schadstoffen oder wegen marodierender Banden in machen Stadtvierteln, reden wir dabei erst gar nicht.

Der einzelne Mensch gehört mehr oder weniger dem Staat und nur dieser bestimmt, welche Frondienste während der Lebenszeit, man denke an die Steuerquote von 40 Prozent und die unzähligen Verbote (beginnend von: Bürger dürfen keine Waffe haben, müssen mit der Meinung vorsichtig sein, dürfen dafür aber auf der Autobahn rasen, was das Zeug hält) im Alltag. Auswandern würde daran nichts Grundsätzliches ändern, da es heute keinen staatenlosen Flecken Erde auf diesem Planeten gibt.

Seit der Epoche der Aufklärung wäre an sich den westlichen Menschen gegen die alten religiösen Dogmen das Recht gegeben, ihr Leben im Gemeinwesen politisch (republikanische Demokratien) und moralisch (Kants Imperativ), ohne Beschädigung von anderen, friedlich selbst zu gestalten. Viele haben das in seiner Tragweite erst gar nicht begriffen oder schnell wieder vergessen, manche warten auf Revolutionen unterschiedlichster Art, etliche hoffen auf irgendwelche Reformen. Um es abgekürzt zu sagen: Selbstbestimmung, Selbstverwaltung, authentische Demokratie findet nur sehr, sehr eingeschränkt statt (vgl. z.B.: Wir leben in einem Staat ohne nennenswertes Parlament), das Souveränitätspotential des aufgeklärten Menschen bleibt bislang und wohl für längere Zeit ziemlich ungenutzt.

Kinder sind im Grunde Staatseigentum

Kinder zu haben, das war lange Zeit als eine harte soziale Norm Menschenpflicht, das hat sich inzwischen geändert. Nichts geändert hat sich einerseits bei den Wünschen von Politik, Medien, Militärs und der Wirtschaft nach Bevölkerungswachstum - alle freuen sich, wenn die Menschen mehr werden. Obschon ökologisch das Gegenteil dringend angeraten wäre, aber das begreifen mittlerweile selbst linksliberale oder linksgrüne Journalisten und Politiker nicht mehr.

Ebenso wenig hat sich andererseits am Anspruch des Staates an die Eltern, den Kindern eine gute Aufzucht angedeihen zu lassen, geändert. Diese Pflicht wurde mit einer entsprechenden Kontrollstruktur abgesichert - Eltern sind auf das Wohl ihrer Kinder verpflichtet. Gesunde Arbeitskräfte, die Lesen, Schreiben und Rechnen können und für Wirtschaft und Militär brauchbar sind, das haben alle Länder, unabhängig von der Staatsform, so gehalten.

Mit den dichteren Verwaltungsstrukturen kamen auch institutionalisierte Kinder- und Jugendwohlfahrtseinrichtungen, also Kontrollinstanzen über die Bevölkerung. Wo Eltern ihre Bürgerpflicht, hier gegenüber den eigenen Kindern, vernachlässigen, schreitet die staatliche Fürsorge ein und nimmt die Kinder den Eltern gegebenenfalls weg. Das wird manchmal sinnvoll, kann mitunter willkürlich sein. Elterliche Trennungen sind mit Unterhaltspflichten sanktioniert und fühlt sich der Sprössling zu kurz gekommen, was seine Ausbildung betrifft, hat er oder sie entsprechende zivilrechtliche Klagemöglichkeiten - Recht und Gerichte sind da recht kinderorientiert.

Moderne Eltern

Von der Mittelschicht aufwärts sind Eltern heute jedoch von vornherein sehr kinderbezogen, Stichwort: Helikoptereltern, man mag das affig nennen. Die Kleinen werden bereitwillig nach Strich und Faden verwöhnt, Mobiltelephon, Fernseher, Notebook, Kinderzimmer sowieso, wo es möglich ist, der Gang in die Privatschule, Auslandsschuljahr in den USA, gern dann ein eigenes Auto mit 18. Unwillige Lehrer lassen sich gefügig machen, notfalls mit Rechtsanwalt.

Mit dem Kind - aus der Richtung der Eltern gesehen - wird oft ein Leistungs- und Konsumwettbewerb ausgetragen. Leidtragende sind die Kinder und Eltern unterhalb der multikulturalistischen Mittelschicht. Sie kommen immer stärker unter den Konsum- und Leistungsdruck der Anderen.

Aber kommen wir, mit kühlen und nüchternen ökonomischem Blick, zu den Kosten, die ein Kind verursacht. Und zwar in dreifacher Hinsicht, nämlich den Eltern verursacht, dann beim Staat und schließlich in der Umwelt.

Die letzte groß angelegte Erhebung zu den Kosten von Kindern liegt etwas zurück (Destatis 2014, Zahlen 2008) und zeigt, dass in Deutschland Paare mit einem Kind im Durchschnitt bei einem Nettomonatseinkommen des Haushalts von 3.760 Euro, knapp 600 Euro für ein Kind (Einzelkind) monatlich ausgegeben haben. Diese Ausgaben haben natürlich mit dem Alter des Kindes zu tun und reichen von 520 Euro (Kind bis 6 Jahre) bis 700 Euro (Kind ab 12 bis 18 Jahre) monatlich. Einkommensschwache hatten damals ein Haushaltseinkommen von 1.400 Euro und gaben rund 330 Euro im Monat für das Kind aus, um nur einen wichtigen Eckpunkt zu nennen (Details in der an sich gut lesbaren Studie).

Bis das Kind rechtlich erwachsen ist, also bis zur Vollendung des achtzehnten Lebensjahres, belaufen sich diese Kosten im Schnitt auf rund 130.000 Euro; dazu kommen die notwendigen Zeitaufwendungen für dieses Kind. Sind Kinder im Haushalt, rechnete das Statistische Bundesamt für 2013 mit 10 Stunden Mehraufwand für die einzelnen Erwachsenen im Haushalt, damit also 20 Stunden bei Paarerziehenden.

Bei einem einzelnen Kind greifen die economies of scale (der Größenrabatt) noch nicht, sagen wir vorsichtig: Im Schnitt werden es rund 60 Stunden monatlich sein, die für ein Kind aufzuwenden sind, also insgesamt ca. 13.000 Stunden bis es erwachsen ist. Zeitaufwendungen monetär auszudrücken ist zwar immer etwas eigen und für Nichtökonomen, gerade wenn es sich um geliebte Menschen oder Haustiere dreht, oft irgendwie fremd. Dennoch, wenn man hier vorsichtig den Lohn einer Hilfskraft ansetzt, also sagen wir 10 Euro in der Stunde, wären das wiederum zusätzliche 130.000 Euro bis zum rechtlich formalen Erwachsenenalter. Man kann jetzt erahnen, warum manche postmoderne bzw. materialistisch orientierte Menschen meinen, ein Kind täten sie sich lieber nicht so gern an.

In Deutschland beträgt das staatliche Kindergeld im Jahr 2017 192 Euro im Monat, dazu kommen für die wirtschaftlich Schwächeren Sozialhilfeleistungen, das erhalten die Eltern für ein Kind. Der Staat übernimmt den größten Teil der Kosten für die Bildungsinfrastruktur (vom Kindergarten bis zu den Hochschulen), viele Kommunen finanzieren Freizeitmöglichkeiten für Kinder, etwa ein öffentliches Schwimmbad, usw.

Im Ausgleich dafür wird das erwachsene Kind viel an Steuern auf sein Einkommen und zusätzlich Steuern auf seine Konsumausgaben (Einkommenssteuer, Umsatzsteuer, Mineralölsteuer usw.) zahlen - im Schnitt rund 40 Prozent, das wurde bereits erwähnt. Das ließe sich mit kühler und nüchterner Perspektive auch als Geschäftstätigkeit des Staates verstehen: Kosten für Ausbildung und etwas Unterstützung, im Gegenzug dafür Einnahmen aus den diversen Steuern. Ja, so hart, nüchtern und leidenschaftslos kann ein ökonomischer Blick sein.

Das ist nun aber nicht so. Kinder sind mittlerweile ein Verlustgeschäft für den Staat, so ein Nebenergebnis der sogenannten Generationenbilanzen. Diese volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen werden heute meist - interessenspolitisch und mit liberalkonservativer und neoliberaler Perspektive - dazu benützt, um zu zeigen, dass die Staatsausgaben und die angesammelten Staatsverschuldungen zu hoch sind und deshalb die Staaten sparen müssten.

Dies betrifft insbesondere die Diskussion um die Zahlungen der staatlichen Rentenversicherung und das Ergebnis der ökonomischen Mainstream-Gurus ist immer dasselbe: Rentenantrittsalter erhöhen, Rentenzahlungen kürzen, kapitalgedeckte Rentensysteme (damit die Versicherungskonzerne mehr Geschäft machen). Tatsächlich haben die Öffentlichen Haushalte seit Jahrzehnten - die Renten sind dabei allerdings gar nicht das große Problem - sagenhafte Defizite eingefahren und alle Politik, die sich irgendwie für linksinspiriert hält, möchte das jedenfalls gern weiter tun, es ist ja nicht die eigene Brieftasche, um das etwas sarkastisch zu sagen.

Stellschrauben

Im Wesentlichen zeigen diese Generationenbilanzen, wie viel die einzelnen Bevölkerungsjahrgänge eines Landes zur Finanzierung oder zum Schuldenmachen des Staates beitragen, wenn man nicht an den Stellschrauben der Staatsfinanzierung dreht.

Es liegt auf der Hand, Kinder und Jugendliche, ebenso wie Rentner, kosten dem Staat Geld, dazwischen, also in den Jahrzehnten der (versteuerten!) Erwerbsarbeit, bringen die Menschen dem Staat Geld. Man könnte nun als Staat, genauer als politische Elite, bei den Militärausgaben zurückhaltend sein oder die Mineralölsteuer erhöhen, oder einerseits die Ausbildung, das Gesundheits- und/oder das Rentensystem kommerzialisieren, was viel Geld sparte und die gutverdienende Elite wenig träfe, andererseits ließen sich die Steuern auf höhere Einkommen hochfahren, was die Eliten einvernehmlich nicht so gern wollen, da sie das dann doch belasten würde.

Nun, wenn man alles so lässt, wie es heute ist, dann erhält "ein neugeborener durchschnittlicher Bürger im Barwert [und in der ökonomisch recht gut dastehenden Schweiz] 102.000 Franken mehr an Transferzahlungen, als er über sein Leben Steuern zahlen wird". Damit ist dieser Bürger also ein ordentlicher Verlustbringer für den Staat. Aber keine Sorge, das wird über kurz oder lang zweifellos zu Konsequenzen führen, zu einer Mäßigung beim Kinderkriegen wird man jedenfalls nicht aufrufen.

Mit der Umwelt, genauer: mit dem ökologischen Denken der Menschen, wird von Medien, der Politik-Industrie (Parteien, NGOs, Lobbyorganisationen und vermeintlichen Experten), ebenso wie von gutmeinenden Lehrern viel Unfug getrieben. Jahrzehntelang wurden Bürger darauf konditioniert einerseits umweltschützerisch brav ihren Müll zu trennen und andererseits rechtschaffene, ausgabefreudige Konsumenten zu bleiben, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Heute haben die meisten überhaupt keine Hemmungen, viel herum zu jetten und Auto zu fahren, aufgeregt fliegen etwa Zehntausende zu den Klimakonferenzen rund um die Welt, auf Subventionen schielende und uns belehrende NGOs werden beständig mehr, dabei sind die Ergebnisse solcher Treffen immer wieder nichts anderes als warme Luft im ursprünglichen Wortsinn.

Seth Wynes und Kimberly A Nicholas haben nun in einem Aufsatz (The climate mitigation gap )zusammengestellt, welche menschlichen Aktivitäten hohe Umweltbelastungen darstellen und deshalb, wenn man es ehrlich und ernsthaft mit der Umwelt meinen würde, einzuschränken wären. Das Ergebnis macht die bisherigen Bemühungen in einer tragisch-komischen Form ziemlich lächerlich.

Leinentrocknung der Wäsche (statt elektrischem Wäschetrockner etwa bringt praktisch nichts, ebenso das Haushaltsrecycling oder der Ersatz eines reinen Verbrennungsmotorautos durch eines mit Hybridantrieb. Fleischlos Essen bringt nicht viel. Allerdings der Verzicht auf Flugreisen oder ein Leben ohne Auto, das würde zu wahrhaft wirksamen Entlastungen führen. Die sinnvollste und alles andere um Längen überragende klimafreundliche Maßnahme wäre jedoch der Verzicht auf ein (weiteres) Kind, denn ein in diese Welt gestelltes Kind verursacht im Schnitt sagenhafte 60 Tonnen CO2-Emission im Jahr im Westen. Offenbar war Chinas frühere Ein-Kind-Politik ziemlich hellsichtig (wenn auch brutal), irgendwie fällt einem da Afrika ein.

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