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Citroën GS: Als die Göttin herabstieg

Was tun, wenn der Kunde frech wird. Wenn er nach Demokratisierung, Leistung und Komfort ruft, aber trotzdem auf das Preisschild schaut? Dann muss der Hersteller tief in die Trickkiste greifen, entwickeln, verwerfen, wieder von vorne anfangen. Das taten Helden in Frankreich. Heraus kam der Citroën GS

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  • Bernd Kirchhahn
Inhaltsverzeichnis

Ruhm und Ehre, das wäre doch mal was. Ein Star sein. Weiberbehangen, goldgeschmückt. Ein jeder Meter eine Parade, so rostbefallen kannst du gar nicht sein. Wer fällt einem da ein?

Der Jaguar E-Type. Einfach.
Die Citroën DS. Eh klar.
Aston Martin DB5. Der Bond-Mythos.

Herausragende Autos, gewidmet der Fahrfreude und dem Komfort. Aber mal ehrlich: Ist es nicht leicht ein schnelles und bequemes Auto zu bauen, wenn Geld keine Rolle spielt? Der Hersteller kann die besten Teile und Ingenieure verwenden, wenn der Kunde ohnehin nicht auf das Preisschild schaut.

Aber was, wenn der Kunde frech wird. Wenn er nach Demokratisierung, Leistung und Komfort ruft, aber eben trotzdem auf das Preisschild schaut? Dann muss der Hersteller tief in die Trickkiste greifen. Muss denken, entwickeln, verwerfen, wieder von vorne anfangen. Das taten Helden in Frankreich. Heraus kam der Citroën GS.

Diesem Auto widmen wir uns aus zwei Gründen. Zum einen hat uns ein Leser darum gebeten, zum anderen, und das war auch die Motivation des Lesers, geht der Citroën GS, wie auch schon der Ami 6, im Schatten seiner weltberühmten Markenbrüder unter.

So ähnlich wie
„Ein ganzer Kerl“ ein unfassbar gutes Buch ist, aber neben „Fegefeuer der Eitelkeiten“ oft ignoriert wird.
Oder „Straße der Wunder“ neben „Gottes Werk und Teufels Beitrag“
Oder „Die Straße der Ölsardinen“ neben „Früchte des Zorns.“
Notiz: Mehr amerikanische Literatur lesen.

Der Citroën GS war ein Auto, das genau genommen keiner kommen gesehen hat, bis es zum Auto des Jahres 1971 gekürt wurde. Eigentlich aus dem Nichts, ganz uneigentlich aber durchaus mit Anlauf und Ankündigung. Denn bei Citroën haben sie sich jede Mühe gegeben, den Weltruhm, den sie mit dem 2CV finanziert und mit der DS etabliert hatten, weiter auszubauen.

Keiner anderen Marke war es zu diesem Zeitpunkt zuzutrauen, derart viel Entwicklungsarbeit, Raffinesse und Aufwand in ein Auto der Ein-Liter-Klasse zu investieren. Die Überlegenheit des Citroën GS beruhte dabei auf drei Säulen. Motor, Karosserie und Fahrwerk.

Ebenso fesch wie zielgerichtet

Am auffälligsten war natürlich die Karosserie. Seit der DS wusste Citroën wie das geht mit dem Spritsparen durch Aerodynamik. Wie Autos auffällig gezeichnet werden konnten, ohne dabei lächerlich zu wirken. Wie die Außenhülle bereits transportieren kann, dass sich unter dem Blechkleid erstaunliche Detaillösungen verbergen. Eine Hülle, ebenso fesch wie zielgerichtet. Mit frappanter Ähnlichkeit mit dem Pininfarina 1800 von 1964.