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Ganz persönlich

Fahrbericht: VW Up 1.0 TSI

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Fahrbericht: VW Up 1.0 TSI

Mit dem 90 PS kräftigen Turbo-Aggregat entwächst der VW UP den Sphären eines reinen Sparmobils. Zudem will man Konnektivität und Personalisierung verbessert haben. Die erste Probefahrt zeigt gewachsenen Fahrspaß und gewisse Eigenheiten

Mit dem 90 PS kräftigen Turbo-Aggregat entwächst der VW UP den Sphären eines (Platz)Sparmobils. Die Gestalter zeigen das mit GTI-Waben im Kühlergrill und hinten mit einem angedeuteten Diffusor. Serienmäßig gibt es außerdem LED-Tagfahrlicht, zudem will man Konnektivität und Personalisierung verbessert haben. Eine erste Probefahrt zeigt mit der Leistung gewachsenen Fahrspaß, weil ihr das Fahrwerk durchaus angemessen ist – aber auch gewisse Eigenheiten. Keine Überraschung ist dagegen, dass Innen- und Kofferraum des Platzsparmobils unverändert klein bleiben.

Ganz persönlich soll der Up mit der Modellpflege werden. Mit der Überarbeitung kann man eine individuelle Kombination aus 13 teils poppigen Außen-Farben, drei Dachlackierungen und zehn Dekorfolien herstellen. Zehn verschiedenen Designs und Applikationen sollen das Cockpit aufhübschen. Damit gewinnt die Kleinwagen-typische Hartplastik-Landschaft deutlich an Charme. Druckvollen Sound von Beats by Dr Dre mit 300 Watt gibt es im Modell „Beat” ab einem Preis von 13.150 Euro serienmäßig. Unter Kopfhörer-Freaks hat diese Marke zwar Kultstatus, allerdings sind die Bässe auch ganz typisch Dr. Dre-mäßig – und damit vielen sicher etwas zu präsent.

Up-App statt App-Armada

Bei der Konnektivität soll der Up ein neues Zeitalter einläuten. Statt Mirror-Link oder einer ganzen App-Armada stehen das Smartphone des Autofahrers und eine Up-App im Zentrum des Bedienkonzepts. Durchaus clever, schließlich ist mittlerweile fast jeder mit seinem Smartphone unterwegs. 170 Euro kostet die Aufrüstung in Verbindung mit dem Radio „Composition Phone” (130 Euro, nur bei der mittleren und höchsten Ausstattungsvariante erhältlich). Beim Up Beats ist das System serienmäßig. Diese Ausstattungsvariante kostet mindestens 13.150 Euro.

Die neue Software beherrscht sogar eine Handschrifterkennung zur Eingabe von Navigationszielen und Begriffen auf dem Smartphone-Bildschirm. Eine Spracheingabe wie Siri ist dagegen nicht vorgesehen. Auch läuft nicht jede andere App parallel zu dem VW-Programm. Wer beispielsweise seine gewohnte Navi-App nutzen möchte, muss mit der Standard-Bluetooth-Kopplung vorlieb nehmen.


Gut drei Monate vor dem Marktstart Ende September präsentiert sich das System bisweilen noch ziemlich indisponiert. Abstürze und Probleme beim Koppeln des Telefons stören noch die Handhabung. VW verspricht, diese Kinderkrankheiten abzustellen, bis der Up beim Händler steht. Danach sollen Updates das Programm auf dem neuesten Stand halten und weitere Funktionen dazukommen.

Druckerhöhung, Drehzahlsenkung

Der 1.0 TSI ist die turbogeladene Version des Dreizylinders, wie sie bereits in anderen Modellen eingebaut wird. Der 90 PS leistende Motor ist eine sinnvolle Ergänzung, da die mäßig kräftigen Saugmotoren mit dem rund 1000 Kilogramm schweren Kleinwagen jenseits der Stadtgrenzen schnell angestrengt wirken. Mit Schub aus dem Turbinenverdichter muss man den Motor nicht mehr so hoch drehen lassen, 160 Nm stehen ab 1500/min an. Der deutlich frühere Drehmomenteinsatz macht beim Fahren in jeder Situation ungleich mehr Spaß, die lang übersetzten Gangstufen schmälern den dynamischen Eindruck wieder ein bisschen. Nach 9,9 Sekunden sind 100-km/h erreicht, 185 km/h sind möglich.

Allerdings schmälert ein stößiges Fahrverhalten die Freude. Wer sich jetzt zurecht wundert, weil wir es doch im Test des baugleichen Seat Mii [1] im Februar für unsere Verhältnisse wirklich sehr gelobt haben, sehe sich die Bereifung der Testwagen an: es sind 185/50 R16 (auf 6J x 16). Gummibezogene Kutschenräder können die ganze Mühe der Fahrwerksentwickler ganz einfach zunichte machen. Aber wie war das noch mal mit der „Personalisierung”? Nun kann halt auch der Kunde mit Gummibeschichtungsfetisch glücklich werden. Gut, dass die Lenkung präzis und gefühlvoll bleibt.

Der Bordcomputer meldete 5,8 Liter nach lustvoll-engagierter Fahrweise. Damit übertrifft der kleine Up die Werksangabe lediglich um 1,4 Liter. Wer die Kinder zur Musikschule shuttelt, kommt sicher günstiger weg. Dann täte es aber auch der turbolose Motor.

Der überarbeitete VW Up kommt im September und kostet mindestens 9850 Euro. Bereits ein bisschen Luxus, etwa eine Klimaanlage, treibt den Preis auf mindestens 12.450 Euro.


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[1] https://www.heise.de/autos/artikel/Fahrbericht-Seat-Mii-1-0-Ecofuel-3087682.html