Abkürzungen gesucht

Aufwand für Testfahrten mit selbstfahrenden Autos vermindern

Mit herkömmlichen Testverfahren würde es praktisch ewig dauern, die Sicherheit eines selbstfahrenden Autos unter Beweis zu stellen. Wissenschaftler in Deutschland suchen daher nach Abkürzungen durch Methoden mit endlichem Aufwand

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Von
  • Daniel AJ Sokolov

Hannover, 25. Juli 2016 – Der Aufwand, mit herkömmlichen Testfahrten die Sicherheit eines selbstfahrenden Autos zu beweisen, wäre gigantisch. 13,2 Milliarden Kilometer sind für Professor Hermann Winner vom Fachgebiet Fahrzeugtechnik der TU Darmstadt ein guter Richtwert, wie er am Mittwoch bei einem Vortrag beim Automated Vehicles Symposium in San Francisco sagte. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern und der deutschen KFZ-Branche sucht er im Rahmen des Projekts Pegasus nach effizienteren Verfahren.

Ziel ist, bis 2019 Testmethoden auszuarbeiten, die valide Testresultate mit endlichem Aufwand ermöglichen. „Wir kennen zwar die Technik, aber nicht das Verhalten der Fahrer und der [Algorithmen]”, sagte Winner. Im Videointerview mit heise online erläutert er, wo die Probleme legen und welche Auswege es gibt.

Unfallberichte alleine reichen nicht

„Wir wissen Bescheid über Unfälle, weil es Unfallberichte gibt, aber nicht über kritische Situationen, die nicht zu einem Unfall geführt haben”, arbeitete der Forscher einen Unterschied zur Luftfahrt heraus, „und auch nichts über unkritische Situationen.” Flugpiloten müssen auch Situationen melden, die gefährlich waren, aber glimpflich ausgegangen sind. Eine vergleichbare Datenbasis im Straßenverkehr wäre schwierig zu erarbeiten. Nicht zuletzt aus Gründen des Datenschutzes.

Während bei Luftfahrzeugen die meisten Berichte hinreichend anonymisiert werden können, wäre das bei Kraftfahrzeugen sehr schwierig. Kommt es beispielsweise bei der Ausfahrt aus einem Privatgrundstück zu einer kritischen Situation, ließe sich ein Bericht relativ leicht auf einen kleinen Personenkreis zurückführen.

Sensordaten sind wichtig, aber nicht alles

Eine Hilfestellung für Sicherheitstests sind Simulationen mit Echtdaten. Dafür sammeln die Entwickler Daten aus vernetzten Fahrzeugflotten, die bereits heute auf den Straßen unterwegs sind. Verschiedene Softwarevarianten können dann mit diesen Daten echte Verkehrserlebnisse nachspielen. Allerdings hat auch diese Methode ihre Grenzen, wie Winner im Interview aufzeigt.

Jedenfalls wird es immer ein Restrisiko geben, hielt Winner fest. Die Realität sei einfach zu komplex. Eines Tages müssten die selbstfahrenden Autos auf die Straße. Dann könnten die Testverfahren unter Beweis gestellt und wohl noch weiter verfeinert werden. (ds)