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Nur nichts verpassen

Liebe Leserin, lieber Leser, es gibt da etwas, was wir Ihnen bisher verschwiegen haben, obwohl wir doch stets rechtzeitig und umfassend informieren sollten. Zum Glück ist aber eine angesehene Wirtschaftszeitung in die Bresche gesprungen und hat die Informationslücke geschlossen:

"Windows 98 wird nur mit neuen Hilfschips arbeiten."

Da man Hilfschips nicht nachträglich einlöten kann, braucht demnach, wer die nächste Windows-Version nutzen will, unbedingt einen neuen PC. Und zwar bevorzugt einen mit LX-Chipsatz und AGP. Von Intel, versteht sich. Sonst wird er womöglich das nächste Microsoft-Office nicht installieren können. Dann wäre er aus dem Rennen. Inkompatibel.

"Wir stehen kurz vor einer größeren Hardware-Investition", schreibt uns Curt B. vom ADAC. Er ist alarmiert: "Darf man angesichts einer solchen Meldung z. Zt. überhaupt PC-Hardware beschaffen?" LX und AGP sind ja noch kaum zu finden. Wer einen neuen PC kaufen wolle, müsse sich als Detektiv betätigen, steht in dem Zeitungsartikel. Auf dem Markt wimmelt es von PCs mit den falschen Hilfschips; einige haben nicht einmal einen Intel-Prozessor. Was hätte da alles passieren können, zumal die Warnung nicht einmal in unserem News-Ticker zu lesen war, wie Curt B. zu Recht feststellt.

Zwar bemühen wir uns in einem Testbericht auf Seite 238, Ihnen zu erläutern, was es mit LX und AGP im Detail so auf sich hat, aber wen interessiert das noch angesichts eines solchen Notstands? Wo man eh keine Wahl hat. Die harte Nachricht jedenfalls fehlt auch in jenem Artikel.

Vorangegangen ist ein ähnliches Versäumnis, über das ich nun auch nicht länger schweigen kann: Wir haben Sie gar nicht darüber informiert, daß Sie Anfang des Jahres einen PC mit MMX-Pentium hätten kaufen müssen, weil künftige Software nur noch darauf laufen wird. Kollegen von einer populären Fernsehsendung des ZDF haben dieses Nachrichtenloch dankenswerterweise gestopft, so daß sich viele von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, rechtzeitig mit einem neuen Rechner versorgen konnten.

Einige aber, die uns vertraut haben, stehen jetzt vor einer Upgrade-Lücke, die sich hinter ihnen auftut. Sie müssen zum Telefonieren womöglich immer noch das Telefon benutzen und zum Fernsehen den Fernseher. Der voll informierte Verbraucher dagegen hat schon seit Januar den Multimedia-MMX-Computer im Wohnzimmer stehen, weiß seinen uralten 16:9-Bildschirm gut entsorgt und sieht Margarethe Schreinemakers seitdem schärfer auf dem PC-Monitor.

Und weil der Multimedia-MMX-Computer jetzt zum alten Eisen gehört, fahndet der voll informierte Verbraucher mit detektivischem Spürsinn bereits nach einem Pentium-II-PC mit den neuen Hilfschips. Denn erst wenn er den hat, wird ihm "OnNow" zuteil. "OnNow" ist die wichtigste Neuerung in Windows 98 und daher ein Muß. Es handelt sich um ein noch fortschrittlicheres Energiesparmanagement, als wir es bisher schon hatten. Damit wird der voll informierte PC-Anwender weiterhin weder Festplatte noch Lüfter hören, wenn er nicht fernsieht. Vor allem aber - und das ist das Neue - wird er vielleicht den Tagesschau-Gong nicht mehr verpassen, weil Windows noch bootet.

Als schwache Entschuldigung für unsere Versäumnisse habe ich nur vorzubringen, daß Windows 98 mit allen übrigen Neuerungen auch auf einem 486er laufen wird, falls Sie noch einen besitzen. Wir haben deshalb die Dramatik der Lage schlicht nicht erkannt. Was AGP betrifft, sind wir nicht ganz sicher, ob Sie es wirklich brauchen. Und mit MMX und der Software ist es zum Glück anders gelaufen als vorausgesagt: Es gab und gibt keinen einzigen ernstzunehmenden Hersteller, der Programme nur für MMX macht, und das wird wohl auch noch lange so bleiben.

Nun sitzen Sie also da mit dem ganzen gesparten Geld und wissen immer noch nicht, was Ihnen entgeht. Ich hoffe, Sie verzeihen uns.

Christian Persson


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