Schiffbruch mit Tiger

Der Kreiskolben-Flitzer Mazda RX-7

Keiner hatte Mazda gesagt, dass der Wankelmotor nichts kann. Deswegen bauen die mit dem RX-7 einen Sportwagen für die Ewigkeit und gewinnen mit einem Kreiskolben-Flitzer auch noch Le Mans

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  • Bernd Kirchhahn
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Keiner hatte Mazda gesagt, dass der Wankelmotor nichts kann. Deswegen bauen die mit dem RX-7 einen Sportwagen für die Ewigkeit und gewinnen mit einem Kreiskolben-Flitzer auch noch Le Mans.

Wien, 18. Oktober 2016 – Es erfordert Mut, die nährenden, sicheren Küsten des Bekannten zu verlassen und sich in neue aber gefährliche Gewässer zu begeben. Noch dazu, wenn das gewählte Boot bereits bewiesen hat, dass es nicht seetüchtig ist. Mazda gehörte zu diesen Mutigen. Als die Marke 1973 auf dem deutschen Markt Fuß fasste, taten dies die Japaner unter anderem im Zeichen des Wankelmotors. Nach dem – sind wir ehrlich – endgültigen Ende dieses Konzepts stehen der Mazda RX-7 und ein Le Mans-Sieg auf der Habenseite.

Felix Wankel hatte die bessere Idee

Der Wankelmotor war eine gute Idee. Sein Erfinder, Felix Wankel, wollte damit gegen die „Schüttelhuber“ vorgehen, wie er die konventionellen Verbrenner nannte. Deren Grundidee sei einfach Unfug: durch eine Explosion Oszillation gewinnen und daraus Rotation machen. Wer ein Auto so antreibe, müsse sich nicht wundern, wenn das Auto in alle Richtungen wackelt.

Und tatsächlich gelang Wankel ein enormer Erfolg. Kein Testfahrer, der die ausgeprägte Laufruhe seines Motors nicht lobte, kein Kunde, der sich nicht begeistert zeigte vom neuen Luxus. Auf anderen Gebieten zeigte sich das Aggregat nicht ganz so fortschrittlich. Die Motoren waren extrem anfällig für alle möglichen Defekte und verbrauchten deutlich mehr Benzin als ihre konventionellen Kollegen.

Die NSU Motorenwerke setzten dennoch 1967 auf die neue Technologie und machten alles falsch, was man nur falsch machen konnte. Der Ro80 sollte die Firma retten, tat aber genau das Gegenteil und riss die Wankeltechnologie gleich mit in den Abgrund. Es spielte keine Rolle, dass es sich bei der ersten Welle an Defekten lediglich um einen Verarbeitungsfehler und bei der zweiten um einen Anwenderfehler handelte (viele Kunden füllten kein Öl nach), der Ruf des Wankelmotors war nachhaltig beschädigt. Die Ölkrise 1973 war auch wenig hilfreich.

Versuch und Irrtum

Zu diesem Zeitpunkt hatte Mazda die Fertigungslizenzen aber bereits erworben und fleißig eigene Erfahrungen gesammelt. 1967 hatten sie den 110S Cosmo auf den Markt gebracht (noch vor dem NSU Ro80), 1968 den R100 und 1971 schließlich den RX2. Der Erfolg blieb aus. Und das so nachhaltig, dass Pressemeldungen neueren Datums überhaupt nur noch den RX-2 anführen.