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Elektroautos: Der P3 Charging Index

Der Porsche Taycan ist das Elektroauto mit der besten Langstreckentauglichkeit. Das zumindest besagt der Charging Index von P3 Automotive. Der verrät, wie viel Kilometer in 20 Minuten nachgeladen werden können

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Elektroautos, alternative Antriebe 7 Bilder
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  • Christoph M. Schwarzer
Inhaltsverzeichnis

Der Porsche Taycan (Test) ist das Elektroauto mit der besten Langstreckentauglichkeit. Das zumindest sagt der über den Branchendienst Electrive.net veröffentlichte Charging Index von P3 Automotive. Beim Beratungsunternehmen P3 Automotive arbeiten Fachleute, die Batteriezellen und batterieelektrische Fahrzeuge aus der weltweiten Industrie seit Jahren genau untersuchen. Ihre These: Die maximale Ladeleistung und damit die höchste mögliche Ladegeschwindigkeit ist nur einer unter mehreren Faktoren fürs schnelle Vorankommen auf der Autobahn. Wichtig sei, so heißt es im Papier, „vielmehr die Zeit, in der echte Reichweite oder Kilometer nachgeladen werden können“. Das schließt auch die dauerhafte Ladeperformance und den Stromverbrauch mit ein.

Ziel: Vergleichbarkeit

P3 Automotive möchte mit dem Charging Index Vergleichbarkeit schaffen. Hierzu definieren die Berater ein Ideal, nämlich dass ein batterieelektrisches Auto in 20 Minuten Strom für 300 weitere Kilometer laden kann. Der Quotient aus der tatsächlich in diesem Zeitraum speicherbaren Reichweite und dem Zielwert von 300 Kilometern ergibt den Charging Index fürs Ranking. Noch erreicht kein Elektroauto auf dem Markt eine Indexzahl von 1. Der bestplatzierte Porsche Taycan lädt in dieser Zeit Strom für 216 km, kommt also auf 0,72. Es folgen der VW ID.3 (211 km, 0,70), das Tesla Model 3 (197 km, 0,66), der Audi e-tron (173 km, 0,58) und das Tesla Model S (160 km, 0,53).

Ladekurve entscheidend für Performance

Beim Design des Charging Index gehen die Macher davon aus, dass ein Langstreckenfahrer ohnehin nach spätestens 300 Kilometern eine Pause macht. Für den Stromverbrauch dient der Verbrauch im WLTP mit einem Aufschlag aus dem ADAC Ecotest – dort ist der Anteil mit 130 km/h höher – als Berechnungsbasis. Entscheidend, und hier kommt das eigentliche Wissen von P3 zum Tragen, ist allerdings die Ladekurve. Hier wurde zugunsten der Elektroautos davon ausgegangen, dass der Ladestand (State of Charge oder SOC) bei 20 Prozent beginnt und bei 80 Prozent endet. Im Regelfall, also keineswegs grundsätzlich, startet das Laden mit einer hohen Leistung und lässt dann schrittweise nach.

In der Szene der Elektromobilisten und besonders in der Tesla-Community hat das Papier von P3 Automotive den klaren Maßstäben zum Trotz Unmut hervorgerufen: Wie kann es sein, dass der Porsche Taycan eine bessere Langstreckentauglichkeit haben soll als ein Tesla Model S? Schließlich wurde gerade erst eine nur durchschnittliche Reichweite nach dem US-Verfahren EPA für den Porsche veröffentlicht (201 Meilen / 324 km), während das Tesla Model S in der Performance-Version viel weiter (348 Meilen / 560 km, Long Range-Variante: 373 Meilen / 601 km) kommt.

Die Erklärung liegt zuerst in dem, was der Charging Index abbilden soll: Nicht die absolute Reichweite, sondern die Fähigkeit zum schnellen Nachladen. Hier liegt die Stärke der Veröffentlichung von P3. Die Ladekurven der unterschiedlichen Fahrzeuge werden sichtbar und jeder Interessent kann für sich entscheiden, was in seinem Nutzungsprofil Priorität hat.

Audi e-tron mit nahezu konstanter Dauerleistung

Hierzu lohnt es sich, drei Elektroautos mit herauszugreifen. Der Porsche Taycan zum Beispiel hat als Alleinstellungsmerkmal ein Batteriesystem mit 800 Volt Spannung. Das ist die Basis für die aktuell höchste Peakleistung (270 kW, Werksangabe) und die höchste durchschnittliche Ladeleistung von 224 kW im Fenster von SOC 20 bis 80 Prozent. Die Nettokapazität von 83,7 kWh wird also durch die Ladegeschwindigkeit kompensiert. Wie gut das funktioniert, wird heise/Autos im März 2020 mit einem Taycan Turbo ausprobieren.