Das Boar-Board

Fahrbericht E-Skateboard Evolve GTX

E-Skateboards werden gerade endlich für den legalen Straßenbetrieb durchreguliert. Das Evolve GTX zeigt mit 42 km/h oder mehr Topspeed, dass es anderen Verkehrsteilnehmern wirklich hälfe, wenn die legalen Parameter sich in Serienprodukten finden

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(Bild: Selina Gleich)

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Die Hände zittern nach der ersten Fahrt. Nach der zweiten Fahrt genauso. Ich fahre jedoch keinen Hypersportwagen. Ich fahre ein Skateboard. Genauer: das elektrische Skateboard Evolve GTX. Dieses Ding fährt mit 107er Rollen 42 km/h. Das fühlt sich auf einem Longboard in der Ebene ganz schön schnell an. So eine Endgeschwindigkeit erreichen andere Boards mit großen Rollen vielleicht auch noch. Was die Adrenalinpumpe aber am GTX so beeindruckt, ist die schiere Power: Zwei Motoren leisten zusammen 3 Kilowatt! Damit fahre ich die Test-Steigung in meiner Straße (17 Prozent) mit knapp 30 km/h hoch. Schneller schafft das mein Roller auch nicht.

Wie bei jedem elektrischen Skateboard muss der Fahrer achtgeben, dass ihm das Rollbrett während Beschleunigung oder Bremsen nicht unter den Füßen wegflutscht, denn beim klassischen Skateboarden gibt es keine Längsbeschleunigungen aus dem Fahrzeug, sondern nur Querbeschleunigungen. Hier gibt sich Evolve einige Mühe mit Sicherheitsfunktionen der Pistolengriff-Funkfernbedienung, an die man sich schnell gewöhnt.

Wie so häufig braucht der Stuttgarter alle Fahrmodi außer dem brutalsten gar nicht erst einstellen, weil er sonst die steilen Berge nur im Kriechtempo hochkommt. Der „GT“-Top-Modus hat es aber in sich. Laut Mario Stanojevic, der mir das Board ausgeliehen hat, reicht das Drehmoment, um bei scharfen Kurven ins Driften zu kommen. So gut habe ich es als Sehrseltenskater nicht hinbekommen, aber glauben kann ich das sofort. Selbst die Höchstgeschwindigkeit liegt in keiner Weise an der Leistung, sondern der Nenndrehzahl der Motoren, die auf rund 42 km/h auf 107er Rollen hinausläuft. Montiere größere Rollen und du wirst die 50 km/h locker knacken.

Verkehr ohne Hindernisse

Diese Geschwindigkeiten klingt irre, sorgt jedoch dafür, dass dieses Board in typisch engen, städtischen 30er-Zonen problemlos die Pace der Autos mitgeht oder überschreitet. Deshalb bin ich auch gleich auf der Straße gefahren. Was will ich mit 40 km/h auf dem Trottoir?

Die Bedieneinheit funktioniert gut, wenn ich auch keine Handstellung fand, bei dem ich zwischen Vollgas und Vollbremsung nicht zumindest minimal umgreifen musste. Das Beste ist der kleine Farbbildschirm, der außer Akkuladung auch Geschwindigkeit und einen Kilometerzähler zeigt. Letzteren leider nur als Trip-Zähler. Die Fans verlangen bereits nach einem Gesamtzähler, den Evolve hoffentlich irgendwann als Update nachrüstet.

Gut auch: Der Fahrer kann Start- wie Endpunkte von Gas- und Brems-Hebel selber einstellen. Noch besser fände ich, verschiedene Mappings wählen zu können, damit ich auch nonlineare Änderungen vornehmen kann. Die elektrische Bremse bremst auch bei vollem Akku. Der Strom wandert dann in einen Widerstand in der Leistungselektronikkiste, der ihn als Wärme absondert.

Flexing

Die getestete Variante „Bamboo“ mit dem Holz-Deck flext sehr schön, was ich auf rauen Oberflächen auch als Komfort-erhöhende Federung empfand. Der Akkuträger am Bauch flext dabei einfach mit. Evolve hat ihn flexibel gebaut. Die Lenkung hat zwei einstellbare Gelenke pro Achse statt eins, damit engere Wendekreise möglich werden. Damit die Lenkung allerdings bei 40 nicht flattert, musste ich die Lenkung ein Stück vor allem an der Vorderachse straffer stellen. Ich habe dazu jeweils beide Schrauben an den Achsen etwas zugedreht. Erfahrenere, feinfühligere Longboard-Skater holen aus diesen Einstellmöglichkeiten wahrscheinlich einen besseren Kompromiss heraus als ich.