Blitzmarathon: Unfallforscher für "frühe Sensibilisierung"

Strengere Tempolimits sind nach Auffassung eines Unfallforschers kein wirksames Mittel gegen Raser-Unfälle. Ursache für die allermeisten dieser Unfälle sei die Fahrweise der Autofahrer, die sich durch Tempolimits ohnehin nicht beeindrucken ließen

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  • Florian Pillau

Anlässlich des heutigen "Blitz-Marathons" weisen Unfallforscher darauf hin, dass solche Aktionen nur eine begrenzte Wirkung zeigen. Auch strengere Tempolimits seien kein wirksames Mittel gegen Raser-Unfälle. Ursache für die allermeisten dieser Unfälle sei die Fahrweise der Autofahrer, die sich durch Tempolimits ohnehin nicht beeindrucken ließen und auch ihre Geschwindigkeiten nicht den aktuellen Straßenverhältnissen anpassten, sagt der Greifswalder Unfallforscher und Unfallchirurg Denis Gümbel.

Nichtangepasste Geschwindigkeit, also beispielsweise auch in der Nacht, ist die häufigste Todesursache im Straßenverkehr.

(Bild: ACE)

Gümbel erinnert daran, dass überhöhte Geschwindigkeit die häufigste Todesursache im Straßenverkehr ist: "Rund 37 Prozent der bundesweit 3600 Verkehrstoten im Jahr 2012 gehen auf das Rasen zurück. Auf den Autobahnen ist jeder zweite Tote auf zu schnelles Fahren zurückzuführen. Auch rund 30 bis 40 Prozent der 70.000 Schwerverletzten im Straßenverkehr waren zu schnell unterwegs."

Rasen ist Ursache Nr. 1 bei Verkehrsunfällen mit Toten. Fehlende Tempolimits seien daran nicht Schuld, sagt der Unfallforscher Denis Gümbel.

(Bild: ACE)

Als Unfallchirurg kennt Gümbel die Folgen solcher Unfälle aus eigener Anschauung. Er sagt: "Es sind vor allem schwerste Verletzungen des Brustkorbes und der Bauchorgane, die in den drei Aufprallphasen bei einem Unfall entstehen. Dazu kommen jegliche Arten von Frakturen, Knochenbrüche der unteren Extremitäten, zum Teil mehrfach, beispielsweise wenn die Beine beim Aufprall an das Armaturenbrett schlagen. Wenn der Autofahrer den Unfall überlebt, sind die Heilungsprozesse meist langwierig und mit sehr großen und langen Einschränkungen für die Patienten verbunden."

Die Sensibilisierung für die Gefahren zu schnellen Fahrens müsse bereits im Jugendalter beginnen, sagte Gümbel. Mit einem Netz an Radarfallen nimmt die Polizei heute (Donnerstag) bundesweit 24 Stunden und in Bayern gleich für eine ganze Woche Temposünder ins Visier.

(mit Material der dpa)