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Der neue Liebling?

Fahrbericht: BMW 330e

Fahrberichte
BMW 330e

(Bild: BMW)

Welche Chance hat der neue BMW 330e, dem bisher stark gefragten 320d Konkurrenz zu machen? Eine erste Ausfahrt zeigt: Eine sehr gute. Was nicht nur am überzeugenden Auto liegt, sondern auch an den Rahmenbedingungen

Bisher sind die Dinge ziemlich klar: Ein Großteil der erstmals neu zugelassenen BMW 3er geht auf das Konto gewerblicher Zulassungen. Der überwiegende Teil davon wurde als Vierzylinder-Diesel geordert, der 320d war der Bestseller. Der bisherige 330e (Test) [1] hat an diesen Verhältnissen nichts verändert. Hat die Neuauflage bessere Chancen? Eine erste Ausfahrt mit dem Plug-in-Hybrid BMW 330e.

Der Antriebsstrang setzt sich wie bisher aus dem Zweiliter-Vierzylinder aus dem 320i mit 135 kW (184 PS) und einem 83-kW-E-Motor zusammen. Letzterer ist im Automatikgetriebe von ZF integriert. Die Dauerleistung liegt bei 185 kW (252 PS), für Zwischenspurts lassen sich im Modus „Sport“ bis zu 215 kW (292 PS) abrufen. Das Systemdrehmoment liegt bei 420 Nm – nur 20 Nm mehr als der 320d in der Spitze bietet.

Oft elektrisch

Die Fahrleistungen sind ausgezeichnet, BMW nennt 5,9 Sekunden im Sprint auf Tempo 100 und 230 km/h Höchstgeschwindigkeit. Doch dieser Dreier überzeugt - wie schon das nun alte Modell - auch bei langsamer Fahrt. Wer es ruhig angehen lässt, bekommt einen sehr unauffälligen, leisen Antrieb, der mit dem gar nicht leichten Dreier keine Mühe hat. Die Koordinierung der beiden Maschinen wirkt im "Hybrid"-Modus besonders gelungen.

Dabei ist die Lässigkeit des Antriebspakets besonders in der Innenstadt oder auf Landstraßen beeindruckend. Bei langsamem Tempo fährt der 330e oft rein elektrisch und steigert bei höheren Geschwindigkeiten den Einsatz des Verbrenners. Gelungen ist die Umschaltung zwischen Elektro- und Benzinbetrieb, denn davon ist im Realbetrieb kaum mehr etwas zu spüren. Hier ist der neue 330e noch etwas besser als sein schon sehr guter Vorgänger. Im Sportprogramm wirkt das Motorengeräusch allerdings arg künstlich.

Die Batterie ist mit 12 kWh (brutto) deutlich größer als im bisherigen Modell, was den elektrischen Anteil im Alltag oftmals anheben dürfte. Nutzen lassen sich von der Batteriekapazität 10,79 kWh, die für bis zu 66 km unter den Bedingungen des veralteten NEFZ ausreichen sollen. Mehr als 3,7 kW Ladeleistung sind nicht vorgesehen. Eine leere Batterie lässt sich innerhalb von 2,4 Stunden auf 80 Prozent befüllen, wer 100 Prozent haben will, muss für die letzten 20 Prozent noch eine Stunde Ladezeit hinzurechnen. Für verlässliche Verbrauchsangaben war diese erste Proberunde zu kurz, ein Testwagen ist aber bereits angefragt.

Zurückgerechnet

Schon jetzt lässt sich sagen, dass auch BMW den Kunden etwas vormacht. Die Verbrauchsangaben sind im WLTP ermittelt, doch die Bayern rechnen sie - wie die Konkurrenz - in den NEFZ um. Nur wer in die Tiefen des Konfigurators abtaucht, wird fündig: Dort nennt BMW dann 1,6 l/100 km und 16,5 kWh/100 km – im WLTP. Dass dessen Verbrauchsermittlung nur noch von wenigen Experten nachvollzogen werden kann [2], ist nicht die Schuld von BMW. Doch die WLTP-Angaben sollten im Vordergrund stehen, und nicht die auf den NEFZ zurückgerechneten.

Update folgt demnächst

Auch die Einstufung der Abgasnorm verdient Kritik. Sicher, die Euro 6d-Temp ist erst ab September 2019 gültig. Doch ihr ist kein langes Leben beschieden: Nur noch bis Ende nächsten Jahres sind in der EU Autos mit dieser Norm erstzulassungsfähig. Ab Januar 2020 muss es für Neuzulassungen die Euro 6d sein. Wäre es nicht angemessen gewesen, einem brandneuen Auto mit Hybrid-Label die strengste Abgasnorm mit auf den Weg zu geben? So sind die ersten Kunden wieder einmal benachteiligt. Die Konkurrenz macht es vielfach nicht besser, was nichts daran ändert, dass diese Entscheidung von BMW schlecht ist.


Leben muss der 330e-Fahrer zudem mit zwei weiteren Einschränkungen: Der Kofferraum ist mit 375 Litern erheblich kleiner als in den Modellen, die ausschließlich mit Benzin oder Diesel fahren. Zudem gibt es eine nervige Kante im Laderaum, die sich mit dem variablen Ladeboden gut ausgleichen lässt. Außerdem ist der Tank mit 40 Litern spürbar kleiner als bei den anderen Modellen, wo er 59 Liter fasst.

Sparen kostet

Heftig ist der Preisunterschied, den BMW zwischen die Modelle legt. Anders als der

320d und der ähnliche kräftige 330i hat der 330e eine Standheizung und das große Navigationssystem ohne Zuzahlung eingebaut. Wer beides zum 330i hinzurechnet nähert sich an – doch der Plug-in-Hybrid muss dem Kunden unterm Strich rund 2000 Euro Aufpreis wert sein.

Der beliebte 320d [3] wirkt mit seinem Basispreis von 40.450 Euro sehr viel günstiger – eine Illusion, denn aufgerüstet auf ein vergleichbares Ausstattungsniveau ist er kaum nennenswert günstiger. Das und der Umstand, dass es den 330e anders als bisher künftig auch als Kombi geben wird, dürfte zu einem höheren Hybrid-Verkaufsanteil beitragen. Nicht zu vergessen: Der 330e fällt unter die steuerliche Neuregelung der privaten Nutzung von Dienstwagen.

Zumal bei den 51.550 Euro, die der 330e in der Basisausstattung kostet, bestimmt nicht Armut regiert. Doch BMW darf einigermaßen sicher sein, dass den so kein Kunde bestellt. Mit Metalliclack, anderen Felgen und Interieurleisten sind schnell weitere Euros versenkt. Dringend ans Herz legen wir wieder einmal jedem Interessenten die Sportsitze, die sehr bequem sind und sich weitreichend einstellen lassen. Zusammen mit Kleinigkeiten wie einer Sitzheizung – immerhin fast 400 Euro teuer – oder dem DAB+-Empfänger kommen schnell ein paar Tausender zusätzlich zusammen. Sehr viel weniger als 60.000 Euro dürfte kaum ein 330e laut Liste kosten.


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/autos/artikel/Test-BMW-330e-3625680.html
[2] https://www.heise.de/autos/artikel/Plug-in-Hybrid-Verbrauchsermittlung-im-WLTP-4225028.html
[3] https://www.heise.de/autos/artikel/Fahrbericht-BMW-320d-4248125.html