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Zwischen Sport und Komfort

Fahrbericht: Genesis G80 3.3 T Sport AWD

Autos

Hyundai plant mit seiner Luxusmarke Genesis ihren Markteintritt in Europa Ende 2019. Der Genesis G80 wurde gerade erst sportlich nachgeschärft. Als 3.3 T Sport soll dabei nicht nur leisen Reisekomfort bieten, sondern auch fahrdynamisch wettbewerbsfähig werden

Hyundai plant mit seiner Luxusmarke Genesis einen Markteintritt in Europa Ende 2019. „Europa heißt für uns in erster Linie Deutschland, England und die Schweiz“ heißt es bei Hyundai. Ein mutiges Vorhaben, denn Toyota ist mit Lexus und Nissan mit Infiniti bereits an den erhofften Karrieren in Europas Kerngebieten gescheitert, um nur die asiatischen Nobelmarken aufzulisten. Abgesehen von Mercedes, Audi und BMW sind auch Jaguar [1], Volvo [2] oder Cadillac [3] keine leichten Gegner.

Genesis ist in Südkorea längst eine große Nummer. Mittlerweile tritt Hyundai mit dem schicken G80 auch in den USA an – mit beachtlichem Erfolg. Unter der Federführung des Entwicklungsvorstands Alfred Biermann, ehemals in Diensten der M GmbH von BMW, wurde der Genesis G80 gerade erst sportlich nachgeschärft. Als 3.3 T Sport soll dabei nicht nur leisen Reisekomfort bieten, sondern auch fahrdynamischer werden.

Die 4,99 Meter lange, sportliche Oberklasselimousine bietet mit weit nach hinten gerückter Fahrgastzelle stimmige Proportionen. Von der Seite erkennt man die gerade so beliebte Coupéisierung der viertürigen Fließhecklimousine. Der Gitterkühlergrill der Sportversion folgt ebenfalls der Mode und ist vor allem groß. Das Heck mit seinen schmalen LED-Bändern wirkt beliebig, der ganze Wagen kommt aber eher dezent rüber. Abgesehen von den vier Endrohren im Audi-S-Styling ist dem G80 3.3 T Sport seine Leistungsreserven kaum anzusehen.

Nicht animiert – kein Schaden

Die Instrumente sind nicht animiert, was kein Schaden ist. Die Anzahl der Schalter über dem linken Knie oder auf der Mittelkonsole ist allerdings üppig und wirkt inklusive Bedienung von Multifunktionsbildschirm, Klimatisierung oder Soundsystem etwas konservativ. Die Komfort- und Sicherheitsfunktionen stehen denen der deutschen Konkurrenz in kaum etwas nach. So gibt im Rahmen der Komplettausstattung unter anderem zahlreiche Fahrerassistenzsysteme oder ein Head-Up-Display.

Vorn genießt man umfangreiche Bewegungsfreiheit auf den bequemen, klimatisierbaren und umfangreich verstellbaren Komfort-Ledersitzen. Viel Platz bietet der G80 auch im Fond, wo die elegant abschwingende Dachlinie selbst Großgewachsene kaum Kopfraum kostet. Dank 3,01 Metern Radstand ist auch genügend Platz vor den hinteren Radkästen. Das großzügige Angebot vorn scheint Kofferraum zu kosten, er ist mit 434 Litern eher klein.


Der V6 mit doppelter Turboaufladung 272 kW / 370 PS und 510 Nm Drehmoment zwischen 1300 und 4500/min hält sich akustisch überraschend dezent im Hintergrund. Motor und Achtgangautomatik sind kongenial aufeinander abgestimmt. Wer bei schneller Kurvenfahrt über die Schaltpaddel am Lenkrad in die Gangwahl eingreifen will, kann dies tun, einen realen Grund dafür gibt es außerhalb einer bewusst genutzten Motorbremswirkung nicht.

Dabei macht sich der optionale Allradantrieb (2500 Dollar Aufpreis) insbesondere bei ambitionierter Gangart angenehm bemerkbar. Gerade aus schnellen Kurvenkombinationen bringt der 2,1 Tonnen schwere Wagen seine Kraft deutlich besser auf die Straße als die mindestens 55.250 Dollar teure Variante mit Hinterradantrieb. Dabei wird die fahrdynamisch vorteilhafte Bevorzugung der Hinterachse von einer Lamellenkupplung gewahrt. Die Motorleistung wird bei normaler Fahrt nahezu komplett an die Hinterachse gebracht, bei Bedarf gehen bis zu 50 Prozent der Motorleistung an die Vorderachse.

Zwischenstellung

Im Grenzbereich schiebt der G80 3.3 T Sport AWD deutlich über die Vorderräder, auch mit Mischbereifung mit 245er Reifen vorn und 275ern auf 19-Zoll-Rädern hinten. Hier machen sich die mehr als 2,1 Tonnen Leergewicht unangenehm bemerkbar. Die Lenkung ist dabei präzise, wie man sich dies von einem Modell dieser Fahrzeugklasse wünscht.

Egal, in welchem Fahrmodus man unterwegs ist, die fünf Meter lange Oberklasselimousine bleibt mit ihrer souveränen Leistung und viel Kraft aus niedrigen Drehzahlen eher sportlicher Gleiter als brutale Fahrmaschine mit maximaler Längs- und Querdynamik. Eine wirkliche Sportversion ist die nachgeschärfte Limousine aber nicht. Vielleicht ist ja gerade diese Zwischenstellung zwischen Sort und Komfort die künftige Marktlücke für den G80 auf dem hochkarätig besetzten Feld.


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[2] https://www.heise.de/autos/artikel/Neuvorstellung-Volvo-S90-3029252.html
[3] https://www.heise.de/autos/artikel/Fahrbericht-Cadillac-ATS-V-2865801.html