Ist das Tesla Model S ein Schönwetterauto? Ein winterlicher Alltagspraxistest

Der Stromschnellste

Was kann das batterieelektrische Auto aus Kalifornien außer sehr schnell fahren? Wie praxistauglich ist es im Alltag eines Dezembers in Deutschland? Und wie groß ist die Reichweite denn nun im Realbetrieb?

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
Druckansicht Kommentare lesen 108 Beiträge
20 Bilder
Von
Inhaltsverzeichnis

Hamburg, 10. Dezember 2013 – Reißen Sie sich bitte zusammen, falls Sie ein Tesla Model S zwischen die Finger kriegen! Bei Vollstrom machen sich 306 kW (416 PS) mit ansatzloser Gewalt über die Hinterräder her und katapultieren den Zweitonner nach vorne. Den Mitfahrern, die das zum ersten Mal erleben, bleibt kurz die Luft weg, bevor ihnen ein „Boah“ oder ein „Was ist das denn?“ entfährt.

Die Werksangabe von 4,4 Sekunden für den Standardsprint gibt die Realität nur unvollkommen wieder: Bei jeder Geschwindigkeit ist die volle Leistung des Elektromotors sofort vorhanden. „Instant torque“ nennen es die Briten, wenn nicht auf das Atemholen eines Turboladers, das Runterschalten eines Getriebes oder das Hochdrehen einer Verbrennungsmaschine gewartet werden muss. Das Tesla Model S begeistert durch die spontane pure Kraft, es springt nach vorne und zoomt sich durch den Verkehr. Elon Musk, der Gründer von Tesla Motors, hat mit seinem Team einen Gamechanger geschaffen – ein Fahrzeug, das selbst die härtesten Skeptiker der Elektromobilität begeistert.

Aber was kann das batterieelektrische Auto aus Kalifornien außer sehr schnell sein? Wie praxistauglich ist es im Alltag eines Dezembers in Deutschland? Und wie groß ist die Reichweite denn nun im Realbetrieb?

Um diese Fragen, die eigentlich einen Dauertest erfordern, wenigstens im Ansatz zu klären, machten wir uns zu einer zweitägigen Testfahrt auf. Die Strecke führte vom Startpunkt in Hamburg-Langenhorn quer durch die Hansestadt über die Autobahnen A255 und A39 bis Lüneburg und weiter über die Bundesstraße B4 nach Braunschweig. Am nächsten Morgen ging es weiter in die Hannoveraner Innenstadt, um dort mit maximal geladener Batterie über die Autobahn A7 zurück zum Ausgangspunkt zu fahren. Dabei wurden insgesamt 591 Kilometer zurückgelegt, auf denen 153,2 Kilowattstunden Strom verbraucht wurden. Den niedrigen Außentemperaturen von null bis sieben Grad zum Trotz lag der Durchschnitt mit 25,9 Kilowattstunden pro 100 Kilometer exakt gleichauf mit einem im Mai in milderer Luft ermittelten Wert.

Einfachheit der Bedienung und Mühelosigkeit des Fahrens

Bei der ersten Annäherung an das Tesla Model S fällt auf, wie gut Designer Franz von Holzhausen es geschafft hat, die üppige Größe von 4,97 Meter Länge und 2,19 Meter Breite inklusive Spiegel zu kaschieren. Geduckt und elegant steht das Auto da, und die Formensprache liegt näher an einem Aston Martin Rapide als an einem Audi S7. Wenn die Distanz zwischen Fahrer und Fahrzeug klein genug ist, fahren die Türgriffe automatisch aus. Ein schlüsselloser Zugang ist heute keine Besonderheit mehr, sehr wohl aber das Startprozedere: es gibt keinen Knopf mehr dafür. Den Fuß auf die Bremse stellen genügt, um das Auto fahrbereit zu machen, jetzt den Wahlhebel auf D legen, und los geht es. Dass kein anderer Hersteller auf diese Vereinfachung gekommen ist, bleibt rätselhaft. Auch das Fahrtende ist simpler als üblich. Wenn der Wahlhebel auf P steht und der Türöffner gezogen wird, schaltet das Model S sich aus. Und nachdem man sich ein paar Meter entfernt hat, verriegelt sich das Auto.