Alter Adel

25 Jahre KTM Duke

Die Duke war eine der ersten Serien-Supermotos, aber vor allem hat sie KTM maßgeblich geholfen, nach der Insolvenz zum größten europäischen Motorradhersteller zu werden. Inzwischen hat das Einzylinder-Spaßmobil 25 Jahre auf dem Buckel, ist aber auf kurvigem Geläuf immer noch eine ernsthafte Ansage

Lesezeit: 7 Min.
In Pocket speichern
Druckansicht Kommentare lesen 15 Beiträge
25 Bilder
Von
Inhaltsverzeichnis

Vor 25 Jahren brachte KTM ein mutiges Modell auf den Markt. Es war eine Supermoto und nannte sich hochtrabend Duke, zu deutsch: Herzog. Sie sollte nicht nur wegweisend für die österreichische Marke sein, sondern trug auch entscheidend dazu bei, dass KTM nach der Insolvenz den märchenhaften Aufstieg zum größten europäischen Motorradhersteller schaffte.

Die Idee der Supermotos entstand in den späten 1980er Jahren in Frankreich. Einige findige Fahrer versahen ihre Motocross-Bikes mit 17 Zoll großen Drahtspeichenfelgen, zogen Slicks auf und schraubten pizzatellergroße Bremsscheiben an das Vorderrad. Die Supermotos konnten damit nicht nur im Gelände fahren, sondern auch höllisch schnell über den Asphalt driften. Die Welle schwappte rasch über Europa hinweg und fiel in Österreich auf fruchtbaren Boden. KTM konnte schließlich schon zahlreiche Motocross- und Enduro-WM-Titel vorweisen, da kam der von Stefan Pierer frisch aus der Insolvenz geführten Marke der Supermoto-Trend gerade recht.

Schon 1992, im Jahr des Neustarts von KTM, begann unter dem Projektnamen „Terminator“ die Entwicklung der Supermoto. Tatsächlich waren schließlich 80 Prozent aller Teile der fertigen Duke identisch mit der Enduro 620 LC4, aber die entscheidenden Unterschiede waren markant. Die Duke war einer der ersten Entwürfe von Gerald Kiska, der bis heute für das Design aller KTM-Modelle verantwortlich ist. Besonders kontrovers wurde damals über die kleine Cockpitverkleidung im „Insekten-Look“ diskutiert, heute gilt sie beinahe schon als Stilikone. Es war das erste Ausrufezeichen von Kiska, der gerne neue Wege im Motorraddesign einschlug und letztendlich dafür sorgte, dass eine KTM immer aus der Masse der Motorräder herausstach.

Nach Geoff Duke benannt

Zwar war KTM nicht der erste Hersteller, der eine Supermoto in Serie baute – die Ehre kommt der Gilera Nordwest von 1991 zuteil –, aber die Duke war ungleich erfolgreicher und die Linie der Einzylinder-Dukes feiert dieses Jahr ihr 25. Jubiläum. Dabei wollte Projektleiter Wolfgang Felber sie eigentlich auf „Quasar“ taufen, doch dann entdeckte Kalman Cseh, ein Mitglied der Geschäftsführung, nur zwei Wochen vor der Präsentation auf der Vorschlagsliste auch den Namen Duke. Da Cseh ein Fan von Geoff Duke war, entschied er sich spontan dafür, das neue Modell nach dem sechsmaligen Motorradweltmeister aus den 1950er Jahren zu benennen. Tatsächlich wurde die Supermoto zunächst von KTM auch als „The Duke“ beworben, so lautete der Spitzname des legendären Rennfahrers. Dass die Duke in deutschen Fachzeitschriften bis heute immer gerne auch als „Herzog“ betitelt wird, beruht also auf einem Missverständnis.

Cockpitverkleidung mit Doppelscheinwerfer

Die 620 Duke hatte im Gegensatz zur Enduro eine 300 Millimeter große Bremsscheibe mit einer Brembo-Bremszange und 17 Zoll großen Felgen mit Pirelli-MT 60-Reifen in der Größe 120/70-17 vorne und 160/60-17 hinten – die Reifendimensionen sind übrigens bis heute an der Duke gleich geblieben. Der Kotflügel befand sich wie bei einem Straßenmotorrad direkt über dem Vorderrad, da die Duke nicht mehr wie die LC4 für den reinen Geländebetrieb vorgesehen war. Dennoch bekam sie ein voll einstellbares Fahrwerk von White Power, wenn auch mit kürzeren Federwegen als an der Enduro.