Als BMW sich locker machte

BMW Z1: Mut zur Bruchlandung

Den BMW Z1 gab es, weil die Marke aus München regelmäßig einen Flop mit Ansage hingelegt hat. Denn wo wären wir, wenn nicht regelmäßig jemand die Buchhalter ignorieren und sich was trauen würde

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BMW Z1 10 Bilder
Von
  • Bernd Kichhahn
Inhaltsverzeichnis

Die Menschen hatten Mut, damals 1989. Was vor allem dazu führte, dass die Welt ein klein wenig lockerer wurde. Die DDR kochte über, vor allem über die Mauer, Michail Gorbatschow lockerte in Russland die Zügel und zu guter Letzt sorgte die Solidarnosc in Polen dafür, dass der Weltpolitik eine ganze Himmelsrichtung abhanden kam. Quasi als Entertainment-Ausgleich, in Wahrheit aber völlig unabhängig davon, schoss Nintendo den ersten Gameboy auf den Markt. Und BMW? Die bewiesen ebenfalls Mut und präsentieren den BMW Z1. Ein Flop mit Ansage.

Danke für die Flops

Das mag despektierlich klingen, wurde aber mit dem höchsten Respekt geschrieben. Denn in einer Branche, die vollständig durchsegmentiert ist, in der die Gleichmachung der Produkte durch Baukästen und Plattformen, als erstrebenswertes Ziel gilt und die Kunden das auch noch feiern, zeugt es von besonderer Chuzpe, einfach regelmäßig mal aus der Hüfte zu schießen. Wohlwissend, dass der Schuss im besten Fall sein Ziel verfehlt, im schlimmsten Fall nach hinten losgeht, auf jeden Fall aber einer in den Ofen ist. Der BMW Z1 ist (zusammen mit M1 und C1) so ein Schuss.

Seinen Anfang nahm die Geschichte 1985. Damals ist die Klasse der kleinen Roadster britischen Zuschnitts ausgestorben. Es gibt den Alfa Romeo Spider. Wer will, der kann noch den Mercedes SL dazu zählen, was an der spaßbefreiten Grundausrichtung des Straßenbildes auch nichts ändert. Bertones tröpfelten nur in homöopathischen Dosen in den Markt und Mazda machte aus dem MX-5 ein Geheimnis, weswegen der (ebenfalls 1989) eher unerwartet um die Ecke bog.

Von dieser Trostlosigkeit gedüngt gründen die Bayern 1985 die „BMW Technik GmbH“. Deren Aufgabe war es, Trends zu setzen. Dafür war niemand geringeres als Ulrich Bez zuständig. Unter ihm lag eine Abteilung, die für Fingerübungen, Versuche, Konzepte und Ideen zuständig sein sollte. Eine, die frei von den Gedanken an massentaugliche Großserientechnik arbeiten durfte. Ein Trabant in der Umlaufbahn des Planeten BMW, auf dem schräge Gedanken und witzige Ideen zu Automobilen gemacht werden durften. Vielleicht sogar, weil in der deutschen Presse der Vorwurf auftauchte, BMW sei nicht mehr unverwechselbar.

Wiederbelebung eines Segments

Erster Auftrag: „Freiheit auf vier Rädern“. Ein Arbeitstitel, der sich vom Werbeslogan der Motorradsparte ableitete. Präziser wurde es nicht mehr, aber die Lösung stand ohnehin schnell fest; ein Roadster mit Mittelmotor sollte es werden. Die Dimensionen ergaben sich von selbst. Denn das Fahrzeug sollte so kompakt wie möglich sein, aber groß genug, um die BMW 3er Technik verwenden zu können – vor allem den 2,5-Liter Reihensechszylinder.

Harm Lagaay, später Designchef bei Porsche, hatte völlig freie Hand. Aus der Schublade holten die Ingenieure auch die Hubtüren, die Jahre zuvor Klaus Gersmann erfunden hatte. Das Endprodukt gefiel dem Vorstand und Bez bekam den Auftrag ein fahrfertiges Auto zu bauen. Als Studie. Als Beweis dafür, was machbar ist. Ganz sicher aber nicht, um es in Serie zu bauen.

Die BMW Technik GmbH war ein kleines Unternehmen. Alle Mitarbeiter kannten sich, die Wege waren kurz, langwierige interne Genehmigungsprozesse gab es nicht. Alle Entwicklungsschritte (Achse, Motor, Innenraum ...) liefen parallel ab. Und so dauerte es gerade einmal 18 Monate, bis am 22. Juli 1986 der erste fahrfertige Prototyp der Presse vorgestellt wurde.

Marketing in eigener Sache

Von da an wird es etwas hektisch. Angeblich begann die Technik GmbH doch von einer Serienproduktion zu träumen, weil das Feedback der Presse so gut gewesen sei. Doch die theoretische Verfügbarkeit einzelner Komponenten wurde schon vorher bei den Zulieferern abgeklopft. Wie erwähnt: die Wege waren kurz, Genehmigungen schnell eingeholt und die Technik GmbH war gedanklich einfach drei Schritte schneller als BMW. Außerdem fuhr Bez von diesem Moment an eine schlaue Öffentlichkeitskampagne.