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Selber machen lassen

Ausprobiert: Reifenmontagemaschine Easytire

Ratgeber

Es existieren einige Modelle mechanischer Reifenmontagemaschinen. Wir sehen uns das beliebte Gerät "EasyTire" an, indem wir einen Satz neue Schlauchlos-Straßenreifen auf die Gussfelgen einer KTM 690 Duke R ziehen

In der Arbeit des Motorradschreibers gibt es häufiger als anderswo den Bedarf, Reifen aufzuziehen. Üblicherweise ging ich dazu in der letzten Zeit hinüber zu den Kollegen bei MO, um deren schöne Fachwerkwerkstatt zu benutzen nebst der Reifenmontagemaschine mit pneumatischem Motor. Nun muss die MO allerdings erstens bald umziehen und zweitens ist es doch schöner, am Sonntag mit Zeit und Muße und einer Tasse Kaffee die Reifen zu wechseln. Also kaufte ich jetzt endlich Christian Woiteks "EasyTire", eine mechanische Reifenmontagemaschine, die in einen Autokofferraum passt.

Gründe für den Kauf

Die Maschine besteht aus einem einfachen Aufbau in sauberer Ausführung. Das war ein Grund, das Teil zu kaufen, denn genau so möchte ich meine Maschinen haben. Das größte Teil im Karton ist ein Rahmen aus Vierkant-Edelstahlrohr, auf dem das Werkstück und die Werkzeuge dann montiert werden. Passende Achsen für die Felgen findet der Hersteller in seiner Datenbank, sonst hilft ein Ausmessen der Achsdurchmesser. Der zweite Grund, warum ich das EasyTire kaufte, liegt in Christians sehr guter Erreichbarkeit. Probleme sind schnell geklärt. Zweifel vorher können auch durchdiskutiert werden. Ich wollte zum Beispiel schon vor Jahren das EasyTire kaufen, gelangte aber damals nach einem Gespräch mit dem Hersteller zum Schluss, dass sich das zu dieser Zeit nicht lohnte.

Anleitung: eindeutig und gut verständlich

Die Montage des Easytire dauert nicht lange. Es werden vom Kunden Gummifüße eingeschraubt, die Enden der Rohre mit Plastikstopfen verschlossen, der Hebelarm und das Aufzieh-Gussplastikstück angeschraubt. Wer das nicht problemlos in kurzer Zeit schafft, sollte sich ernsthaft fragen, warum er eine Reifenmontagemaschine gekauft hat. Die beiliegende Anleitung war jederzeit eindeutig und gut verständlich. Sie erklärt auch den Prozess des Reifenwechsels in derselben Verständlichkeit.

Handkraft statt Muskeln?

Die Arbeit am EasyTire gleicht der an jeder anderen Reifenmontagemaschine. Wer je eine bedient hat, wird also mit diesem Gerät sofort auch ohne Anleitung zurechtkommen. Der Unterschied zu motorisierten Varianten liegt darin, dass Handkraft den Motor ersetzt, was zunächst so klingt, als brauche man ordentlich Muskeln. Ist aber nicht so. Die Anleitung legt nahe, Zeit für das sorgfältige Auftragen von Montagepaste zu investieren. Sie hat recht: Wer das tut, spart erstens so viel Kraft, dass das EasyTire mir weniger kraftintensiv vorkam als die in die Jahre gekommene, motorisierte MO-Maschine und zweitens spart das Einschmieren damit wahrscheinlich letztendlich netto obendrein Zeit. Die Maschine wird ihrem Namen also gerecht. Ich wiege nach letztem Maß nehmen 65 kg und kann den Hebel im Kaffeetassennotfall einhändig bedienen. Wenn irgendetwas unerwartet brutale Kraft braucht, liegt wahrscheinlich ein methodischer Fehler vor oder du hast zu nachlässig geschmiert.


Als Schwierigkeit entdeckt habe ich nur das Aufpumpen. Ich verwende eine gute manuelle Pumpe, die mehr als genug Luftdruck aufbaut für einen Motorradreifen. Ihr Pumpvolumen reicht allerdings selbst im Technotanz-Zappelmodus beim Hinterreifen nicht zuverlässig aus, weil ja immer etwas Nebenluft zwischen Felge und Reifen vorbeigedrückt wird, bevor der Reifen ins Felgenbett ploppt. Wenn die Pumpe da nicht genug Volumen aufbringt, reicht sie nicht zur Montage. Christian Woitek empfiehlt daher eine Pumpe mit Druckspeicher, wie er sie selber verwendet. Solche Pumpen gibt es für 230-V-Anschluss ab etwa 100 Euro. Druckluft in Flaschen funktioniert natürlich auch. In vielen Haushalten gibt es ja z. B. CO2 in Druckflaschen. Dabei unbedingt ein Manometer verwenden! Der hohe Druck der Flasche kann durchaus einen Reifen zerstören.

Kosten

Damit sind wir am springenden Punkt: den Kosten. Das EasyTire mit Wuchteinrichtung, Zubehör ("Starterset") und einer zusätzlichen Achse für 39 Euro kostete 637 Euro. Eine Pumpe muss wie gesagt auch noch her. Es gibt mit dem GP503 noch ein sehr ähnlich aufgebautes Konkurrenzgerät, das fast genauso funktioniert. Beide Geräte werden häufig empfohlen, sie kosten ausstattungsbereinigt auch in etwa dasselbe. Solche Beträge lohnen sich nicht, wenn man dem Reifenhändler umme Ecke Räder geben kann, auf die er für einen Zwanni Reifen aufzieht. Es lohnt sich auch nicht für ein, zwei Sätze Reifen im Jahr. Es gibt aber durchaus auch Privatleute, für die sich so eine Maschine lohnt. Ein Motorradfahrer, der seine GP503 auf dem Balkon betrieb, inspirierte mich überhaupt erst dazu, selber so etwas zu kaufen. Das Selbermachen hat auch einen seelischen, nicht zu unterschätzenden Vorteil: Wenn danach die Felge vermackt ist, bist nur du selber schuld.


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