Stichtag

Einführung von WLTP und Euro 6c

Ab dem 1.9. 2018 dürfen nur noch Autos zugelassen werden, die mindestens die Euro 6c erfüllen. Eigentlich. In der Praxis gibt es aber ein ziemlich großes Schlupfloch, was Hersteller nutzen und Neuwagen-Käufer kennen sollten

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
Druckansicht Kommentare lesen 420 Beiträge
6 Bilder

(Bild: VW)

Von
Inhaltsverzeichnis

Eigentlich ist Stichtag: Mit einem Erstzulassungsdatum ab dem 1. September 2018 müssen alle in der EU erstmals zugelassenen Pkw mindestens die Abgasnorm Euro 6c erfüllen. Die Grenzwerte gelten außerdem im neuen und verschärften Messzyklus WLTP. Aber Achtung, es gibt eine Ausnahmeregelung, nach der Autos bis zum 31. August 2019 neu zugelassen werden dürfen, die lediglich die im alten NEFZ erhobene Abgasnorm Euro 6b erfüllen.

End of series

Auf Anfrage von heise/Autos bestätigt das Kraftfahrtbundesamt (KBA) diese Ausnahmeregelung, manchmal Englisch „End-of-Series“-Regelung genannt. In Artikel 27 der Richtlinie 2007/46/EG ist festgelegt, dass Modelle, die bald vom Markt genommen werden oder ein großes Facelift erhalten, vorübergehend weiterverkauft werden dürfen. Allerdings nur bis zu einem bestimmten Volumen: Lediglich in Höhe von zehn Prozent der Vorjahreszahl eines Herstellers in einem EU-Land.

Beispiel VW Golf: Der meistverkaufte Autotyp in der EU wird erst „in den nächsten Wochen“ die Freigabe für WLTP bekommen, so Volkswagen. Ähnlich sieht es beim Tiguan und anderen Modellen aus Wolfsburg aus. Man muss sich ranhalten, um die Zehn-Prozentquote zu schaffen.

Wahrscheinlich werden bestimmte Motor-Getriebekombinationen nicht rechtzeitig oder gar nicht für WLTP und Euro 6c homologiert. Die Variantenvielfalt wird eingeschränkt. Das ist eine Kostenfrage: In Jahresfrist erscheinen neben dem Golf VIII auch große Facelifts von Tiguan und Passat. Auslaufmodelle wie der aktuelle Golf VII, die nun aufwendig gemessen werden, können folglich nur kurzfristig in den Handel gebracht werden.

Schlüsselnummer zur Identifizierung

Letzte Sicherheit, welche Abgasnorm das Wunschauto erfüllt, bietet die Schlüsselnummer im Kfz-Schein. Steht unter Position 14.1 noch 36BA, 36BB oder 36BC, handelt es sich um ein Euro 6b-Fahrzeug. Kunden bekommen den ersten Hinweis auf ein veraltetes Auto, wenn die Verbrauchs- und CO2-Angabe noch nach NEFZ angegeben ist.

Die meisten Hersteller haben die Umstellung gut im Griff. Es lässt sich umgekehrt formulieren: Mit Ausnahme des Volkswagen-Konzerns mit seinen vielen Marken von Audi über Porsche bis Seat sind die Autohersteller im Zeitplan.

Norm übersprungen

Eigentlich also gilt ab dem 1. September 2018 die Abgasnorm Euro 6c. Viele Autos erfüllen schon die Euro 6d-TEMP-Norm, die ein Jahr später für alle neu zugelassenen Pkw verbindlich wird. Diese Überschneidung ergibt sich daraus, dass neu eingeführte Autotypen seit 1. September 2017 schon nach Euro 6d-TEMP typgeprüft werden können. Für die Unternehmen ist es wegen der Kosten attraktiv, die Homologation für die kurzfristige Zwischennorm Euro 6c gleich zu überspringen.

Kern der Euro 6c für Pkw mit Benzin-Direkteinspritzer ist die Absenkung des Grenzwerts für die Partikelzahl um den Faktor 10. In der Konsequenz erhalten fast alle solche Autos einen serienmäßigen Partikelfilter, sofern es sich um einen Benzindirekteinspritzer handelt. Beispiel Volkswagen Polo: Die Basismodelle spritzen ins Saugrohr ein, emittieren darum kaum Partikel und benötigen keinen Filter. Die leistungsstärkeren Versionen mit dem Kürzel TSI sind Direkteinspritzer und kommen nicht ohne aus.