Schön Brutal

Endlich überarbeitet: MV Agusta Brutale 800 RR

Die MV Agusta Brutale 800 RR ist auffallend schön. Ein solches Design kann vermutlich nur in Italien entstehen, wo Motorradfahrer ein fast schon erotisches Verhältnis zu ihren Bikes pflegen. Für den aktuellen Jahrgang wurde sie jetzt gründlich überarbeitet, um endlich die Euro4-Norm zu erfüllen

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Man kann ja zu italienischen Motorrädern stehen wie man will, aber das muss man der MV Agusta Brutale 800 RR neidlos zugestehen: Sie ist auffallend schön. Ein solches Design kann vermutlich nur in Italien entstehen, wo Motorradfahrer ein fast schon erotisches Verhältnis zu ihren Bikes pflegen.

Für den aktuellen Jahrgang hat MV Agusta die Brutale 800 gründlich überarbeitet, um endlich die Euro4-Norm zu erfüllen. Die italienische Marke ist ziemlich spät dran, aber das lag nicht an der Entwicklungsabteilung, sondern an den finanziellen Problemen, die MV Agusta und ihren Besitzer Giovanni Castiglioni schon lange beuteln. Mit dem Einstieg des russischen Millionärs Timur Sardarov soll letztes Jahr ein warmer Geldregen auf das Werk in Varese niedergeprasselt sein.

Viele Motorkomponenten neu

Auch wenn die Brutale äußerlich am Gitterrohrrahmen, dem Tank-Sitzbank-Bereich, an der eleganten Einarmschwinge und den einzigartigen drei Auspuffrohren kaum verändert erscheint, blieb am Motor kaum ein Teil unangetastet. Trotz der strengen Abgas- und Geräuschvorschriften hat die Brutale 800 RR kein PS verloren, sie leistet immer noch 140 PS. Auch der Hubraum blieb bei 748 cm3, aber der Zylinderkopf, die Ventile, Ausgleichswelle, Wasserpumpe, Ölpumpe, Einlassnockenwelle und Auspuffanlage sind neu, ebenso das Getriebe, der Schaltmechanismus und die Elektronik.

Vor allem Letztere sah sich im Vorgängermodell oft harscher Kritik ausgesetzt, da die elektronische Gasannahme ruckelig war und manchmal erst mit kurzer Verzögerung einsetzte. Ein Unding bei einem Sportmotorrad, dessen Fahrereine exakte Umsetzung seiner Gasbefehle erwarten darf. Die Probleme hat MV Agusta nun aber gut in den Griff bekommen, lediglich in den ersten beiden Gängen macht sich beim Bummeln in der Stadt gelegentlich noch ein leichtes Ruckeln bemerkbar. Auch springt der Dreizylinder nun rascher an.

Drehorgel

Die hochgezüchtete Brutale 800 RR lebt von Drehzahlen, entsprechend lässt sie es bis 3000/min verhalten angehen, um sich dann ordentlich ins Zeug zu legen. Ab 7000 Touren gibt der Dreizylinder richtig Feuer und dreht rasant bis zur Höchstleistung bei 12.300/min als wären die Carabinieri hinter ihm her. Leistung im Überfluss mit einem angenehm heiserenKlang aus den drei übereinander angeordneten Schalldämpfern.

Die Brutale bietet vier Fahrmodi: Sport, Normal, Regen und Custom. Die drei erstgenannten Modi sind fest programmiert, den letzten kann der Fahrer nach Gutdünken selber konfigurieren. Dabei hat er reichlich Möglichkeiten, denn er kann die Leistungsentfaltung, das Ansprechverhalten des Gasgriffs, das Motorbremsmoment, die Schlupfregelung und den Drehzahlbegrenzer in mehreren Stufen einstellen. Allein die Schlupfregelung kann in achtfacher Intensität variiert werden. Dabei kann die Suche nach der besten Kombination schon mal ausarten.