Vor 30 Jahren wurde in Deutschland erstmals eine Abgasreinigung Pflicht

Entgiftet

30 Jahre nach Einführung der Katalysatorpflicht sind die Abgase weitgehend entgiftet. Der technische Aufwand war für die Kunden bisher verkraftbar, obwohl er für die letzten paar Zehntel extrem steil anstieg. Die neue Herausforderung heißt Effizienz

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  • Florian Pillau
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München, 23. Mai 2014 – Würden Autos den Treibstoff in einer anderen Weise verwerten als in Kolbenmotoren, wäre die Erfindung des Katalysators keine so dringliche Aufgabe geworden. In den Zylindern unserer Automotoren verhindern aber ständige Druck- und Temperaturschwankungen, hohe Turbulenzen und wechselnde Gaszusammensetzungen eine vollständige Verbrennung. In einer Standheizung beispielsweise verbrennen Benzin und Dieselkraftstoff in aller Ruhe vorwiegend zu harmlosem Kohlendioxid und Wasser, giftige Abgasbestandteile fallen dabei in wesentlich geringeren Mengen an. Nur eine Abgasnachbehandlung ist in der Lage, die unverbrannten Bestandteile des Abgases in harmlose Stoffe aufzuspalten. In Deutschland wurde sie vor 30 Jahren eingeführt.

Auto und Wald haben überlebt

Im September 1984 beschloss die Bundesregierung die Einführung des Katalysators für alle Autos mit Benzinmotor. Steuerliche Anreize und eine fünfjährige Übergangsfrist sollten die Einführung erleichtern. Ab 1. Januar 1989 durften dann nur noch Neuwagen zugelassen werden, die den strengen US-amerikanischen Abgasnormen entsprachen. Damals war die Kat-Einführung ein kontroverses Thema mit emotionsgeladener Diskussion. 5000 Mark teurer würden die Autos dadurch, sagten die Gegner. Der Kat müsste außerdem alle fünf Jahre getauscht werden und der Verbrauch würde steigen. Völlig übertrieben, meinten die Befürworter und malten apokalyptische Bilder von einem „ökologischen Hiroshima“ und einer Zukunft ohne Wald. Heute ist der Fahrzeugkatalysator eine Selbstverständlichkeit, und sowohl das Auto als auch der Wald haben überlebt.

In Deutschland eingeführt wurde der Kat in den 80er-Jahren, doch seine Geschichte begann viel früher. Schon in den 50er-Jahren machte sich der Franzose Eugene Houdry Gedanken um die Luftverschmutzung. Er entwickelte bereits einen Oxidationskatalysator für Fahrzeuge, der allerdings nie zum Einsatz kam. Denn das Bleitetraaethyl, ein bleihaltiger Antiklopf-Zusatz im Benzin, deaktivierte den Kat schnell. So konnte er seiner Aufgabe nicht mehr nachkommen, Kohlenwasserstoffe, Stickoxide sowie das Kohlenmonoxid im Abgas durch Oxidation aufzuspalten.