Reicher Onkel

Deutsche Mobility-Start-ups: Getaround (ehem. Drivy)

Getaround ist kein deutsches Startup. Naja, doch, zumindest ein bisschen. Es ist der reiche Onkel im Carsharing-Business.

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Genau genommen ist Getaround kein deutsches Startup. Eigentlich überhaupt nicht. Das Unternehmen kommt aus San Francisco. Allerdings hat Getaround im Frühjahr 2019 Drivy übernommen. 300 Millionen Dollar haben die Amerikaner für den französischen Carsharing-Anbieter ausgegeben. Drivy seinerseits hat bereits im Jahr 2015 – und jetzt kommt der deutsche Einfluss – den deutschen Anbieter Autonetzer geschluckt. Damals hatten die Franzosen gerade 60 Millionen Euro Risikokapital gesammelt und waren auf Wachstumskurs.

Autonetzer heißt jetzt Drivy, heißt jetzt Getaround

Oder kurz: Autonetzer heißt jetzt Drivy, heißt jetzt Getaround. Die App bündelt 70.000 Autos und fünf Millionen Nutzer in insgesamt 300 Städten. Was das Unternehmen zum weltweit größten Anbieter dieser Art macht.

Und für Deutschland und Österreich ist auch ein bekanntes Gesicht der Mobility-Startup-Szene verantwortlich. David Shakory. Der hat vorher bei Moia gearbeitet und war unter anderem für die Auswahl der Städte und den Aufbau eines Stakeholder-Netzwerkes verantwortlich.

Bei Getaround funktioniert alles genauso wie bei Getaway. Vermieter kriegen eine Telematikbox ins Auto, wer eines nutzen möchte, der braucht die App und kann so das Fahrzeug seiner Wahl öffnen, starten und wieder schließen. Einziger Unterschied: Die Partner von Getaround heißen Allianz und ADAC (Getaway hat die Gothaer Versicherung und Aral mit im Boot). Ob der Markt groß genug für zwei Anbieter ist, wird die Zeit zeigen. Ansonsten könnte es auch ein Geschäftskonzept sein, Carsharing-Firmen an Getaround zu verkaufen.

Analysten sagen Carsharing eine goldene Zukunft voraus

Gutes Stichwort. Getaround gibt es seit 2009 (Drivy und Autonetzer gründeten sich 2010, Getaway gibt es seit 2015). Das Unternehmen war innerhalb kürzester Zeit in 140 Städten der USA vertreten, weil Softbank und Menlo Ventures gleich zu Beginn 367 Millionen Euro bereitstellten. Softbank dürfte bekannt sein – Uber, WeWork und Wirecard sind deren prominenteste Venture-Capital-Nehmer.

Doch wir wollen nicht so gehässig sein. Mit Getaround könnte Softbank ein weiterer großer Wurf gelungen sein. Quasi alle Analysten sagen dem Carsharing eine goldene Zukunft voraus. Selbst die Deutschen, die in vielen Beziehungen ein sehr spezielles Verhältnis zu ihrem Auto pflegen, hieven Carsharing gerade von der Nische in den Massenmarkt. In den letzten zehn Jahren wuchs die die Zahl der hiesigen Carsharing-Nutzer von 137.000 auf 2,5 Millionen.

Weil aber, zumindest laut Bundesverband Carsharing, nur drei Prozent aller Bundesbürger über 16 Jahre überhaupt Zugriff auf Carsharing-Angebote haben, eben in ausgesuchten Gebieten von Ballungsräumen, gibt es Gebiete, in denen Carsharing bereits Alltag ist. So beteiligen sich in Hamburg und Berlin rund 20 Prozent der über 16-Jährigen an dieser Geschäftsidee.

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(Bernd Kirchhahn) / (fpi)