Die Ducati Monster 1200 gegen ihre Konkurrenten

Das Monster rotzt

Ducatis neue Monster mit dem großen Testastretta-Motor ist ein starker Roadster. Doch die Konkurrenz ist dieses Jahr extrem stark: Die neue Super Duke und BMWs Vierzylinder-Naked S 1000 R legen die Latte hoch

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  • Clemens Gleich
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Stuttgart, 22. Mai 2014 – 2014 ist ein gutes Jahr für Freunde großherziger Landstraßen-Roadster. KTM hat mit der neuen Super Duke die Messlatte gelegt, BMW konterte das mit der erstaunlich guten S 1000 R und Ducati setzt auf dieselbe Zielkundschaft eine neue, wassergekühlte Monster mit dem Testastretta-Motor an, die so wild sein soll, dass sie auch Ducatis Streetfighter ersetzt. Sagen wir es so: Wenn diese drei auf der Landstraße vorbeigezogen sind, kommt lange, lange nichts mehr.

Ich liebe die Italiener, aber ich verstehe auch jeden, dem italienischer Fahrzeugbau zu anstrengend ist. Der Texterkollege Axel Bergander fasste es einmal so zusammen: Morgens legt der Ducati-Ingenieur voll Leidenschaft und Espresso im Blut los, konstruiert einen genialen Motor, schweißt einen herrlichen Rahmen. Mittags gibt es einen Grappa und gegen vier hat jemand gemerkt, dass an diese neue 1200er ja noch eine Wasserpumpe dran muss. Spaxen wir sie halt noch schnell hin wie einen China-Sturzbügel! Eine schöne Seite pro Motorrad reicht doch.

Diese Mischung aus inspirierend schöner Arbeit und kruder Pfuscherei müssen Ducatisti in alle Details ertragen. Die Soziussitzabdeckung wackelt wie die zu große Base-Cap eines 13-Jährigen. Die Rückspiegel stecken auf wunderschönen Industriekunst-Trägern aus aufgerautem, gunmetal-grau anodisiertem Gussalu. Die herrliche Auspuffführung kann jeder sehen, aber einen Leerlauf hat bisher noch niemand in diesem knorrigen Sechsgang-Getriebe gefunden.

Sei wie der Testfahrer!

Die Monster 1200 bleibt bei einer weiteren nervigen Eigenart aller Ducati-Roadster: Entweder du setzt dich so drauf wie Ducatis Naked-Testfahrer, oder du hast ganz einfach Pech gehabt. Wer zum Beispiel seine Ballen auf die Rasten stellen möchte (was viele Fahrer vor allem in kurvigen Teilstücken tatsächlich gern tun), der muss O-beinig fahren, weil es hinter den Rasten keinen Platz für Fersen gibt. Selbst wer wie der Testfahrer die Raste am Stiefelabsatz einhakt, ist noch nicht im Trockenen, denn er darf auch keine bedeutend größeren Füße haben als dieser kleine Italiener, sonst schleifen sie in Kurven am Boden. Bei jeder neuen Naked-Generation beschweren sich großfüßige Deutsche darüber, und bei jeder neuen Generation ist das Bologna piepegal. Ach, Ducati ...