Konservative Kraft

Fahrbericht: Genesis G90

Leise, bequem, kräftig - der Genesis G90 bringt diese wichtigen Tugenden der Luxusklasse mit, wie ein ersten Fahreindruck zeigt. Doch es fehlen Innovationen, die ihn als Neueinsteiger von der etablierten Konkurrenz abheben. Damit wird er es auf dem europäischen Markt schwer haben

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(Bild: Hyundai)

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„Nun geht es aber wirklich los. Ganz bestimmt. Die Koreaner machen den in der Luxusklasse etablierten Herstellern ernstlich Konkurrenz.“ Wie oft gab es diese Ankündigungen schon – und wie oft wurde dann doch nichts daraus. Die Geschichte wird sich in Europa mit dem Genesis G90 wiederholen, was nicht nur daran liegt, dass ein fehlendes Image in dieser Klasse nur schwer zu kompensieren ist. Denn ein paar Dinge könnte der Hyundai-Konzern bei seinen teuersten Autos schon anders machen, wie eine erste kurze Ausfahrt zeigt.

Konservativ gezeichnet

Der Genesis orientiert sich in vielerlei Hinsicht an der europäischen Konkurrenz. Mit 5,2 Metern ist er ähnlich üppig dimensioniert wie die Versionen von S-Klasse, A8 und 7er mit langem Radstand. Optisch gibt er sich eher zurückhaltend, was in dieser Klasse keine schlechte Idee ist – eine allzu offensive Gestaltung wäre einer breiten Käuferschicht in diesem Segment wohl auch kaum zu vermitteln. Hinten erinnert der Genesis G90 etwas an die zwischen 2005 und 2013 gebaute Mercedes S-Klasse.

Das Platzangebot ist so opulent, wie es der Radstand von 3,16 Metern andeutet – auch Menschen mit sehr langen Beinen haben hier reichlich Beinfreiheit. Die Sitze selbst sind vorn wie hinten sehr bequem, das Geräuschniveau gering. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet, die Materialien sind exquisit. So gesehen ist der G90 dort angekommen, wo er hin will, denn in all diesen Punkten ist er auf einem ähnlich hohen Niveau wie die Konkurrenz. Doch um sich von den Gegnern abzusetzen, reicht es nicht, alles ähnlich gut zu machen wie sie. Es braucht schon ein paar frische Akzente, um die anspruchsvolle Kundschaft zu locken.

Alte Werte

Schon die Gestaltung des Armaturenbrettes verdeutlicht, dass der G90 alte Werte pflegt. Zahlreiche Schalter und Knöpfe sind dort verstreut, was nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung nicht der schlechteste Weg sein muss. Doch die Sprachsteuerung funktioniert bei der Konkurrenz besser – hier wird sich mit der geplanten Überarbeitung sicher noch etwas tun. Doch ein modernes Bedienkonzept das dem Fahrer die Wahl zwischen Tasten, Touchflächen, Sprache oder Gesten lässt, ist nicht abzusehen. Trotz großem Display wirkt der Funktionsumfang des Infotainmentsystems nicht gerade innovativ. BMW bietet beispielsweise eine Verbindung mit dem Smartphone an, die einen daran erinnert, wann man bei der aktuellen Verkehrslage losfahren muss, um sein Zeit rechtzeitig zu erreichen. Von solchen Ideen ist der G90 Jahre entfernt.

Dazu passt dann auch das Display zwischen den zwei Rundinstrumenten – funktional gibt es daran nichts auszusetzen, doch die anderen Hersteller bieten hier einfach Spielereien an. Die dort verbauten, großen Displays erlauben mehr Möglichkeiten, sich das Kombiinstrument nach seinen Wünschen einzurichten.

Zwei Benziner

Konservativ bleibt der große Genesis auch beim Motorenangebot. Geboten wird ein aufgeladener 3,3-Liter-V6 mit 370 PS und ein V8-Sauger mit 420 PS. Ein Wunder an Drehfreudigkeit sind beide nicht, im Fahreindruck liegen sie recht nah beieinander. Der Turbomotor wirkt im unteren Drehzahlbereich etwas lebendiger, der größere insgesamt noch etwas souveräner, was auch am Sound liegt. Der V8 klingt doch noch einmal etwas gelassener als der kleinere V6. Eine Achtgangautomatik und Hinterradantrieb sind Serie, wer mag, kann die Limousine auch mit Allradantrieb ordern. Den Verbrauch gibt Hyundai mit 18 bis 20 Meilen pro Gallone (US) an, was einem Verbrauch zwischen 11,8 und 13,1 l/100 km entspricht. In der Praxis liegt er locker bei rund 12 Litern plus X – bei beiden.