Ladeinfrastruktur: Ist ein Ende des Chaos beim Bezahlen von Strom für E-Autos in Sicht?

Die Rechnung, bitte

Einem normalen Menschen ist es völlig unverständlich, warum die Ladesäulen weder Bargeld noch EC-/Kreditkarte nehmen. Was wir brauchen, ist eine europäische Lösung, die das Bezahlen so niederschwellig wie möglich macht. Kommt der richtige Vorschlag von Lichtblick?

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Hamburg / Aachen (15. Juni 2015) – Das uneinheitliche Bezahlsystem an Ladesäulen ist eine der übelsten lebenspraktischen Einschränkungen der Elektromobilität. Bargeld, EC- oder Kreditkarte? Kenne ich nicht, meldet der öffentliche Energiespender. Stattdessen müssen die Fahrer das Identifikationsmittel dabei haben, das der Betreiber des jeweiligen Ladepunkts herausgibt. Meistens sind das spezielle RFID-Karten; manchmal ist eine App erforderlich oder SMS-Payment möglich. Klar ist: Niemand (außer den Tesla-Treibern an den Superchargern) kommt durch die Republik, ohne sich vorher genau zu informieren, wo er wie Strom zapfen kann – und abgerechnet wird dann mal nach Kilowattstunde, mal nach Zeit und mal nach, ja was eigentlich?! Jedenfalls können die Tarife extrem schwanken, und der lokale Versorger bestimmt den Preis. Dieses Tohuwabohu muss dringend bereinigt werden.

Einen Vorschlag zur Lösung des Problems macht jetzt Gero Lücking, Vorstand für Energiewirtschaft des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick SE: „Unsere Vorstellung ist, dass die Ladesäule dem Verteilnetz zugeschlagen wird.“ Mit dieser Kernforderung, so Lücking, gehöre die Infrastruktur dem jeweiligen Verteilnetzbetreiber.

Dieses Modell, das sich für den Laien zuerst nach einer reinen Bürokratiefrage anhört, hätte mehrere Vorteile: Zum einen liegt die Aufsicht bei der Bundesnetzagentur, womit das Ende der energiewirtschaftlichen Kleinstaaterei gekommen wäre. Jeder Stromlieferant hätte zu jedem Zählpunkt in Gestalt einer Ladesäule einen Anspruch auf ungehinderten – im Juristendeutsch diskriminierungsfreien – Zugang. Übersetzt: Wer zu Hause in der Garage zum Beispiel Lichtblick tankt, kann das auch unterwegs tun. „Das ist eine reine Softwaresache“, erklärt Gero Lücking zuversichtlich, „die Verträge mit den Verteilnetzbetreibern haben wir ohnehin.“

Der Kunde fährt also mit seinem Batterie-elektrischen Volkswagen e-Golf, Kia Soul EV oder BMW i3 zu einer Ladesäule, stöpselt sein Fahrzeug an, muss sich im besten Fall wie bei Tesla gar nicht identifizieren (das macht die IT von selbst), und was bezahlt werden muss, erscheint am Monatsende auf der Stromrechnung.

Alle Haushaltsstromverbraucher würden zahlen

„Hierzu muss der Gesetzgeber nur eins deutlich machen, nämlich dass die Ladesäulen zum Verteilnetz gehören“, so Gero Lücking. Die Finanzierung der Infrastruktur würde dann über das Netzentgelt erfolgen, das etwa in Hamburg 5,5 Cent pro Kilowattstunde beträgt und von allen Haushaltsstromkunden bezahlt werden muss. Eine eventuelle Erhöhung dieser Gebühr wäre minimal, weil selbst kleinste Nachkommabeträge ausreichen, um insgesamt hohe Summen einzuspielen. Zur Einordnung: In Deutschland werden pro Jahr je nach Konjunkturlage circa 600 Terawattstunden Strom verbraucht und noch mehr produziert.