Der Saab 92: Schwedens Urmeter

Carlssons Dach

Ein Chefingenieur, ein Designer, 16 Mitarbeiter. In Summe: zwei Führerscheine und null Erfahrung mit dem Autobau. Das Ergebnis: der Saab 92. Er gab eine Linie vor, der die Schweden über Jahrzehnte treu blieben

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Ein Chefingenieur, ein Designer, 16 Mitarbeiter. In Summe: zwei Führerscheine und null Erfahrung mit dem Autobau. Das Ergebnis: der Saab 92. Er gab eine Linie vor, der die Schweden über Jahrzehnte treu blieben

Von
  • Bernd Kirchhahn
Inhaltsverzeichnis

München, 6. April 2016 – Es war kein gutes Jahr, dieses Jahr 1949. Hüben wurde die BRD gegründet, drüben die DDR. Beides nutzte die Weltpolitik zum Zündeln, was so kurz nach einem Weltkrieg den Verdacht nahe legte, alle Politiker seien mit pre-senilem Altersstarrsinn oder Hirnparasiten gestraft. Dazu schlugen Goldy und Peter De Vries Deutschland „Von den blauen Bergen kommen wir“ um die Ohren. Keine einfache Zeit. Doch es war eben auch das Jahr, in dem die Welt anfing, sich aus der Schockstarre zu lösen. So kam in diesem Jahr unter anderem der stilprägende und sinnstiftende Saab 92 auf den Markt.

Vorgedacht

Aber von vorne. Der Krieg war vorbei und die Fabriken machten sich daran, ein Wirtschaftswunder aus dem Boden zu stampfen. Was natürlich einiges an Improvisation erforderte. So begann BMW beispielsweise damit, neben Motorrädern und den Vorkriegsmodellen auch Kochtöpfe zu produzieren. Auch in anderen Ländern setzten drastische Umdenkprozesse ein. In Schweden hatte dies eine Firma besonders nötig. Die Svenska Aeroplan Aktie Bolaget (SAAB) verdankte ihren Erfolg den Aufträgen der schwedischen Luftwaffe. Das Unternehmen hatte vorgesorgt und schon während des Krieges an Ideen gearbeitet, wie es weiter gehen könnte, sobald Frieden herrsche. Einbauküchen? Motorräder? Fertighäuser? Autos? Alles wurde angedacht.

Nach dem Krieg holte Gunnar Ljungström, seines Zeichens Chefingenieur der Firma, die Pläne aus der Schublade und machte sich 1945 daran, ein kleines, robustes Auto zu entwickeln. Die kamen vor dem Krieg in Schweden gut an, die sollten auch nach dem großen Unglück wieder für Mobilität sorgen. Zum einen. Zum anderen gab es auf diesem Gebiet keine Konkurrenz. Schließlich konzentrierte sich Volvo auf Kunden, die sich eine Mittelklasse oder Besseres leisten konnten. Was in dieser Zeit ein Zeichen für betriebswirtschaftliche Chuzpe war.

Teile vom Schrott

Saab sollte bodenständig und schwedisch sein. Das Ergebnis war der 92001 – ein Prototyp, der vor allem bewies, dass Schweden mit Mangel umgehen konnten. Es wurden fast ausschließlich Teile vom Schrottplatz verwendet, die Karosserie wurde per Hammer in Form geschlagen. Um ausreichend Federung zu bekommen standen die stützenden Holzbalken in Pferdemist. Die Information, woher der DKW-Zweitaktmotor kam, ging im Lauf der Geschichte verloren. Doch das Konzept funktionierte. 1947 war der erste Prototyp fertig und bestand die Testfahrten im schwedischen Wald. Das Problem war, dass der Wagen vor allem eines signalisierte: meine Macher waren Flugzeugbauer.