Entspannungstechniker

Fahrbericht: Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid

Eine kleine Überarbeitung soll den Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid flotter und sparsamer machen. Hat das geklappt? Nun, etwas flinker ist er tatsächlich geworden, der Verbrauch hängt dagegen weiterhin vom Fleiß des Benutzers ab. Ein Fahrbericht

Lesezeit: 5 Min.
In Pocket speichern
Druckansicht Kommentare lesen 48 Beiträge
18 Bilder

(Bild: Prengel)

Von

Inhaltsverzeichnis

Die Reichweitenangst kommt auf der A4 im hügeligen Zwickauer Land, einige stramme Anstiege auf der mittleren Spur liegen hinter mir. Plötzlich blinkt ein Warnhinweis im Kombiinstrument des Plug-In-Hybrids auf, man möge doch bitte bald auftanken beziehungsweise nachladen.

Zum Glück liegt an der nächsten Ausfahrt ein Autohof mit Tankstelle, die ich mit dem Mitsubishi Outlander PHEV ansteuere. Die Cockpit-Anzeige mit der verbleibenden Reichweite hatte nichts Gutes verheißen: Die maximal möglichen Rest-Kilometer schmolzen beinahe im Sekundentakt dahin: 50, 49, 48,...also ran an die Zapfsäule. Eine öffentliche Ladestation für Elektroautos bietet der Autohof nicht.

Grundgefühl: Entspannt

Der Stress kommt unerwartet, denn das Grundgefühl im Outlander ist: entspanntes Reisen. Zwei Tonnen wiegt das Dickschiff von Mitsubishi, das von außen gar nicht so klobig wirkt. Das Design ist angenehm gelassen. Innen herrscht Gemütlichkeit. Mit Zweizonen-Klimaautomatik im Dauerbetrieb geht es kommod durch das nasskalte Winterwetter. Der Testwagen hat mit der höchsten Ausstattungslinie „Top“ weitere Annehmlichkeiten wie Lenkrad- und Sitzheizung an Bord, die natürlich alle Strom ziehen.

Unter den SUV gehört der Mitsubishi Outlander zu den erfolgreichsten Plug-In-Hybriden. Das liegt vermutlich auch am Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Einstiegspreis für das PHEV liegt bei 37.990 Euro. Darin ist bereits eine umfangreiche Serienausstattung enthalten. Die höheren Ausstattungsversionen bieten Extras wie elektrisch betätigte Heckklappe, Einparkhilfen, Fahrassistenz-Paket und verschiedene Dekor-Elemente. Die teuerste Version „Top“ kostet knapp 50.000 Euro.

Mehr Hubraum

Seit ein paar Monaten bietet der Hersteller eine überarbeitete Version des PHEV an, die auf das Inkrafttreten des WLTP folgte. Der neue Benziner hat jetzt 99 kW (135 PS), der Hubraum wuchs von 2,0 auf 2,4 Liter. Dazu kommen zwei Elektromotoren (60 kW vorn, hinten 70 kW). Die Menage à trois macht den Antrieb interessant. Gleich drei Herzen schlagen in dem SUV, deren Zusammenspiel ein technisches Highlight ist. Der Antriebsstrang erlaubt sowohl einen parallelen wie einen seriellen Betrieb.

Der Verbrenner verfügt über eine variable Ventilsteuerung und kann im Teillastbetrieb nach dem Atkinson-Zyklus mit verlängertem Expansionshub arbeiten. Unter hoher Last arbeitet er wie ein „normaler” Ottomotor mit Steuerzeiten für bestmögliche Füllung. Mitsubishi verspricht durch diese keineswegs neue „Hightech-Maßnahme“ einen höheren Wirkungsgrad bzw. eine verbesserte Energieeffizienz. Sowohl im parallelen als auch im seriellen Hybrid-Modus operiere der Motor bei deutlich niedrigerem Drehzahlniveau als sein Vorgänger. Um dem Effekt nachzuspüren, braucht man in der Praxis aber schon sehr gute Ohren. Tatsächlich klingt der Benziner im unteren Drehzahlbereich mitunter eher recht rau, sodass man gerne einen Gang höher schalten würde. Ein Drehzahlmesser fehlt im Cockpit des Outlander PHEV, stattdessen gibt es ein „Powermeter".

Unter 64 km/h fährt der Outlander PHEV nie allein mit dem Benziner. Bei niedrigen Geschwindigkeiten bewegt er sich meist rein elektrisch. Fußgänger in der City kann es schon irritieren, wenn ein zwei Tonnen schweres SUV beinahe geräuschlos an ihnen vorbeizieht. Beim Ampelstart im Elektromodus loszuflitzen macht Freude. Trotz seines Formats zeigt sich der Mitsubishi Outlander PHEV erstaunlich agil. Die Lenkung ist einigermaßen direkt, das Fahrwerk könnte komfortabler sein. Über Fahrbahnunebenheiten poltert das SUV mitunter etwas hart.

Kein Sprinter

Mit 135 PS und 211 NM bei 4500/min ist der 2,4-Liter-Benziner kein Renner, doch im Zusammenspiel mit den Elektromotoren sind die Fahrleistungen für ein Mittelklasse-SUV sicher ausreichend. Gehobene Ansprüche erfüllt er nicht, worauf schon die Werksangaben hindeuten: 170 km/h und 10,5 Sekunden im Standardsprint sind nichts, womit man Freunde flotter Autos locken könnte. Auch im Alltag bleibt der Fahreindruck hinter dem zurück,was die reine Angabe der Systemleistung von 165 kW (224 PS) erwarten lässt. Eine Erfahrung, die wir auch mit dem Mini Cooper SE Countryman All4 (Test) gemacht haben.