Upsizing

Fahrbericht VW Up GTI

Tiefer, breiter, straffer, aber alles nur ein bisschen: VWs Up GTI bietet Sportgeschmack in einer hübschen Gestaltung. Darüber hinaus jedoch macht der drehmomentstarke Turbo-Dreizylinder den Up richtig langstreckenautobahntauglich

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Man muss das vorab sagen, damit Kleinstwagenhasser keine unnötigen Zeilen lesen: Ich mochte VWs Up schon seit dem ersten Erscheinen des Modells. Er war für mich die in ein Auto gegossene alte Braun-Designschule – schlicht, funktional und gerade deswegen zeitlos anschaubar. Das Einzige, was mir wirklich missfiel, war der asthmatische Dreizylinder-Motor mit seinem Kaffeemühlengeräusch. Deshalb habe ich mich wie Bolle auf den Up GTI gefreut. Da ich allerdings vor langer Zeit aus der Kernzielgruppe herausgealtert bin, holte ich mir eine zweite Meinung eines 18-Jährigen, der ernsthaft an eben solchen Autos interessiert ist.

Starting your engine

Für mich dreht sich das gesamte Konzept nicht um die karierten Sitze oder den Namen oder den rein virtuellen Bezug zum ersten Golf GTI aus den Siebzigern, sondern um den großartigen Motor. Trotz Abgasnachbehandlung nach Euro 6d-TEMP mit Partikelfilter dreht der Dreizylinder-Turbo gerne in seinem breit nutzbaren Band herum. Seine größte Stärke liegt jedoch im Drehmoment, das eine viel höhere Nennleistung vermuten lässt als die 115 PS des Datenblatts. Das maximale Drehmoment von 200 Nm liegt schon ab 2000/min an. Das bedeutet: großartiger Durchzug auch beim schaltfaulen Fahren in den höheren der sechs Gänge. Nachteil des Motors: Er braucht bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen im Schiebebetrieb nach dem Tritt aufs Pedal eine halbe Turbo-Gedenksekunde, bevor er mit Drehmomentschaufeln anfängt.

Mein Co-Tester Ben freut sich ebenfalls über den Punch des kleinen Motors. Interessanterweise fährt er gern mit hoher Drehzahl, tritt aber selten das Pedal ganz durch. Vielleicht hat der klassische Drehzahlmotor unter jungen Fahrern doch noch Zukunft? Auf jeden Fall reduziert die höhere Drehzahl die Turbo-Latenz des Motors, zu den Kosten eines höheren Verbrauchs. Insgesamt ein großer Wurf. Ich meine: Im Standard-Up steckt einer der langweiligeren Motoren aus Volkswagens mit langweiligen Motoren gesättigter Firmengeschichte, und vor diesem Kontrast strahlt der neue Turbo unerwartet wie eine Christuserscheinung auf einem Toast aus Kentucky. Toll gemacht, Wolfsburg!

Zum Sound des Dreizylinders habe ich mich gefreut, dass VW offenbar das Ansauggeräusch in den Innenraum leitet wie Porsche in einigen Modellen oder Toyota im GT86. Das stimmt aber nicht. Der Klang wird stattdessen folgendermaßen erzeugt: Ein Körperschallmikrofon am Wasserkasten des Up nimmt Vibrationen des Motors auf. Die werden per "Aktuator" (mehr oder weniger ein Lautsprecher) auf die Windschutzscheibe übertragen, damit die Insassen das hören. Von außen bleibt der Up damit leise. Ben scheint enttäuscht, hätte wohl auch außen gern mehr. Obwohl VW durch diese Lösung den Sound variabel gestalten hätte können, taten sie das nicht. Man kann den Aktuator nicht abschalten, und Ben sagt das, was andere Tester auch dachten: "Nett, aber ich weiß nicht, ob mich das Geräusch auf langen Fahrten nicht nerven würde."

Grenzen des Antriebs

VW serviert dazu eine Sechsgang-Handschaltung, die gut funktioniert, aber an sich nichts Sportliches hat. Normale Schaltwege, langer Knauf, das könnte so auch im Clio ohne RS stecken. Keine große Abweichung der Meinungen hier.