Von langer Hand

Euro 5 für Motorräder

Kaum haben wir uns an Euro 4 gewöhnt, reckt schon Euro 5 das Haupt für 2020. Das Gefühl trügt nicht: Tatsächlich wurden beide Abgasnormen im Doppelpack entschieden und geplant. Wir erklären, was auf Sie zukommt. Am Geräusch ändert sich zunächst nichts

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Die Abgasnorm Euro 5 gilt ab dem 1. Januar 2020 für neue Typzulassungen der EG-Fahrzeugklasse L3e: Krafträder mit bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit über 45 km/h, also auch 125er. Ein Jahr später gilt sie für alle Neuzulassungen. Euro 5 kommt in zwei Stufen: Zum Stichtag 2020 gelten laxere Vorschriften, ab 2024 schärfere. Obwohl die Regeln schon klar sind, gibt es für die zweite Stufe noch keinen Namen. Ingenieure sprechen von „Euro 5 Stufe 2“, manche nennen sie wie beim Auto „Euro 5b“.

Lärm

Viele Motorradfahrer interessieren sich für die vorgeschriebenen Fahrgeräuschpegel. Die Euro-Abgasnormen regeln diese jedoch nicht, sondern nur alles ums Abgas. Die gleichzeitig mit Euro 4 in Kraft getretene Geräuschgesetzgebung der UNECE-R 41.04 gilt daher 2020 weiterhin. Es ändert sich also geräuschtechnisch zunächst nichts. Ob 2024 mit der Stufe 2 auch neue Geräuschvorschriften kommen, steht noch nicht fest. Manche Experten sehen das als wahrscheinlich an, weil die UNECE-Regelung zwar den Missbrauch der Zubehör-Anlangen-Hersteller reduziert hat, die Serien-Anlagen jedoch real nicht leiser wurden.

Die Kollegen von der Zeitschrift Motorrad haben zum Thema Euro 4 / UNECE-R 41 den Topseller BMW R 1200 GS einmal nach Messzyklus gemessen (alles okay), einmal jedoch nach einem eigenen Durchschnittspegel verschiedener Beschleunigungen. Die GS mit Euro 4 kam auf 82 dBA, lauter als das Euro-3-Modell (81 dBA). Erlaubt waren schon vor R 41 maximal 80, danach mit einem anderen, nicht direkt vergleichbaren Messverfahren 77 dBA.

In den Begrenzer ausgedreht im zweiten Gang beim Beschleunigen, wie es auf beliebten Spaßstrecken ja passiert, erreichte die GS sowohl als Euro-3- als auch Euro-4-Abstimmung in der Motorpresse-Messung 94 dBA mit Serientopf. BMW schafft den Spagat zwischen Gesetz und Schalldruck wie vorher durch ein System elektromotorisch gesteuerter Klappen, das die Vorgaben formal für den Prüfzyklus einhält, um im nicht gemessenen Bereich weit aufzumachen. Solange die Hersteller so konstruieren und die Kunden das kaufen (die GS ist das bestverkaufte Motorrad Europas), muss es uns nicht wundern, wenn die Vorgaben stetig strenger werden.

Abgas

Euro 5 legt 15 bis 30 Prozent niedrigere Grenzwerte für Kohlenmonoxid, unverbrannte Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Partikelemissionen im Abgas fest. Angesichts des aktuellen Niveaus und der geringen Fahrleistungen befinden wir uns weit im Bereich sinkender Erträge. Die Hersteller zeigen sich nach außen dennoch alle motiviert, ihr Scherflein beizutragen. Im Nachklang des Abgasbetrugs sind außerdem die Behörden aufmerksamer geworden, die Papiermassen größer und die Hersteller vorsichtiger mit ihren Auslegungen der Regelungen.

Die Kaltlaufphase ist Teil des Messzyklus nach WMTC (Worldwide Motorcycle Test Cycle). Deshalb wandert der Katalysator näher zum Motor, wo das Abgas ihn schneller erwärmt. Ab 2024 überwacht die ECU obendrein die Performance des Kats. Dazu muss vor und nach dem Kat eine Lambda-Sonde Abgaswerte messen.