Der X-Faktor

Fahrbericht Mazda CX-30

Mazda geht gerne eigene Wege, auch beim neuen CX-30. Äußerlich eine Art SUV-Coupé, sind die inneren Werte vor allem von Komfort, vielen Sicherheitssystemen und sparsamen Motoren geprägt. Leistungssport ist seine Sache nicht.

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  • Gernot Goppelt
Inhaltsverzeichnis

„Warum heißt der CX-30 nicht CX-4?“, wollte einer der anwesenden Journalisten bei der Fahrpräsentation wissen. Schließlich sei das Modell zwischen dem CX-3 (Test) und dem CX-5 (Test) positioniert. Die Antwort: In China gebe es bereits einen CX-4, der Name ist also bereits vergeben.

Verwandtschaft

Der CX-30 nutzt die Plattform des aktuellen Mazda 3, ist also ein Kompakt-SUV des C-Segments. Auch sonst ist die Verwandtschaft zum kompakten 3 an vielen Stellen sicht- und spürbar: Er folgt derselben Designlinie, mit ein paar Unterschieden: Die Bodenfreiheit beträgt 175 statt 135 mm, untenrum ist der CX-30 üppig mit schwarzem Plastik beplankt und die C-Säule ist konventioneller gestaltet, sprich weniger Blech, mehr Glas. Der Kofferraum ist mit 430 versus 358 Liter deutlich größer, in einiger Zeit soll auch ein Cargo-System bestellbar sein, mit dem sich der Raum weiter unterteilen lässt.

So sportlich das Fahrzeug aussieht, es wird sicherlich auch Herrschaften gefallen, die gerne etwas höher einsteigen und sitzen. Interessanterweise sind Mazda 3 und CX-30 (ohne Spiegel) mit 1795 mm gleich breit – und spätestens beim Einsteigen wirken sie fast wie Zwillinge. Beide eint die für meinen Geschmack äußerst gelungene Instrumententafel. Es ist ein hochwertig wirkendes Fahrercockpit im besten Sinne, mit vielen lederartigen Oberflächen, mit einem zugewandten, unaufdringlichen Zentraldisplay und hübsch gestalteten Bedienelementen.

Form und Funktion

Auch beim Bedienkonzept pfeift Mazda auf den Mainstream, nur zwei Beispiele: Erstens gibt es kein Touchscreen, das Zentraldisplay lässt sich ausschließlich per Dreh-Drücksteller bedienen. Das leuchtet insofern ein, als jede Versuchung entfällt, während der Fahrt mit dem Finger auf dem Bildschirm herumzurutschen. In der Praxis funktioniert das Mazda-Bedienkonzept auch wunderbar, mit einer Ausnahme: Eine Adresse im serienmäßigen Navi einzugeben, ist zeitraubend, weil jedes einzelne Zeichen per Drehrad gewählt werden muss. Insgesamt überwiegt aber der Eindruck, primäre, fahrrelevante Funktionen erschließen sich sofort und sind durchweg haptisch bedienbar, ohne dass man sich durch irgendwelche Menüs wühlen müsste.

Der Tacho sieht traditionell aus, ist es aber nicht. Mazda hat sich die Mühe gemacht, ein analoges Instrument samt räumlicher Darstellung zu simulieren, der zentrale Tacho ist von den links und rechts davon liegenden „echten“ Rundinstrumenten kaum zu unterscheiden. Überzeugend sind auch große Hilfsanzeigen wie für die verbleibende Reichweite, die ausgezeichnet abzulesen sind. Dazu gibt es serienmäßig ein sehr gut lesbares Head-up-Display, das die Windschutzscheibe als Projektionsfläche nutzt. Die wichtigsten Informationen werden darin ständig angezeigt, etwa Tempo, Navigationsanweisungen und Verkehrszeichen.

Ausstattungsprogramm

Überhaupt die Ausstattung: Selbst das Grundmodell mit 122 PS hat für 24.290 Euro Assistenten, für die man vor ein paar Jahren noch einige Tausender hinblättern durfte: Notbremsassistent, adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Pre-Crash-System mit Bremseingriff, Spurhalteassistent mit Lenkunterstützung, Spurwechselassistent, Ausparkhilfe, Einparkhilfe hinten, Verkehrszeichenerkennung usw.

Allerdings versteht es Mazda auch, die Selection-Ausstattung für 1700 Euro schmackhaft zu machen, denn erst hier gibt es so schöne Dinge wie Klimaautomatik, Lenkradheizung, Rückfahrkamera, elektrische Heckklappe, Scheibenwischerenteiser etc. Mazda nimmt vermutlich zu Recht an, dass sich die meisten Kunden für diese Mehrausgabe entscheiden, zumal diese Voraussetzung für weitere Sonderausstattungen ist, etwa dem Bose-Soundsystem oder den Ledersitzen.

Damit zu einer Kuriosität, die Mazda 3 und CX-30 teilen: Wer eine verstellbare Lordosenstütze haben möchte, muss 1800 Euro in die Ledersitze investieren, die elektrisch verstellbar sind, einschließlich der Stütze, diese allerdings nur in horizontaler Richtung. Positiv wiederum bei der Stoffvariante, dass die Lehne zwar nur stufig einstellbar ist, die Sitzfläche aber vorn und hinten in der Höhe. Dafür gibt es vorne ein zusätzliches Rändelrad. Die Sitze sind generell vergleichsweise schlank geschnitten und auch ohne Lordosenstütze gut konturiert. Nur die fehlende stufenlose Verstellung der Lehne könnte mancher vermissen.

Ein bisschen Hybrid

Ich hatte die Gelegenheit, alle drei Motorisierungen des CX-30 auszuprobieren, zunächst die Variante mit Zweiliter-Benziner und 122 PS, den Scyactiv-G. Spontan fällt auf, wie leise und geschmeidig dieser Motor läuft. Hier zahlt sich offenbar aus, dass Mazda viel in die Geräuschdämmung und Entkoppelung investiert hat. Mit diesem Motor ist der CX-30 ein angenehmer Gleiter, nicht sportlich, aber ausreichend für den Alltag.