Stadtgeflüster

Elektrisch liefern: der Nissan e-NV200

Für kleine und mittelständische Unternehmen sind Diesel-Fahrverbote in Innenstädten ein Schreckensszenario, weil sie auf jeden Cent achten müssen und darum oft auf günstige Bestandstechnik setzen. Kann der batterieelektrische Nissan e-NV200 jetzt schon eine Alternative bieten?

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(Bild: Nissan)

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Hamburg, 4. Juli 2016 – Betrifft: Altdiesel im Dienst. Für kleine und mittelständische Unternehmen sind Fahrverbote in Innenstädten ein Schreckensszenario. Nicht, weil die Chefs schlechte Luft gut finden. Sondern weil selbstständige Handwerker und Lieferservices auf jeden Cent achten müssen und darum oft auf günstige Bestandstechnik setzen. Wir steigen in den Nissan e-NV200 um zu prüfen, ob Batterie-elektrische Nutzfahrzeuge jetzt schon eine Alternative sind.

Der Testwagen, den Nissan vor den Kaispeicher Altona gestellt hat, ist weiß. Die Stoßfänger sind unlackiert. Fenster im Laderaum gibt es genauso wenig wie an der vertikal geteilten Hecktür. So sieht er aus, der Held des Alltags. Nackt und simpel.

Wer jemals einen Nissan Leaf gelenkt hat, wird sich schnell heimisch fühlen. Statt des Bedienjoysticks zum Einlegen der Fahrstufen sitzt eine gewöhnliche Schaltkulisse in der Mittelkonsole; ansonsten gibt es viele Übereinstimmungen. Das betrifft vor allem den Eindruck nach dem Start: Zipp und weg. Kraftvoll setzt sich der e-NV200 in Bewegung, und in der Stadt ist man meistens übermotorisiert. In Zahlen: Wie im Leaf leistet der E-Motor 80 kW (109 PS). Das Drehmoment beträgt 254 Nm.

Die technische Basis teilt der e-NV200 mit dem Leaf – aber es gibt Abstriche. Die Höchstgeschwindigkeit des Kastenwagens liegt bei 123 km/h. Der Stromverbrauch steigt im NEFZ auf 16,5 kWh / 100 km und die maximale Reichweite im Zyklus sinkt auf 163 Kilometer. Der e-NV ist leider nur mit dem kleinen Batteriepaket mit 24 Kilowattstunden (Garantie fünf statt acht Jahre wie beim 30 kWh-Leaf) sowie ausschließlich ohne Wärmepumpe erhältlich.

Das ist ein Malus, der sich vor allem im Winter bemerkbar machen wird. Aus unserer Erfahrung reagieren die Leafs mit serienmäßiger Wärmepumpe weit weniger empfindlich auf Temperaturschwankungen – und wenn es um die Reichweite geht, muss in der gewerblichen Nutzung zumindest Planbarkeit herrschen.

Wie immer muss also jeder potenzielle Käufer prüfen: Reicht die Weite für meinen Anwendungszweck? Auf unserer Tour durch Hamburg konnten wir den Normverbrauch von 16,5 kWh mit 14,2 kWh locker unterbieten. Allerdings ohne Last und eben nur mit Stadtgeschwindigkeit; Werte über 25 kWh / 100 km sind bei anderer Nutzung fraglos denkbar. Wenn der Aktionsradius zu klein ist, hilft nur nachladen. Hier müssen Kunden besonders auf das Kleingedruckte achten.

Der e-NV200 ist V2G-fähig

So ist die preisgünstigste Basisversion „Pro“ nicht mit dem DC-Ladestandard Chademo erhältlich. Gegen Aufpreis wird immerhin eine von 3,3 auf 6,6 kW gesteigerte AC-Ladeleistung angeboten. Alle anderen Ausstattungsvarianten sind dagegen serienmäßig mit der Chademo-Buchse und 50 kW Ladeleistung versehen. Hier gilt wie beim Leaf, dass diese Autos Vehicle-to-Grid-fähig sind. Die Batterie kann also als Speicher für Strom genutzt werden und elektrische Energie ins Netz oder ins Haus zurückspeisen.