Elektroverteiler

Deutsche Mobility-Start-ups: E-Wald

E-Wald ist ein Carsharing-Anbieter, der sich auf Elektrofahrzeuge im ländlichen Raum spezialisiert hat. Und in die Nische zu gehen, hat sich gelohnt. Zumindest für E-Wald

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Vielleicht versteckt sich der größte Denkfehler schon in der Grundannahme, dass es die Städter sind, die das Klima retten und die Mobilität revolutionieren würden. Warum sollten Sie? Das Mobilitätsangebot in der Stadt ist auch ohne zusätzliche Apps riesig. Und war es vor fünf oder zehn Jahren schon.

Auf dem Land, so die Stammtisch-Annahme, fährt ohnehin jeder Anwohner Auto, deswegen hat auch jeder eines. Jetzt und in Ewigkeit. Deswegen gibt es fast keine Carsharing-Unternehmen. Aber eben nur „fast“. Es gibt E-Wald. Eine Firma aus Teisnach im Kreis Regen (25 Minuten nördlich von Deggendorf).

Mobilitätswende nur in den Städten?

Dabei handelt es sich um einen Anbieter, der sich auf Elektrofahrzeuge spezialisiert hat. Preislich geht es beim Smart EQ los, der kostet 4,99 Euro die Stunde (29 Euro pro Tag). Wer mehr Platz braucht, der muss dafür zahlen, einen Nissan eNV200 gibt es für 9,99 Euro pro Stunde (63 Euro am Tag). Außerdem dabei: Renault Zoe (6,99 Euro pro Stunde), BMW i3 (9,99 Euro pro Stunde) und Nissan Leaf (7,99 Euro pro Stunde).

Die Nutzung auf dem Land unterscheidet sich von der Nutzung in der Stadt deutlich. So war ein BMW i3 mit nur einem Nutzer über das Wochenende 732 Kilometer unterwegs, eine Renault Zoe brachte es auf 685 Kilometer über zwei Tage.

Weil das Unternehmen mit Flinkster kooperiert, haben E-Wald Kunden bundesweit Zugriff auf 6500 Fahrzeuge. Strom gibt es gratis an einem von 1048 Ladepunkten. Das alles ist freilich nicht vom Himmel gefallen. Die Firma entstand im Rahmen eines Projektes an der Technischen Hochschule Deggendorf. Nach der Firmengründung 2012 gab es 15 Millionen Euro an Fördergeldern vom Wirtschaftsministerium (bis 2016).

Aber weil der Bedarf auf dem Land eben doch ein anderer ist, gibt es bei E-Wald auch noch Flottenmanagement, Infrastruktur-Angebote, Langzeitmiete und individuelle Lösungen, wie werbefinanziertes Carsharing oder Elektroautos für Studenten.

Ein Konzept, das E-Wald so attraktiv gemacht, dass die Firma jüngst von Statkraft übernommen wurde. Ein Energieunternehmen aus Norwegen, das es sich auf die Fahnen geschrieben hat, ein Big-Player im E-Mobilitätsgeschäft zu werden. Dazu gehört eben auch, die gesamte Wertschöpfungskette zu kontrollieren. Wie viel Geld floss, bleibt ein Geheimnis.

Vor Ort ziehen die Bürgermeister eine gemischte Bilanz. Das Netz an Ladesäulen sei enorm dicht, genutzt würden die E-Tankstellen aber kaum. Zu wenige Autos würde es geben, die Nachfrage sei zu gering. Es ist die ewige E-Auto-Debatte. Die einen sagen, Elektroautos könnten sich erst durchsetzen, wenn es genug Ladestationen gibt. In Teisnach ist das der Fall, allerdings mangelt es an Elektroautos, die nicht von E-Wald sind.

Interview mit Herr Otto Loserth (E-WALD Geschäftsführer)

Wer ist Ihre Kundschaft?
E-WALD ist ein Systemdienstleister für Elektromobilität, das heißt, dass wir ein breites Kundenportfolio bedienen. Im B2B Geschäft sind wir aufgrund unserer Historie vor allem mit kommunalen Gebietskörperschaften, Energieversorgern und Wohnbaugenossenschaften stark verzahnt. Auf der Endkundenseite zählen im Bereich eCarsharing vor allem Studenten, Berufspendler und (Ex-)Besitzer von Zweitwägen im Vordergrund. Für den Sektor Ladeinfrastruktur ist jeder E-Mobilist, der an unseren Ladestationen nachladen will unser Kunde.

Wer sind Ihre Konkurrenten und was haben Sie denen voraus?
Wir haben den Vorteil, sowohl die Fahrzeug- als auch die Infrastrukturseite abzudecken und unseren Kunden von der Planung eines Ladestandorts bis zur Inbetriebnahme und der Ausstattung mit E-Fahrzeugen, die in Mobilitätskonzepten eingesetzt werden, zur Seite zu stehen. Dieses Komplettsystem macht uns ziemlich einzigartig auf dem Markt, da wir zudem nicht herstellergebunden agieren müssen und somit bei den eingesetzten Produkten auf die Bedürfnisse der Endkunden eingehen können. Da wir im ganzen Bundesgebiet agieren können wir Ort die Gegebenheiten analysieren und regionale Wertschöpfungsketten generieren.

Welche konkreten und praktischen Vorteile haben Ihre Kunden durch Ihr Produkt?
Im Bereich eCarsharing haben wir das „Bürgerauto“ entwickelt, bei dem vor allem Kommunen Wohnungs(bau)gesellschaften und Liegenschaftsverwaltungen E-Fahrzeuge als Dienstfahrzeuge einsetzen und in buchungsfreien Zeiten diesen Fuhrpark an die breite Bevölkerung und Touristen, ihre Mieter oder Anlieger freigeben. Das spart zum einen Kosten und bietet zum anderen eine echte Möglichkeit um die Energie- und Verkehrswende aktiv mitzugestalten. Zudem wird das ÖPNV-Angebot vor Ort dadurch ergänzt und eine Alternative zum Zweitwagen geschaffen. Im Bereich Ladeinfrastruktur haben wir uns auf eichrechtskonforme Ladestationen spezialisiert, die über aktives Lastmanagement verfügen und dabei helfen Lastspitzen zu verhindern und dadurch Geld zu sparen. Wir setzen dabei ausschließlich auf Ökostrom und günstige Tarife an unseren Ladern.

Wie weit sind Sie mit der Verwirklichung und wo stehen Sie in fünf Jahren?
Unser Konzept ist so erfolgreich, dass wir seit August 2019 zu Statkraft, Europas größter Erzeuger erneuerbarer Energie, gehören. Damit konnten wir den Weg vom projektbezogenen Startup aus Niederbayern zu einem internationalen Ladestationsbetreiber gehen. Wir planen, unser Angebot auf mehrere Länder auszuweiten und in fünf Jahren führender Anbieter für öffentliche Ladeinfrastruktur und eCarsharing bleiben.

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(Bernd Kirchhahn) / (fpi)