Grund zur Sorge

Fahrbericht BMW R 1250 GS

Die Boxer-Enduro von BMW ist ein Phänomen: Kein Motorrad verkauft sich auch nur annähernd so gut in Deutschland und ganz Europa wie die R 1200 GS. Jetzt hat die Konkurrenz noch einen Grund mehr zur Sorge: BMW modernisierte seinen Bestseller zur R 1250 GS

Lesezeit: 5 Min.
In Pocket speichern
Druckansicht Kommentare lesen 35 Beiträge
15 Bilder
Von
Inhaltsverzeichnis

Diese Boxer-Enduro ist ein Phänomen: Kein Motorrad verkauft sich auch nur annähernd so gut in Deutschland und ganz Europa wie die BMW R 1200 GS. Und das schon seit fünfzehn Jahren. Reiseenduros anderer Marken scheiterten schon bei dem Versuch, sie einzuholen. Jetzt hat die Konkurrenz noch einen Grund mehr zur Sorge: BMW modernisierte seinen Bestseller zur R 1250 GS.

Vergangenes Jahr wurden in Deutschland 7304 Stück der BMW R 1200 GS verkauft, von der zweitplatzierten Yamaha MT-07 „nur“ 3199. Mit Erklärungsversuchen, warum die Boxer-Enduro von BMW so drückend überlegen in den Verkaufszahlen ist, tun sich selbst Experten schwer. Letztendlich liegt ihr Erfolg wohl in zwei Faktoren begründet: Zum einen in ihrem legendären Ruf als Abenteuer-Bike, dessen Grundstein ihre Vorfahrin R 80 G/S mit drei Siegen bei der Rallye Paris-Dakar in den frühen 1980er Jahre legte, und zum anderen, dass die R 1200 GS heute in der Summe ihrer Eigenschaften als Gesamtpaket eigentlich unschlagbar ist.

Überzeugender Kompromiss

Natürlich gibt es stärkere Motoren, aber der Boxermotor liefert immer reichlich Druck und läuft auch noch ruhig. Es gibt sensiblere Fahrwerke, aber die GS schafft immer den überzeugenden Kompromiss zwischen komfortablem Transport und ausreichender Sportlichkeit. Auf ihr kann man problemlos über die Autobahn gleiten und ist trotz des Gewichts auch auf Schotterpisten noch ausreichend beweglich. Die Boxer-GS ist ein Motorrad für fast alles: Morgens auf ihr zur Arbeit und im Urlaub zwei Wochen mit Sozia und Gepäck auf Alpentour oder allein auf Fernreise quer durch – die Reiseenduro aus Bayern macht alles mit.

Äußerlich unterscheidet sich die neue R 1250 GS auf den ersten Blick kaum von ihrer Vorgängerin. Ein bisschen Kosmetik an der Kühlerverkleidung aus Kunststoff, das war es weitestgehend auch schon. Einigen werden aber die geänderten Zylinderkopfdeckel auffallen, und genau dahinter verbirgt sich auch das eigentliche Novum: Eine variable Ventilsteuerung. „Shift Cam“ verschiebt die Einlassnockenwellen, sodass drehzahlabhängig ein zahmes oder scharfes Nockenprofil zum Einsatz kommt. Außerdem wurde der Hubraum von 1170 auf 1254 cm3 vergrößert. Diese beiden Maßnahmen in Kombination lassen die Leistung von 125 auf 136 PS sowie das maximale Drehmoment von 125 auf 143 Nm ansteigen. Das bildet die neuen Verhältnisse aber nur unzureichend ab, denn dank der variablen Ventilsteuerung setzt der Druck noch früher ein als bisher. Über das gesamte Drehzahlband liefert die R 1250 GS mehr Power als die gewiss nicht leistungsschwache Vorgängerin.

Präzise, weiche Gasannahme

Beim ersten Ausritt beeindruckt die präzise und weiche Gasannahme des Boxermotors. Vor allem im Gelände ist das von großem Vorteil, wer über losen Schotter fahren oder Bäche durchqueren will, ist über eine exakte Umsetzung der Gasbefehle dankbar, zumal im Gelände die Schlupfregelung vom Fahrer meist deaktiviert wird. Hier gab sich die alte R 1200 GS etwas ruppiger und verlangte mehr Konzentration vom Enduristen. Dass die 1250er über mehr Kraft im Drehzahlkeller verfügt, bestätigt ein Test: Bei Tempo 50 in den sechsten Gang schalten und dann schlagartig Gas geben. Man hört zwar, dass der Boxermotor nicht begeistert über die Idee ist, er zieht aber klaglos und ohne sich heftig zu schütteln durch – die variable Nockenwelle macht es möglich. Die Vorgängerin hätte einem bei der Übung leid getan.