Abenteurer der Städte

Fahrbericht: Seat Arona 1.0 EcoTSI

Sieht so der Kompakte der Zukunft aus? Ein Seat Ibiza mit rund 15 Zentimetern mehr Kopffreiheit und einer erhabenen Sitzposition bietet mehr als nur Lifestyle: Der Arona bietet eine Verbindung aus Jugendfrische und Bedürfnissen einer sich wandelnden Gesellschaft. Ein schlüssiger Spagat

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(Bild: Florian Pillau)

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Sieht so der Kompakte der Zukunft aus? Ein Ibiza, mit rund 15 Zentimetern mehr Kopffreiheit, einer erhabenen Sitzposition – aber trotz unlackierter Plastikteile um die Radkästen nur rund eineinhalb Zentimeter höher? Ein Vorteil liegt auf der Hand: Mithilfe der so veränderten Proportionen steigt es sich auch für Senioren angenehmer ein und aus. Diese Kundengruppe ist eine Bank – schneller wächst zur Zeit keine.

Deren Ansprüche an die Fahrdynamik sind meistenteils denen an eine barrierearme Bedienbarkeit gewichen und jene, deren Popometer noch nicht ganz eingeschlafen ist, werden erstaunt konstatieren, dass vor 30 Jahren höchstens sportlich angelegte Autos vergleichbar agil fuhren. Wenn überhaupt.

Ansonsten besteht die Dynamik des Arona vor allem aus auswärtsgewandter Attitüde. Seine optischen Mittel sind eine gelinde Fahrwerks-Höherlegung – noch lange nicht hoch genug, um die Bodenfreiheit ganz normaler Limousinen von vor einigen Jahrzehnten zu erreichen – Dachkufen und verwegen unlackierte Radläufe. Abgesehen davon ist immerhin eine FR-Ausführung und eine Tieferlegung um eben jene 15 Millimeter erhältlich, die der Crossover-Ibiza normalerweise höher liegt. Alles klar?

Seat hat offenbar verstanden und bietet eine geschickte Verbindung aus jugendfrischem Lifestyle und Bedürfnissen einer sich wandelnden Gesellschaft an. Ein schlüssiger Spagat: Wer hinsichtlich dieser Evolution der Auto-Formate ein paar Jahre vorausblicken möchte, kann das in Japan tun.

Abenteurer der Städte

Wer braucht da Allradantrieb? Wie Seat selbst sagt, ist das Ding ein „kompaktes City-Crossover für Abenteurer“. Dazu sollte der turbogeladene Dreizylinder mit 999 Kubikzentimetern reichen, Seat gibt 95 PS und 175 Nm ab 2000/min an. Das klingt wenig, ist aber nicht – es ist vielmehr vollauf genug für fast alle Situationen und es liegt auch nicht an der leicht eingetrübten Erwartungshaltung angesichts des Mini-Hubraums.

Nein, es macht sogar Spaß, den 1,2-Tonner mit diesem kleinen Motor zu fahren, weil es sein Drehmoment zur Verfügung stellt, wo man es braucht. Man wandelt genüsslich auf den weiten Hochebenen zwischen Drehmomentplateau und Leistungsgipfel. Das fühlt sich deutlich leichtfüßiger an als die unwirtliche Hungerzone in der Steilwand vor dem Leistungspeak eines auf die doppelte Leistung hochgezüchteten Motors aus der Prä-Downsizing-Ära. Da kann es öfter mal passieren, dass einen die Anzeige schon ab 1800 Touren zum Hochschalten auffordert. Noch nicht ganz auf der Höhe ist der an sich moderne Motor bei der Abgastechnik. Seat wird einen Partikelfilter wohl erst einbauen, wenn er ab September 2018 zur Pflicht wird. Davor gekaufte Arona 1.0 TSI-Modelle fahren ab diesem Stichtag bereits mit einer überholten Abgasnorm.

Fünf Gänge sind bei dieser Elastizität genug und die sechste Stufe im kräftigeren 1.0 TSI mit 115 PS und 200 Nm dürfte höchstwahrscheinlich nur den Werten im Zyklus geschuldet sein. Wer nicht ständig auf die Schaltanzeige reagiert, braucht bei diesem Antrieb nur halb so oft die Gänge zu wechseln – auch im Fünfganggetriebe. Wobei dieser Vorgang nun fast schon Spaß macht bei der Leichtgängigkeit und einer Synchronisation, die sich auch bei größeren Drehzahlsprüngen noch völlig gelassen anfühlt.