Was Ihr Auto über Sie weiß – und Sie nicht

Daten unter der Haube

Wichtige Fehlermeldungen im Auto werden gespeichert. Sie dienen etwa der Unfallrekonstruktion oder helfen bei der Fehlerdiagnose. Einige dieser Daten lassen sich durchaus gegen den Kunden verwenden.

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Hannover, 31. Mai 2010 – Das moderne Auto fährt die Datenverarbeitungsleistung früherer Großrechenanlagen spazieren und produziert im Betrieb ähnlich viele Fehlermeldungen, deren wichtige werden aufbewahrt. Einige dieser Fehlerprotokolle sind dem Gesetzgeber und den Abgasnormen geschuldet, einige helfen bei der Fehlerdiagnose, andere scheinbar überflüssige Daten sammelt das Auto für Plausibilitätstests. Einige dieser Daten kann eine Werkstatt oder ein Hersteller durchaus gegen den Kunden verwenden. Autofahren und Autobesitz werden auf diese Weise ein Fall für den Datenschutz.

Wen interessieren Daten im Auto? Löschen Sie etwa alle angefahrenen Ziele aus dem Navi und alle privaten Handy-Nummern aus der Freisprechanlage, wenn Sie Ihr Auto verkaufen? Ach, das tun Sie denn doch. Aber wie ist das denn: Speichert Ihr Navi auch alle gefahrenen Strecken? Und wenn ja, kommen Sie oder Familienmitglieder da ran? Ganz andere Frage: Der supergünstige Gebrauchte, den Sie gerade gekauft haben – ist eigentlich belegt, dass der in fünf Jahren nur 22.000 km runter hat? Oder wurde der Tacho zurückgedreht?

In Ihrem Auto werden sehr viele Daten erfasst – und nur sehr wenige sind Ihnen als Fahrer zugänglich. Darum wird es im Folgenden gehen. Schon anhand der schieren Menge der zum Betrieb erhobenen Daten gelingt es Experten – ganz ohne Fahrtenschreiber-Blackbox – mittlerweile recht genau, einen Sachverhalt aus Fehlerspeichern zu rekonstruieren.

Als beispielsweise der österreichische Politiker Jörg Haider in seinem VW Phaeton tödlich verunglückte, ergab die Auswertung bei VW, dass die ESP-Sensorik einen Fehler geworfen hatte, als der Wagen abhob und die Raddrehzahlen zueinander unplausibel wurden. Dann lösten die Airbags aus, was ebenfalls immer notiert wird. Bei Fehlern notieren Fahrzeuge heute stets das Maximum der verfügbaren Daten: Drehzahl, Zeit/Datum, Temperaturen, Drücke, Geschwindigkeit et cetera. Insgesamt konnte VW so aus den Datenprotokollen der vielen Steuergeräte des Phaeton die letzte halbe Minute des Wagens rekonstruieren und da­mit der Polizei recht klare Indizien für deren Untersuchung geben.

Datensammeln per Gesetz …

Tatsächlich besteht der Gesetzgeber auf ein gewisses Maß an interner Protokollierung, namentlich für die Emissionsgrenzwerte. Die aktuellen Euro-Normen verlangen, dass bei einem Überschreiten gemessener Grenzwerte das Motorsteuergerät einen kompletten Datensatz mit den eben genannten Parametern speichert und über den standardisierten OBD-Anschluss (OBD steht für On Board Diagnose) des Fahrzeugs zugänglich macht.