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Diesel-Nachrüstung: SPD für Kostenbeteiligung der Hersteller

Kurzmeldungen
Adblue-Zapfsäule

(Bild: Total Deutschland GmbH )

Die SPD dringt auf Nachbesserungen an Motoren älterer Diesel für sauberere Luft in deutschen Städten mit Kostenbeteiligung der Autohersteller. „Wer allgemeine Fahrverbote für Dieselfahrzeuge verhindern will, der kommt an der technischen Umrüstung nicht vorbei“, sagte SPD-Faktionsvize Bartol

Adblue-Zapfsäule
Adblue-Zapfsäulen sind inzwischen weit verbreitet.
(Bild: Total Deutschland GmbH )

Die SPD dringt auf Nachbesserungen an Motoren älterer Diesel für sauberere Luft in deutschen Städten mit Kostenbeteiligung der Autohersteller. „Wer allgemeine Fahrverbote für Dieselfahrzeuge verhindern will, der kommt an der technischen Umrüstung nicht vorbei“, sagte SPD-Faktionsvize Sören Bartol am Freitag (16. Februar 2018). Viele Besitzer älterer Autos hätten nicht das Geld für einen Neuwagen. „Wer glaubt, dass die Industrie sich bei der Übernahme der Kosten für die Umrüstung komplett in die Büsche schlagen kann, ist auf dem Holzweg“, sagte Bartol. „Die Finanzierung darf nicht allein beim Steuerzahler und Verbraucher hängen bleiben.“

In ihrem Koalitionsvertrag haben SPD und Union vereinbart, solche Umrüstungen „direkt an den Motoren – soweit technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar – zu prüfen“. Die Motoren bleiben dabei natürlich unverändert, vielmehr wird die Abgasnachbehandlung aufgerüstet. Im Falle eines Euro-5-Dieselmotors sind dabei zwei Wege denkbar, nämlich die Nachrüstung eines Speicher- oder eines SCR-Kats.

Der Speicherkat ist die etwas weniger teure Lösung und würde, bei entsprechender Dimensionierung, schon einen deutlichen Fortschritt bei der NOx-Reduzierung bedeuten. Deutlich aufwendiger – und teurer – wäre die Nachrüstung eines SCR-Kats, für den eine Harnstoff-Einspritzung (Adblue) nötig ist. Dafür hat sich letzteres als unter realen Bedingungen meist wirkungsvolleres System erwiesen. Der Speicherkat muss nicht zwangsläufig die schlechtere Lösung sein, zumal er schon bei geringeren Temperaturen als der SCR-Kat wirksam ist. Er muss aber ausreichend dimensioniert sein. Der Vorteil des SCR-Kats ist seine Flexibilität: Bei einem höheren NOx-Eintrag im Rohabgas kann, so der Hersteller dies so festlegt, mehr Adblue eingespritzt werden, um am Ende weniger NOx im Abgas zu haben.

Die von den Herstellern vorgeschlagenen Updates für Euro-5-Diesel bedeuten im Wesentlichen, dass die Abgasrückführrate (AGR-Rate) erhöht wird. Dabei wird mehr Abgas zurück in den Ansaugtrakt geführt als ursprünglich geplant. In Folge wird die Verbrennung etwas schlechter, die Temperatur im Brennraum geht etwas zurück, weniger Stickoxid entsteht. Doch die Hersteller haben die AGR-Rate nicht ohne Grund so und nicht anders festgelegt. Bei einer Erhöhung der rückgeführten Abgasmenge ohne konstruktive Veränderung droht das AGR-Ventil und der Ansaugtrakt zu versotten. Dazu sinkt die Leistung und der Verbrauch steigt.

Dazu dürfen sich alle, die die Hersteller auf Hardwarenachrüstungen verpflichten wollen, auf eine beinharte juristische Gegenwehr einstellen. Denn die Hersteller und deren Anwälte werden auf folgenden Umstand hinweisen: Vorgeschrieben war, dass die Autos die damaligen Grenzwerte im Rahmen des NEFZ auf dem Prüfstand einhalten – was vermutlich allen gelingt. Die Forderung, alte Autos sollten nun neue Grenzwerte einhalten, mag auf den ersten Blick plausibel klingen, dürfte jedoch juristisch kaum umzusetzen sein. Dazu kommt: Die für die Homologation relevanten EU-weit festgelegten CO2-Werte würden überschritten, woraufhin die EU wieder klagen könnte.

Nun steht es der Politik natürlich offen, Grenzwerte so zu setzen, dass ein Großteil der bestehenden Autos mit Dieselmotor diese überschreiten. Der nächste Schritt wäre dann, Zonen zu definieren, in die diese Autos nicht mehr einfahren dürfen. Da das kein Politiker, der Interesse an einer weiteren Karriere hat, eine kalte Enteignung der Besitzer durchsetzen wollen wird, sind nun die Gerichte gefragt. Sie entscheiden am 22. Februar 2018 über Fahrverbote für Autos mit Dieselmotor in Städten mit hoher Luftbelastung.

(mit Material der dpa)


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