Emergency Assist und Fahrautomatisierung

Der risikominimale Zustand

Ein Notfallassistent kann das Fahrzeug bis zum Stillstand abbremsen, um Unfälle zu vermeiden. Er ist eine Vorstufe zum so genannten risikominimalen Zustand. Im Folgenden erläutern wir den aktuellen Forschungsstand zum Thema im Volkswagen-Konzern.

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  • Christoph M. Schwarzer
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Wolfsburg, 2. Februar 2016 – Ohnmacht. Infarkt. Sekundenschlaf. Wir können die Kontrolle über das Auto verlieren. Um die Folgen eines schweren Aussetzers abzumildern, kann ein Notfallassistent das Fahrzeug bis zum Stillstand abbremsen. Bei Volkswagen zum Beispiel wird das System als Teil des Fahrassistenz-Pakets „Plus“ im Touran angeboten. Dort heißt es Emergency Assist, und es verdient unsere Aufmerksamkeit, weil es die Vorstufe zur Herstellung des so genannten risikominimalen Zustands ist. Dieser Begriff und der Zusammenhang mit den verschiedenen Stufen der Fahrautomatisierung sind erklärungsbedürftig.

Zuerst aber: Was macht Emergency Assist? Der elektronische Wächter erkennt, wenn der Fahrer den Wagen nicht mehr steuert, also weder bremst noch beschleunigt noch lenkt. Reagiert er auch auf einen gezielten Bremsruck nicht, wird das Auto über den Spurhalteassistenten (Volkswagen: Lane Assist) und den adaptiven Tempomaten (ACC) zum Stillstand gebracht. Damit andere Verkehrsteilnehmer die Gefahr erkennen, ist die Warnblinkanlage dabei eingeschaltet. Wer sich die Funktionsweise anschauen will, kann hier klicken.

Werfen wir jetzt einen Blick auf die Evolutionsstufen der Fahrautomatisierung. Es gibt hier zwar keine internationale gesetzliche Normierung, aber einen inhaltlichen Konsens. So sind die Beschreibungen der US-amerikanischen Society of Automotive Engineers (SAE) und der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) nahezu identisch.

Überwachungspflicht bis zur Teilautomatisierung

Auf dem ersten Level der Fahrassistenz übernimmt der Fahrer dauerhaft die Längs- (Gas geben, bremsen) ODER Querführung (Lenkung). Die jeweils andere Aufgabe erledigt ein elektronisches System, wobei es jederzeit überwacht werden muss und die Verantwortung immer beim Fahrer liegt. Ein Beispiel dafür ist ein adaptiver Tempomat: Er macht die Längsführung, während der Mensch steuert, also die Querführung übernimmt. Ein anderes Beispiel mit umgekehrten Vorzeichen: Bei einem Einparkassistenten dreht die Elektronik das Lenkrad, während der Fahrer Gas und Bremse bedient.

Viele Autos sind heute einen Schritt weiter und können mit einer teilautomatisierten Unterstützung bestellt werden. Hierbei übernimmt ein System Längs- UND Querführung. Es kann also für eine spezifische Situation zugleich lenken und Gas geben und bremsen. Ein Staufolgeassistent, etwa bei Mercedes, arbeitet so und auch der Autopilot bei Tesla.