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Blitzschlag

E-Motorrad: Lightning Motorcycle Strike

Motorrad
Lightning Motorcycle Strike

Lightning Motorcycle präsentiert die Strike. Der Motor leistet 66 kW, entsprechend 90 PS, liefert aber satte 244 Nm Drehmoment. Damit ist sie das Bike mit einem der günstigsten, wenn nicht dem besten Preis-Drehmoment-Verhältnis überhaupt

Lightning Motorcycle präsentiert die Strike. Der Motor leistet 66 kW, entsprechend 90 PS, liefert aber satte 244 Nm Drehmoment. Damit ist sie das Bike mit einem der günstigsten, wenn nicht dem besten Preis-Drehmoment-Verhältnis überhaupt.

Elektromotorräder erfreuen sich wachsender Beliebtheit, zumal es sich herumgesprochen hat, dass sie sehr flott unterwegs sein können. Vorbei die Zeiten, als Elektromotorräder eher wie aufgeblähte Fahrräder aussahen, deren Konstrukteure von dem Wort „Design“ noch nie gehört hatten.

Der US-Hersteller Lightning Motorcycle will sich mit den stärksten Verbrennungsmotoren-Bikes messen. Firmengründer Richard Hatfield – Finanzmanager und Selfmade-Millionär – baute schon 2006 eine Yamaha R1 auf Elektroantrieb um. Das Ergebnis ermutigte ihn, ein eigenes elektrisches Superbike zur Serienreife zu bringen.

Hatfield stellte dafür 2009 einen Drei-Stufen-Plan auf. Stufe eins war „die beste Technik der Welt“ für Elektromotorräder zu entwickeln. Zu dem Zeitpunkt existierte bereits ein vielversprechender Technologieträger, der es auf 267 km/h brachte. Stufe zwei sah vor, die „Überlegenheit im Wettbewerb zu beweisen“. 2011 huschte das Motorrad während der Speed Week in Bonneville mit 351 km/h (218 Meilen pro Stunde) nahezu lautlos über den Salzsee – neuer Rekord für Elektromotorräder. Ein Jahr später gewann die Lightning in Le Mans das FIM ePower-Rennen, bei dem nur Elektromotorräder zugelassen sind, und 2013 schlug die Lightning beim legendäre Bergrennen Pikes Peak in Colorado alle benzingetriebenen Motorräder.

Schnellstes Serienmotorrad

2016 verließen die ersten Exemplare der LS-218 (wegen des Rekords von 218 Meilen pro Stunde) die Fabrik in San Jose/Kalifornien für den Stückpreis von stolzen 38.800 US-Dollar. Doch dafür bekam der Kunde das schnellste Serienmotorrad der Welt, denn sie war technisch weitestgehend identisch mit dem Rennmotorrad.

Die LS-218 hat einen flüssigkeitsgekühlten 380-Volt-Permanentmagnet-Gleichstrom-Motor, der 150 kW leistet – umgerechnet 204 PS. Noch eindrucksvoller ist aber das maximale Drehmoment von 228 Nm. Laut Pressesprecher Matt Schulwitz sprintet die LS-218 von 0 auf 160 km/h in 5,5 Sekunden, den Durchzug von 160 auf 240 km/h (100 auf 160 Meilen pro Stunden) schafft sie in sagenhaften 2 Sekunden. Damit übertrifft die LS-218 bei weitem alle anderen konventionellen Superbikes. Dabei wirkt sie eher zierlich, mehr wie ein 600er-Supersportler. Das attraktive Design erinnerte an die Triumph Daytona 675.

Die LS-218 hat ein Aluminium-Monocoque, in dem eine Batterie steckt, die wahlweise 10, 15 oder 20 kWh speichert. Lightning Motorcycle bezeichnete sich selbstbewusst als „führend in der Entwicklung von Elektromotorrädern“. Damit wurde es Zeit, Stufe drei des ehrgeizigen Plans von Richard Hatfield zu zünden: „Schnell die Produktionskosten reduzieren, um die qualitativ besten Produkte zum günstigsten Preis anzubieten.“ Eine Kampfansage an die Konkurrenz.

Die Strike hat 244 Nm Drehmoment

Jetzt hat Lightning Motorcycle sein günstiges Modell präsentiert: Die Lightning Motorcycle Strike. Sie sieht der LS-218 sehr ähnlich, auch wenn die Vollverkleidung und die Tankattrappe nun glattere Flächen aufweisen. Der Motor leistet 66 kW, entsprechend 90 PS, liefert aber satte 244 Nm Drehmoment. Zum Vergleich: Das neue Superbike von BMW, die S 1000 RR [1], kommt zwar auf 207 PS, liefert aber „nur“ 113 Nm und das auch erst bei 11.000/min. Der Elektromotor der Lightning Strike hingegen liefert die geballte Kraft sofort aus dem Stand.

Ihr 150-Volt-Gleichstrom-Motor ist flüssigkeitsgekühlt, um den thermischen Belastungen standzuhalten. Mit einer 10-kWh-Batterie ausgestattet soll sie 206 Kilogramm wiegen. Eine Gangschaltung gibt es nicht, dem Elektromotor genügt eine einzige Übersetzung. Als Höchstgeschwindigkeit gibt Lightning Motorcycle 217 km/h an und betont, dass die Strike über die beste Aerodynamik aller Elektromotorräder verfüge, was gleichzeitig auch den Verbrauch reduziere.

Erfreulich günstig

Die Strike hat ein Alu-Monocoque, das Vorderrad wird von einer voll einstellbaren Upside-down-Gabel geführt, das, ebenso wie das direkt angelenkte Federbein, von Racetech stammt. Die hübsche Bananenschwinge findet sich auch an der LS-218, die Bremsen sind von Brembo. Auch für die Strike gibt es wahlweise die drei Batterien wie in der LS-218, die Kapazität des On-board-Ladesystems beträgt 3,3 kW. Die Reichweite des Basismodells mit der 10-kWh-Batterie soll, laut Hersteller, je nach Fahrweise zwischen 110 und 150 Kilometer betragen.


Die Lightning Strike wird in den USA ab 12.998 Dollar (rund 11.600 Euro) plus Steuern angeboten – ein erfreulich günstiger Preis. Der war aber nur zu verwirklichen, weil die Lightnings zwar in Kalifornien entwickelt und montiert werden, aber die meisten Teile in einer neu errichteten Fabrik in Quzhou südlich von Shanghai gefertigt werden, wo die Lohnkosten erheblich niedriger sind. Bei der Strike Mid Range mit einer 15-kWh-Batterie erhöht sich das Gewicht leicht um 4,5 Kilogramm, der Preis dafür umso deutlicher auf 16.998 US-Dollar (15.100 Euro). Sie soll eine Reichweite von 170 bis 240 Kilometer ermöglichen.

Zum Vergleich: Die ab 20.490 Euro erhältliche Zero SR/F [2], die ebenfalls aus den USA kommt, leistet 110 PS und hat 190 Nm Drehmoment, wiegt 220 Kilogramm und soll 200 km/h erreichen. Ihr Lithium-Ionen-Akku fasst 14,4 kWh und soll bis zu 175 km Reichweite bieten. Kurz vor Verkaufsstart sind über die NXT Rage [3] noch keine offiziellen Daten bekannt. NXT spricht von einer Reichweite von 200 Kilometern und einer Standard-Beschleunigung in unter drei Sekunden. Eine über 30.000 Euro teure Energica Eva (Test) [4] wird mit den Eckdaten 80 kW, 180 Nm, 200 km/h, 150 km Reichweite mit 11,7 kWh angegeben, die technisch verwandte, mit knapp 26.000 Euro günstigere (und in Vielem reifere) Energica Eva EsseEsse9 mit 109 PS und 180 Nm Drehmoment kommt mit 11,7-kWh auf 140 Kilometer.

Carbon Edition als Top-Model

Doch Lightning bietet noch eine edlere Variante an: Bei der Carbon Edition bestehen alle Verkleidungsteile aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Ihr Motor leistet 122 PS sowie immer noch 244 Nm und beschleunigt die Strike auf 241 km/h. Die voll einstellbare Upside-down-Gabel und das Federbein stammen vom schwedischen Spezialisten Öhlins, die radial montierten Monoblock-Bremszangen von Brembo und die geschmiedeten Felgen von Marchesini. Im Cockpit informiert das TFT-Display MXS Strada von AIM, das unter anderem über Lap-Timer und GPS-basierter Datenaufzeichnung verfügt. Lightning war es wichtig, dass die Strike auch auf der Rennstrecke eine gute Performance abliefert.

20-kWh-Batterie

Die Carbon Edition erhält die 20-kWh-Batterie und soll eine Reichweite von 240 bis 320 Kilometer schaffen. Lightning spendierte ihr außerdem serienmäßig einen 6,6-kW-Onboard-Ladegerät. Damit soll die 20-kWh-Batterie in angeblich nur 20 Minuten genügend Strom für mindestens 160 Kilometer laden. Das Schnellladegerät gibt es gegen 1500 US-Dollar (1330 Euro) Aufpreis auch für die anderen beiden Strike-Modelle. Das Gewicht der Carbon Edition klettert auf 219 Kilogramm, was für ein Elektromotorrad jedoch nicht viel ist.

Die Top-Variante wird es für 19.998 Dollar (17.800 Euro) geben. Die Produktion der Strikes soll im Juli 2019 starten, zuerst mit der Carbon Edition. Kunden können sich bereits jetzt gegen eine Anzahlung von 10.000 US-Dollar eine Carbon Edition reservieren, für die beiden anderen Varianten müssen hingegen nur 500 US-Dollar angezahlt werden. Ob und wann Lightning Motorcycle seine Modelle auch in Deutschland anbieten wird, ist noch offen.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/autos/artikel/Vorstellung-BMW-S-1000-RR-4224076.html
[2] https://www.heise.de/autos/artikel/Klartext-Zero-Tolerance-4320671.html
[3] https://www.heise.de/autos/artikel/NXT-Rage-Elektromotorrad-4319259.html
[4] https://www.heise.de/autos/artikel/Fahrbericht-Energica-Eva-3797563.html